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3.500 Jahre alte Hethiter-Graffiti entdeckt

Archäologen finden seltene Wand-Inschriften in der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha

Hieroglyphen
Diese 3.500 Jahre alten Graffiti in anatolischer Hieroglyphenschrift wurden von Hethitern in einem Tunnel ihrer Hauptstadt Hattuscha hinterlassen. © Bülent Genç/ Deutsches Archäologisches Institut

Spannender Fund: Bei Ausgrabungen in den Relikten der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha sind Archäologen auf 3.500 Jahre alte Graffiti gestoßen – mit roter Farbe an die Wände eines Tunnels gemalte Schriftzeichen. Diese knapp 250 Zeichen sind eine Rarität, denn sie gehören zu nur sehr wenigen bisher bekannten anatolischen Hieroglyphen, die gemalt und nicht in Fels geritzt oder als Relief gefertigt wurden. Der Fund demonstriert, dass die hethitische Schrift wohl nicht nur unter Eliten verbreitet war.

Die Hethiter waren neben Ägypten und Assyrien die dritte Großmacht des bronzezeitlichen Orients. Ihr Reich erstreckte sich über weite Teile Kleinasiens und den Nahen Osten. Zentrum der Macht war von 1600 bis 1200 v. Chr. die Hethiter-Hauptstadt Hattuscha, deren Ruinen heute gut 150 Kilometer östlich von Ankara in der Türkei liegen. Die von neun Kilometer langen Mauern geschützte Stadt war der Sitz der Großkönige und umfasste zu ihrer Blütezeit monumentale Tore, Tempel und ein bis zu 180 Hektar großes Stadtgebiet.

Hattuscha
Ausgrabungen in der einstigen Oberstadt der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha. © Boğazköy-Grabung, A.Schachner/DAI,
CC-by-nc-nd 4.0

Fund im Tunnel

Bei Ausgrabungen in der Oberstadt von Hattuscha ist nun einem internationales Archäologenteam unter Leitung von Andreas Schachner vom Deutschen Archäologischen Institut in Istanbul ein besonderer Fund geglückt. Die Forschenden hatten einen Tunnel untersucht, der unter einem monumentalen Befestigungsbau verläuft. Die Yerkapı genannte Anlage bestand aus einem bis zu 40 Meter hohen und fast 250 Meter langen, fast pyramidenähnlichen Wall, auf dem die Stadtmauer verlief. Ein mit vier Sphingen geschmücktes Tor lag direkt auf dem Yerkapı-Wall.

Archäologen vermuten schon länger, dass dieses aufwendige, weithin sichtbare Bauwerk nicht der Verteidigung diente, sondern höchstwahrscheinlich Teil kultischer Inszenierungen war. Bei Erkundungen in dem unter dem Yerkapı verlaufenden Tunnel stieß ein Mitglied des Grabungsteams im August 2022 auf rötliche Zeichen an den nur grob behauenen Wänden des Ganges. Es handelte sich um eine Art Graffiti, die mit rotbrauner Wurzelfarbe an die Wände gemalt worden waren.

An die Wand gemalte Hieroglyphen

Nähere Analysen enthüllten: Bei den mindestens 249 Zeichen im Yerkapı-Tunnel handelt es sich um bronzezeitliche anatolische Hieroglyphen – eine im Hethiterreich häufiger auf Felsmonumenten oder Siegeln gefundenen Bildschrift. Das Besondere jedoch: Bisher bekannte Hieroglyphen waren meist im Fels eingraviert oder als Relief gefertigt. Die im Yerkapı entdeckten Zeichen waren jedoch mit Farbe auf die Steinblöcke gemalt. Solche gemalten Inschriften sind extrem selten und wurden bisher nur an zwei Orten im alten Hethiterreich in geringer Zahl entdeckt, wie die Archäologen erklären.

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Hieroglyphe
Diese Hieroglyphe könnte Kurunta bedeuten und damit den Namen eines hethitischen Gottes nennen. © Bülent Genç/ Deutsches Archäologisches Institut

Die Funde von Yerkapı demonstrieren nun, dass die anatolische Hieroglyphenschrift in der Gesellschaft des Hethiterreichs offenbar viel weiter verbreitet war als bisher angenommen. Nach ersten Auswertungen bestehen die Graffiti aus dem Yerkapı-Monument von Hattuscha aus mindestens acht verschiedenen Gruppen von sich wiederholenden Zeichen. Zwar sind einige von ihnen zu stark erodiert, um lesbar zu sein, aber die meisten sind gut erhalten und klar zu entziffern. Demnach sind viele dieser Bronzezeit-Graffiti Personen- oder Götternamen, einige bilden aber auch eine Art Wegweiser durch diesen unterirdischen Weg.

Durch diese Funde öffnet sich ein völlig neues, unerwartetes Fenster zur Spätbronzezeit. Um diese einzigartige Entdeckung zu dokumentieren, haben die Archäologen die Hieroglyphen zusammen mit dem gesamten Bauwerk dreidimensional digital kartiert und modelliert.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut

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