Zahl der einschleppten, eingewanderten oder ausgesetzten fremden Arten in Deutschland steigt 800 tierische und pflanzliche Neuzugänge - scinexx | Das Wissensmagazin
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Zahl der einschleppten, eingewanderten oder ausgesetzten fremden Arten in Deutschland steigt

800 tierische und pflanzliche Neuzugänge

Ausgesetzt und rasant ausgebreitet: Ein Waschbär am frühen Morgen auf dem Dach eines Wohnhauses. © Carsten Volkwein/CC-by-sa 2.5 us

800 gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten leben einer neuen Studie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zufolge in Deutschland. Die meisten von ihnen wurden eingeschleppt, einige wanderten aber auch von alleine ein, wie beispielsweise der Goldschakal aus dem Balkangebiet. Inzwischen haben allein 432 Arten von neuen Gefäßpflanzen und 44 Wirbeltiere überlebensfähige Populationen bei uns aufgebaut, berichtet das BfN. Während selbst eingewanderte Arten in der Regel ökologisch unbedenklich sind, bereiten aus fernen Regionen eingeschleppte Tiere und Pflanzen oft Probleme, da sie hier keine natürlichen Feinde haben.

Seit vielen Jahren werden in Deutschland in der Natur neue Tier- und Pflanzenarten beobachtet. Unter ihnen sind vor allem sogenannte Neobiota, gebietsfremde Arten, die vom Menschen ins Land gebracht wurden. Diese Pflanzen und Tiere stammen meist aus fernen Ländern wie USA oder China mit ähnlichen klimatischen Verhältnissen wie in Mitteleuropa. Durch den Menschen werden diese Arten absichtlich – beispielsweise als Nutzpflanzen – importiert oder unabsichtlich wie im Ballastwasser von Containerfrachtern oder in Frachtsendungen mittransportiert. Beispiele dafür sind der Riesen-Bärenklau oder der Waschbär.

Natürliche Feinde fehlen

Gelangen von weit her kommende gebietsfremden Arten im neuen Gebiet in die Freiheit, können sie sich meist ungestört ausbreiten, weil unter anderen die natürlichen Gegenspieler fehlen. Dadurch können sie die biologische Vielfalt gefährden und immense ökonomische Schäden oder gesundheitliche Probleme beim Menschen verursachen. „Diese Arten wurden meist in Folge der Globalisierung eingeschleppt oder gar bewusst ausgesetzt“, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. „Nicht selten wird von niedlichen Waschbären oder gefährlichen Schönheiten gesprochen. Im Naturschutz spielen solche subjektiven Einschätzungen jedoch im Kern keine Rolle. Sondern hier geht es um die Frage, welche Auswirkungen die neuen Arten auf unser ökologisches Gefüge haben und ob möglicherweise eine Gefahr für die heimische Tier- und Pflanzenwelt besteht,“ so die BfN-Präsidentin.

Das Bundesamt für Naturschutz lässt die potenziellen Auswirkungen der neuen Arten in Forschungsvorhaben prüfen und leitet den Bundesländern entsprechende Informationen zu. Die Bundesländer entscheiden dann selbst, ob Maßnahmen erforderlich sind. „Hier gilt es, pragmatisch zu handeln“, so Jessel weiter, „speziell bei den eingeschleppten Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge.“

Goldschakale (Canis aureus) wie dieser wandern zunehmend aus Südost-Europa auch nach Deutschland ein. © Felagund/CC-by-sa 3.0

Rückkehrer und Boten des Klimawandels

Andere Arten sind hingegen Boten des Klimawandels oder Rückkehrer, die schon einmal früher bei uns heimisch waren. Ein Beispiel sind von selbst aus Nachbarländern einwandernde Arten: Sie breiten sich bei uns aus, weil sie hier bessere Lebensbedingungen vorfinden. Ein Beispiel dafür ist laut BfN-Bericht der Goldschakal, der aus Südost Europa kommend schon mehrfach in Deutschland beobachtet wurde. Ein anderes Beispiel ist der Meerfenchel, der seit einigen Jahren auf Helgoland wächst.

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Es gibt aber auch Rückkehrer – einheimische Arten, die ausgerottet wurden und wieder aus den Nachbarländern nach Deutschland zurückkehren, weil sich die Lebenssituation hier wieder verbessert hat. Prominente Rückkehrer sind der Wolf und das Moosblümchen. Auch Luchs, Biber, Würfelnatter und der Europäische Stör waren einst bei uns heimisch, dann aber verschwunden. Sie verdanken ihre Wiederansiedelung gezielten Programmen und sollen die heimische Tierwelt wieder bereichern. Da sie schon einmal bei uns vorkamen, fügen sie sich in der Regel ohne große Probleme wieder in die heimischen Ökosysteme ein.

(Bundesamt für Naturschutz, 13.12.2012 – NPO)

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