Arecibo: Sprung in der Schüssel - Kabelbruch reißt 30 Meter großes Loch in das berühmte Radioteleskop - scinexx.de
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Arecibo: Sprung in der Schüssel

Kabelbruch reißt 30 Meter großes Loch in das berühmte Radioteleskop

Arecibo
Schäden an der Antennenschüssel des Arecibo-Radiotelekops. © University of Central Florida

Das Arecibo-Radioteleskop in Puerto Rico ist eines der berühmtesten und erfolgreichsten Teleskope der Welt. Doch in der Nacht des 10. August 2020 verstummten seine Empfänger. Eines der Haltekabel für die Empfangsplattform über der gut 300 Meter große Antennenschüssel brach und riss ein 30 Meter großes Loch in das Teleskop. Wie und warum dies geschehen konnte, ist noch immer unklar.

Das Arecibo-Radioteleskop ist eines der wichtigsten Werkzeuge der Astronomie. Mit ihm haben Forscher als erstes die mysteriösen Serien ultrakurzer Radioblitze eingefangen, Radiopulse von fremden Sternen belauscht und Einsteins Vorhersagen überprüft. Das Teleskop kommt zudem immer dann zum Einsatz, wenn die Merkmale und Bahneigenschaften erdbahnkreuzender Asteroiden ermittelt werden sollen. Und für die Suche nach intelligentem Leben im All ist es der wichtigste Lauschposten.

300-Meter-Schüssel und 800-Tonnen Empfänger

In Betrieb ist das Arecibo-Radioteleskop schon seit 1963. Seine 305 Meter große Antennenschüssel besteht aus gelochten Aluminiumpanelen, die von einem Drahtnetzgitter gehalten werden. Diese schalenförmige Konstruktion ist in eine natürlich Senke eingepasst und so weitgehend vor Stürmen geschützt. Das Teleskop kann Radiosignale im Frequenzbereich von 300 Megahertz bis zehn Gigahertz empfangen.

Als Empfänger dient eine an starren Drahtseilen aufgehängte, 800 Tonnen schwere Instrumentenplattform über der Antennenschüssel. An ihr hängt neben verschiedenen Empfängern und Sensoren auch ein kuppelförmiger Sekundärspiegel, der sogenannte Gregory Dome. Er fokussiert die von der Hauptantenne eingehenden Signale zusätzlich und erhöht damit die Auflösung.

Ein Kabelbruch zerreißt die Schüssel

Doch ausgerechnet diese Plattform und ihr Halteapparat wurden nun dem Teleskop zum Verhängnis: Aus bislang ungeklärten Gründen riss in der Nacht vom 10. August 2020 eines der acht Zentimeter dicken Haltekabel der Instrumentenplattform. Das herabfallende Stahlseil beschädigte erst die Kuppel des Gregory Dome und brach dann ein rund 30 Meter großes Loch in die Antennenschüssel des Radioteleskops.

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Dieses Foto zeigt das klaffende Loch in der Teleskopschüssel. Das Stahlseil hat die dünnen, löchrigen Aluminiumpanele durchschlagen und das Radioteleskop damit unbrauchbar gemacht. „Ein Team ist dabei, die genaue Situation einzuschätzen“, erklärt der Leiter des Observatoriums, Francisco Cordova. „Unser Fokus liegt darauf, die Anlage wieder so schnell wie möglich in Betrieb zu bekommen, damit sie weiter Wissenschaftlern rund um die Welt zur Verfügung steht.“

Es ist nicht das erste Mal, dass das Arecibo-Teleskop Schäden davonträgt: Auch bei Hurrikans und Erdbeben wurde die Anlage schon häufiger getroffen und musste repariert werden. Nachdem das Teleskop jahrzehntelang primär von der US National Science Foundation finanziert und verwaltet wurde, wird es jetzt von einem Zusammenschluss von Universitäten betrieben. Federführend für den Betrieb ist zurzeit die University of Central Florida.

Quelle: University of Central Florida

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