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Dürre-Notstand in Norditalien

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Italien, insbesondere Norditalien, leidet aktuell unter der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren. Besonders betroffen sind die Po-Ebene, die östlichen Alpen und einige Regionen Mittelitaliens. Der Fluss Po, der mit seinen über 600 Kilometer Länge der größte und längste Fluss Italiens ist, hat einen historisch tiefen Wasserstand erreicht. Nach Behördenangaben erreichten die Niederschlagsmengen in diesem Jahr nur etwa die Hälfte im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre, bei den Schneefällen betrage der Rückgang sogar 70 Prozent.

Der italienische Bauernverband rechnet damit, dass rund 40 Prozent der Früchte- und Gemüseproduktion bereits verloren sind. Bei Gerste, Mais, Reis und Soja dürften die Ernteausfälle dieses Jahr sogar über 50 Prozent betragen. Die Wasserknappheit im Pos und den Alpenflüssen hat außerdem längst auch Auswirkungen auf die Stromversorgung des Landes. Die Wasserkraftwerke im Norden des Landes liefern in normalen Jahren  fast ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms. Und auch thermische Kraftwerke müssen möglicherweise heruntergefahren werden, weil sie nicht mehr ausreichend gekühlt werden können.

Im Po-Delta  sorgte der niedrige Wasserstand dafür, dass Salzwasser aus der Adria entlang des Flusslaufes bis zu zehn Kilometer weit ins Landesinnere vordringen konnte. Entlang dieses Flussabschnitts dringt des Brackwasser unterirdisch in die Äcker und in das Grundwasser ein. Die dort durch das Salz angerichteten Schäden werden auch im günstigsten Fall noch auf Jahre hinaus für Nachwehen sorgen.

Die Regionalregierung der Lombardei rief am Freitag wegen der anhaltenden Dürre den Ausnahmezustand aus. Dies ermöglicht den Zivilschutzbehörden radikalere Maßnahmen, um die negativen Auswirkungen des Wassermangels zu begrenzen. In mehreren Regionen Norditaliens wird das Wasser bereits über Nacht abgestellt. Die neuen Befugnisse würden es nun ermöglichen, das Wasser auch tagsüber zu rationieren.

Die Stadt Mailand forderte die Bevölkerung inzwischen dazu auf, Trinkwasser und Energie zu sparen. Auf die Bewässerung von Rasenflächen und die Reinigung von Terrassen und Höfen solle man bis auf weiteres verzichten. Um eine Überlastung des Stromnetzes zu vermeiden, sollen außerdem die Klimaanlagen in Büros, Geschäften und Wohnungen nur bis auf 26 Grad herunterkühlen. Im an Slowenien grenzenden Friaul wurde nun sogar privates Autowaschen, Pool-Befüllen und Rasensprengen unter Strafe gestellt.

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Die aktuelle Hitzewelle in  Italien wird nach Einschätzung von Meteorologen wohl noch mindestens zehn Tage lang andauern. In dieser Zeit seien keine nennenswerten Niederschläge zu erwarten.

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