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Kopfüber ins Ungewisse

Frühere Nahrungsknappheit entscheidet über die Risikobereitschaft von Wildtieren

Pinguin
Ein antarktischer Adelie-Pinguin springt von einer Eisscholle. © Oliver Krüger

Während seine Artgenossen noch zögern, springt dieser Pinguin bereits von der hohen Eisscholle ins Wasser – ein waghalsiger Sprung. Tatsächlich gibt es auch bei diesen Tieren unterschiedliche Persönlichkeiten. Wie draufgängerisch ein Wildtier ist, hängt unter anderem davon ab, ob es in seiner Vergangenheit Hunger leiden musste, wie Forscher herausgefunden haben. Tiere mit einer schlechten Historie sind demnach bereit, ein größeres Risiko einzugehen.

„So wie es unter uns Menschen eher vorsichtige und eher draufgängerische Zeitgenossen gibt, so finden sich auch unter Tieren einer Art Individuen mit geringer oder höherer Risikobereitschaft“, erklärt Holger Schielzeth von der Universität Jena. Die jeweilige Tendenz sei zu einem gewissen Grad angeboren, unterliege aber auch der persönlichen Entwicklung des Tieres.

Welche Rolle spielen Mangelerfahrungen?

Zu den möglichen Einflussfaktoren zählt unter anderem, ob ein Tier in seiner bisherigen Lebensgeschichte bereits Hunger leiden musste. In welche Richtung dieser Einfluss wirkt, war bisher allerdings unklar. Schielzeth und seine Kollegen haben die historisch geprägte Risikobereitschaft von Wildtieren nun in einer Metastudie untersucht. Die Wissenschaftler werteten dafür über 120 Einzelstudien mit mehr als 100 unterschiedlichen Tierarten aus.

Zu Beginn stellten sie zwei gegensätzliche Hypothesen auf: „Zum einen konnte man annehmen, dass Tiere, denen es immer gut ging, mehr zu verlieren haben und deshalb weniger risikobereit sind“, erklärt Seniorautor Klaus Reinhold von der Universität Bielefeld. Andererseits könnten besser ernährte und dadurch fittere Tiere eine erhöhte Überlebenschance bei riskanten Aktionen haben, wodurch sie sich zu weiteren Taten ermutigt fühlen.

Effekte eindeutig, aber unterschiedlich stark

Die Auswertungen ergaben: Wenn die Tiere zu einem früheren Zeitpunkt hungern mussten, stieg ihre Risikobereitschaft um 26 Prozent an. „Dieses Ergebnis hat uns in seiner Deutlichkeit überrascht“, so Schielzeth. Das riskantere Verhalten ist laut der Metastudie nicht nur bei der Nahrungssuche zu beobachten, sondern zeigt sich in allen untersuchten Kontexten. Dazu zählen auch das Erkundungsverhalten und die Wanderbereitschaft.

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Laut den Wissenschaftlern gab es jedoch teils große Abweichungen der Effektstärke zwischen den verschiedenen Tierarten. Zum Teil sind diese wohl auf Unterschiede in der für die Einzelstudien verwendete Methodik zurückzuführen. „Es wäre sicher interessant zu untersuchen, inwiefern der Einfluss auf das Risikoverhalten auch beim Menschen zu beobachten ist. Die festgestellte Heterogenität zwischen den Arten lässt jedoch vermuten, dass sich der Effekt auch im menschlichen Kontext anders auswirkt“, so die Forscher. (Biological Reviews, 2020; doi: 10.1111/brv.12655)

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

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