Archäologie

225 Statuetten und ein Pharao im falschen Grab

Neue Entdeckung in der Königsnekropole von Tanis könnte altes Rätsel lösen

Uschebtis
Diese Totenstatuetten wurden in einem altägyptischen Königsgrab in Tanis entdeckt. Aber sie zeigen den falschen Pharao. © Ministry of Tourism and Antiquities

Falscher Pharao: In einem Königsgrab der altägyptischen Totenstadt Tanis haben Archäologen einen überraschenden Fund gemacht. Im Grab des Pharaos Osarkon II. stießen sie auf 225 Totenstatuetten eines anderen ägyptischen Königs dieser Ära. Die Uschebtis zeigen den Pharao Scheschonq III. Das könnte das Rätsel um den Sarkophag eines Unbekannten lösen, der unweit dieser neu entdeckten Statuetten stand. War dies der Sarg von Pharao Scheschonq?

Die im Nordosten des Nildeltas gelegene Stadt Tanis erlebte ihre Blütezeit von 1075 bis 652 vor Christus – einer politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeit. Denn in dieser Dritten Zwischenzeit wurde der Süden des Landes von den Nubiern erobert und im Restreich gab es immer wieder Streit um die Herrschaft. Tanis war damals die Hauptstadt der Pharaonen der 21. und 22. Dynastie und ihre Königsnekropole.

Pharao Osarkon II.
Die Goldstatue in der Mitte zeigt Pharao Osarkon II. zwischen zwei Gottheiten. © Louvre / CC-by-sa 3.0

Archäologen haben in den 1930er Jahren mehrere noch unberührte, reich ausgestattete Pharaonengräber in der Königsnekropole von Tanis entdeckt, darunter auch das Grabmal des Pharaos Osarkon II. „Einige der wertvollsten Schätze von Tanis wurden dort gefunden“, erklärt die Ägyptische Altertumsbehörde.

225 Uschebtis – aber vom falschen Pharao

Jetzt gibt es einen neuen Fund im Grab des Pharaos Osarkon II.: Bei Aufräumarbeiten in der nördlichen Grabkammer stießen Archäologen um Frederic Peredeau von der Sorbonne Universität auf zuvor übersehene Totenstatuetten. Diese Uschebtis – 225 Stück – lagen halb vergraben unter einer Dreck- und Sedimentschicht am Boden der Grabkammer. Solche Statuetten wurden hochrangigen Toten mit ins Grab gegeben und stellten den Toten selbst dar.

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Das Überraschende jedoch: Die Uschebtis aus dem Königsgrab des Osarkon II. zeigten nicht ihn, sondern einen anderen Pharao. Die 225 Totenstatuetten waren Abbilder des Pharaos Scheschonq III., wie die Archäologen feststellten. Dieser regierte von etwa 840 bis 788 vor Christus über Ägypten und war einer der Nachfolger von Osarkon II. Das bedeutet: Die Uschebtis lagen im falschen Grab – aber warum?

Uschebtis am Fundort
Die Uschebtis am Fundort. Sie zeigen Pharao Scheschonq III. – und damit nicht den König, in dessen Grab sie lagen. © Ministry of Tourism and Antiquities

Löst der Fund das Rätsel des Granit-Sarkophags?

„Diese Funde sind die bedeutendste Entdeckung in den Königsgräbern von Tanis seit 1946“, erklärte Mohamed Ismail Khaled, Generalsekretär der ägyptischen Altertumsbehörde, bei einer Besichtigung der Ausgrabung. Der Fund der Uschebtis sei von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Der Grund dafür ist ein unweit dieser Statuetten stehender Granit-Sarkophag, der schon seit Jahrzehnten Rätsel aufgibt. Denn er trägt keine Inschriften, die verraten, welchem Toten der Sarkophag einst gehörte.

Doch jetzt könnten die neu entdeckten Uschebtis dieses Rätsel lösen: Sie legen nahe, dass der unbeschriftete Sarkophag ebenfalls von Pharao Scheschonq III. stammte. „Die Identität des mysteriösen Sarkophags ist damit nun geklärt“, beichtet die Altertumsbehörde. Demnach beherbergte das Grabmal des Pharos Osarkon II. nicht nur dessen Überreste und kostbare Grabbeigaben, sondern auch Teile der Grabausstattung seines Nachfolgers.

Im Königsgrab
Archäologen am Fundort, im Königsgrab von Osarkon II. © Ministry of Tourism and Antiquities

Warum steht der Sarkophag in Osarkons Königsgrab?

Aber warum? Und wann gelangten die Uschebtis und der Sarg des einen Pharaos in das Grab des anderen? Wurde dieser Pharo im Grabmal seines Vorgängers bestattet? Oder brachte man Statuetten und Sarkophag erst nachträglich in dieses „falsche“ Königsgrab – möglicherweise aus Schutz vor Grabräubern? Noch haben auch die Archäologen keine eindeutige Antwort darauf. Es sei zurzeit noch unklar, welches Szenario zutrifft, sagt Grabungsleiter Peredeau. „Hier ist noch einiges an Forschungsarbeit nötig, um diese Frage zu klären.“

Antworten könnten vielleicht Inschriften an den Wänden dieser Grabkammer liefern, die ebenfalls erst jetzt entdeckt wurden. Sie sind allerdings erst zum Teil freigelegt und noch nicht entziffert. „In der nächsten Phase werden wir diese im Grab von Osarkon II. entdeckte Inschriften im Detail untersuchen“, sagt Peredeau. Zudem werden die Reinigungsarbeiten des Königsgrabes fortgesetzt – möglicherweise treten dabei noch weitere Funde zutage, die mehr Licht auf die Begräbnis-Umstände von König Scheschonq III. werfen.

Quelle: Ministry of Tourism and Antiquities Egypt

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