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Anhaltende Regenfälle in der Sahelzone bedrohen Millionen

Earthview

Schwere Regenfälle in den Ländern der Sahelzone haben in den letzten Wochen und Monaten Millionen Menschen in Mitleidenschaft gezogen. Allein in Äthiopien, im Sudan und Südsudan sind rund 2,5 Millionen Menschen den Wassermassen weitgehend schutzlos ausgeliefert. Aufgrund der seit Frühjahr herrschenden Heuschreckenplage und der Corona-Pandemie haben die Menschen keinerlei finanzielle Reserven mehr.

Bislang am schwersten getroffen ist der Sudan. Dort starben in den letzten Wochen weit über hundert Menschen bei Überschwemmungen oder Sturzfluten. Bis zu 110.000 Wohnungen wurden beschädigt oder zerstört, über eine halbe Million Menschen steht ohne Obdach da. Starke Regenfälle, vor allem im benachbarten Äthiopien, hatten dazu geführt, dass der Nilpegel Ende August auf mehr als 17 Meter anstieg – Behördenangaben zufolge der höchste Stand seit 100 Jahren. Ein Ende der Probleme ist nicht in Sicht, weil wegen anhaltender Regenfälle im Hochland von Äthiopien und im Südsudan der Wasserstand des Blauen Nils weiter ansteigen könnte.

Dramatisch ist die Situation inauch  Äthiopien, wo mehr als eine Million Menschen betroffen sind. Mindestens fünf der zehn Regionen des Landes haben mit Überschwemmungen zu kämpfen,  Äcker und Weideland sind vielerorts zerstört, zahllose Nutztiere sind ertrunken.

Im Senegal fiel Anfang September binnen eines Tages die Niederschlagsmenge eines ganzen Jahres. Die Umgebung der Hauptstadt Dakar stand tagelang unter Wasser, sechs Menschen wurden getötet.

Ebenfalls verheerende Auswirkungen hatten die anhaltenden Regenfälle in Burkina Faso, wo infolge der Überschwemmungen 13 Menschen starben.

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Der Niger meldete mehr als 60 Tote. Mehrere Nachbarschaften der Hauptstadt Niamey mussten evakuiert werden, nachdem Dammabschnitte unter dem Druck des Nigerhochwassers gebrochen waren.

Auch in Tschad, einem der ärmsten Länder der Welt, mussten seit August wegen der Überschwemmungen mehr als 100.000 Menschen ihre Heimatorte verlassen. Betroffen war vor allem die Südhälfte des Landes.

In Nigeria beschädigten die Fluten über 5.000 Quadratkilometer landwirtschaftliche Anbauflächen und zerstörten bislang etwa ein Viertel der diesjährigen Reisernte. Auch die Maisernte fiel teilsweise eins Wasser, was wiederum die Geflügelfarmer, die den Mais als Futtermittel einsetzen, unter Druck setzt. Da Reis und Geflügel in Nigeria zu den Grundnahhrungsmitteln zählen, könnte die Ernäherungssicherheit weiter Teile der Bevölkerung in den nächsten Monaten bedroht sein, zumal Präsident Muhammadu Buhari angekündigt hat, die Einfuhr von Lebensmitteln stoppen zu wollen.

Die Rekordregenfälle gelten als eine Folge des fortschreitenden Klimawandels. Die Zahl extremer Wetterereignisse in der Region hat sich seit Anfang der 1990er Jahre verdoppelt.  Obwohl die Staaten Sahelzone West- und Zentralafrikas kaum zur Klimaerwärmung beitragen, steigen die Temperaturen dort eineinhalbmal so schnell wie im weltweiten Durchschnitt. Verschärft wird die Situation durch die Entwaldung entlang der Wasserläufe, das die Wälder als Wasserpuffer und Erosionsbremsen wegfallen.

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