Anzeige

Ältester Skorpion der Welt entdeckt

437 Millionen Jahre altes Fossil liefert Hinweise auf den Landgang der Spinnentiere

Parioscorpio venator
War dieser Urzeit-Skorpion bereits ein Landgänger? © A. Wendruff et al. 2020/ CC-by-sa 4.0

Uraltes Spinnentier: Paläontologen haben die bisher ältesten Fossilien eines Skorpions entdeckt. Der Fund aus Wisconsin ist 437 Millionen Jahre alt und gehört zu einer neuen Skorpionart. Dieses Urzeit-Spinnentier könnte bereits an das Leben an Land angepasst gewesen sein und seinen marinen Lebensraum zumindest von Zeit zu Zeit verlassen haben. Damit liefern die Fossilien neue Hinweise auf die Geschichte des Landgangs der Skorpione.

Skorpione sollen zu den ersten Lebewesen gehören, die einst den endgültigen Sprung vom Wasser ans Land schafften. Heute sind die gepanzerten Jäger mit dem berüchtigten Giftstachel weit verbreitet und besiedeln mit Vorliebe Steppen- und Wüstenregionen. Wann und wie sich diese Spinnentiere jedoch an das Leben auf dem Land anpassten, ist bisher weitgehend unklar. Denn Fossilien früher Skorpione gibt es nur wenige.

Neuer Urzeit-Skorpion

Umso bedeutender ist der Fund, von dem nun Andrew Wendruff von der Otterbein University in Westerville und seine Kollegen berichten: Die Forscher haben gleich zwei Fossilien aus der sogenannten Waukesha Lagerstätte in Wisconsin als bisher unbekannte Skorpionart identifiziert.

Parioscorpio venator, wie sie die neue Spezies tauften, stammt aus dem Silur-Zeitalter und ist rund 437 Millionen Jahre alt. „Er taucht damit in Erdschichten auf, die älter sind als die, in denen Dolichophonus loudonensis aus Schottland konserviert wurde – bislang galt dieses 434 Millionen Jahre alte Fossil als der älteste bekannte Skorpion“, erklärt Wendruffs Team. Kurzum: Der neue Urzeit-Skorpion ist jetzt der älteste Skorpion der Welt.

Primitiv und modern

Doch wie sah dieses rekordalte Spinnentier aus und wie lebte es? Die Analysen der fossilen Exemplare enthüllten: Parioscorpio venator war rund 2,5 Zentimeter lang. Er besaß zwar einige primitive Merkmale, die auch von anderen urzeitlichen Meeresbewohnern und frühen Spinnentieren bekannt sind. Dazu gehören zum Beispiel seine Komplexaugen.

Anzeige

Gleichzeitig weisen die Fossilien jedoch bereits fortschrittliche, als moderner geltende Eigenschaften auf, die sich auch bei heute lebenden Skorpionen finden lassen. Eines dieser Merkmale ist der Aufbau des Telsons – so wird bei Gliederfüßern der letzte Körperabschnitt genannt. Bei modernen Skorpionen befinden sich an diesem Körperteil eine Giftblase und ein Giftstachel. Bei dem neuen Urzeit-Skorpion ist der Stachel selbst zwar nicht sichtbar. Die Forscher meinen aber, zumindest eine Giftblase ausmachen zu können.

Überraschende Ähnlichkeiten

Spannend ist, dass beide Fossilien trotz ihres hohen Alters noch innere anatomische Strukturen erkennen lassen: „Es sind Teile des Kreislauf-, Atmungs- und Verdauungssystems erhalten“, berichten Wendruff und seine Kollegen. Das Interessante daran ist deren Ähnlichkeit zu modernen Skorpionen.

„Vor allem der Aufbau des Kreislauf- und Atmungssystems heute lebender Skorpione weist von der Form her eine frappierende Übereinstimmung mit den bei P. venator erhaltenen Strukturen auf“, konstatieren die Wissenschaftler. Aber die Strukturen haben ihnen zufolge auch Gemeinsamkeiten mit den urtümlichen und eng mit Spinnen und Skorpionen verwandten Pfeilschwanzkrebsen.

Schon ein Landbesucher?

Zwar lassen sich bei den Fossilien weder eindeutige Kiemen noch Lungen ausmachen. Die beobachteten Gemeinsamkeiten liefern nach Ansicht der Forscher dennoch Hinweise auf die Lebensweise der Urzeit-Skorpione: Wie die eigentlich am Meeresboden lebenden Pfeilschwanzkrebse könnten sie in der Lage gewesen sein, an Land zu atmen – und sich somit längere Zeit außerhalb des Wassers aufzuhalten.

„Ob P. venator bereits ein vollständig terrestrischer Arthropode war, ist unsicher. Die starke Ähnlichkeit seiner pulmonalen und kardiovaskulären Strukturen mit denen heutiger Skorpione und Pfeilschwanzkrebse deutet aber auf die Möglichkeit ausgedehnter Aufenthalte auf dem Land hin“, erklärt Wendruffs Team.

Frühe Anpassung

Damit bestätigt sich den Wissenschaftlern zufolge: Die physiologischen Anpassungen, die für den Übergang von einer wasser- zu einer landbasierten Lebensweise nötig waren, entwickelten sich schon zu einem frühen Zeitpunkt in der Evolution der Spinnentiere. (Scientific Reports, 2020; doi: 10.1038/s41598-019-56010-z)

Quelle: Nature Press

Anzeige

In den Schlagzeilen

Diaschauen zum Thema

Dossiers zum Thema

News des Tages

Gehirn und Gen

Forscher finden Mathe-Gen

Corona: Welche Vitamine sind jetzt besonders wichtig?

Venusgestein gibt es auch auf dem Mond

Deutschlandweite Ausbreitung der Buntzecke

Bücher zum Thema

Im Fokus: Paläontologie - Spurensuche in der Urzeit Von Nadja Podbregar und Dieter Lohmann

Im Fokus: Strategien der Evolution - Geniale Anpassungen und folgenreiche Fehltritte von Nadja Podbregar und Dieter Lohmann

Fossilien - Über 500 Versteinerungen von Helmut Mayr und Franz Höck

Top-Clicks der Woche