Bizarre Knochenstrukturen schützen Froschschädel vor wehrhafter Beute Amphibisches Mini-Monster - scinexx | Das Wissensmagazin
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Amphibisches Mini-Monster

Bizarre Knochenstrukturen schützen Froschschädel vor wehrhafter Beute

Froschschädel
CT-Aufnahme vom Schädel eines Kronenlaubfroschs (Anotheca spinosa). © Daniel Paluh/Florida Museum

Was hier ein wenig wie ein stacheliger Teufelskopf aussieht, ist der Schädel eines Froschs. Wie viele andere Vertreter seiner amphibischen Verwandtschaft hat er bizarre Stachel, Fortsätze und Knochenpanzer entwickelt, um sich vor der Gegenwehr seiner Beute zu schützen. Denn diese Frösche und Kröten scheuen sich nicht davor, Vögel, Echsen, andere Frösche und sogar Mäuse zu fressen.

Die meisten Frösche sind dafür bekannt, dass sie eine enorme Sprungkraft entfalten können und mit ihrer klebrigen Zunge Insekten fangen und fressen. Rein äußerlich tragen diese Amphibien meist eine zu ihrem Lebensraum passenden Tarnfarbe oder aber sie erstrahlen in bunten Farben, um beispielsweise auf ihre Giftigkeit hinzuweisen.

Vögel und Säugetiere als Beute

Doch es gibt auch Frösche, auf deren Speiseplan deutlich größere Beute steht: Schon in der Kreidezeit vertilgte ein Hornfrosch mit dem vielsagenden Namen Beelzebufo vermutlich sogar junge Dinosaurier. Und auch heute gibt es Hornfrösche und andere große Froscharten, die Echsen, Vögel, Mäuse und andere Amphibien fressen. Typisch für diese Frösche sind ein besonders dicker Schädel, ein zahnbewehrtes, großes Maul und häufig auch spitze Fortsätze und Auswüchse am Kopf.

„Einige der bizarrsten Schädel finden wir bei Fröschen, die Vögel und Säugetiere fressen“, erklärt Daniel Paluh von der University of Florida. „Sie nutzen ihre Köpfe als Schild oder manchmal auch um Gift zu applizieren.“ Die Schädel dieser Giftfrösche tragen spitze Stachel, die mit Giftdrüsen verbunden sind. Andere Arten nutzen ihren breiten, stabilen Kopf, um den Eingang ihrer Höhlen zu blockieren. Frösche, die auf Wirbeltiere als Beute spezialisiert sind, besitzen zudem oft kleine Gruben im dicken Schädelknochen, der diesem erhöhte Stabilität verleiht.

Stachelkrone am Hinterkopf

Dieses Bild zeigt den Schädel des in Mittelamerika heimischen Kronenlaubfroschs (Anotheca spinosa), aufgenommen mittels hochauflösender Computertomografie. Diese seltene und bisher kaum erforschte Laubfroschart trägt dornartige Knochenstacheln am Hinterkopf, die aus der Haut hinausragen. Wozu die Knochenstacheln der bis zu acht Zentimeter großen Frösche dienen, ist bislang unklar.

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Um mehr über die Vielfalt der bizarren Schädelformen bei Fröschen zu erfahren, haben Paluh und seine Kollegen nun die Schädel von 158 Froscharten mittels CT gescannt und in 3D-Modellen dargestellt. Ihre Ergebnisse zeigen unter anderem, dass Froscharten mit ähnlichen Beutefang-Strategien auch ähnliche Schädelformen besitzen. Zusätzlich beeinflussen aber auch Lebensweise und Habitat die Kopfform – so besitzen Wasserfrösche meist lange, flache Schädel, grabende Arten dagegen kurze Schädel mit spitzen Schnauzen.

Allerdgins: Viele Froscharten sind bislang kaum erforscht. Wie sie leben und was sie fressen sind oft völlig unbekannt. „Es ist schon seltsam, dass es einfacher ist, schöne Schädel-Aufnahmen dieser Frösche zu erstellen als herauszufinden, was sie fressen“, sagt Paluhs Kollege David Blackburn. „Das ist das Wesen der Naturkunde: Nur weil wir wissen, dass etwas existiert, heißt das noch lange nicht, dass wir irgendetwas über diese Wesen wissen.“ (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2020; doi: 10.1073/pnas.2000872117)

Quelle: Florida Museum of Natural History

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