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Das revolutionäre Ergebnis der Tiefseebohrungen

Zwei Typen von Kruste

Tiefbohrungen lassen sich in zwei Gruppen einteilen, je nachdem welchen Teil der Erdkruste die Geowissenschaftler untersuchen wollen. Entweder sie bohren auf dem Festland der Kontinente mit stationären Bohrtürmen in der bis zu 70 Kilometer dicken Kruste oder sie stoßen von mobilen Bohrschiffen auf dem Wasser der Weltmeere aus zur bis zu elf Kilometer „dünnen“ ozeanischen Kruste vor.

Bohrschiff © KTB

Daß die beiden Krusten sich aber nicht nur durch das Element unterscheiden, das ihnen aufgelagert ist (Luft oder Wasser), sondern grundsätzliche Unterschiede bestehen, ist ein wesentliches Ergebnis von Tiefseebohrungen. 1968 starteten die führenden US-amerikanischen Forschungseinrichtungen ein gewaltiges Tiefseebohrprogramm, um die bis dahin völlig unbekannte Zusammensetzung der Kruste unter den Weltmeeren zu erforschen. Das „Deep Sea Drilling Projekt (DSDP) brachte atemberaubende Ergebnisse zu Tage, weswegen Geowissenschaftler auch gerne von einer Revolution des geowissenschaftlichen Weltbildes sprechen.

Es zeigte sich, daß die Krusten unter den Ozeanen im Vergleich mit der ältesten kontinentalen Kruste sehr junge Gebilde sind. Während die kontinentale Kruste bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt ist, bringt es der Boden der Weltmeere „gerademal“ auf 200 Millionen Jahre.

Die Erklärungen für dieses Phänomen des unterschiedlichen Krustenalters lassen sich in drei wesentlichen Punkten zusammenfassen:

1. Alfred Wegener hatte Recht mit seinem Konzept der Plattentektonik. Die Erdkruste besteht nicht aus einem starren, den Erdball umspannenden Stück, sondern setzt sich aus einzelnen Platten zusammen, die auf dem Erdmantel treiben.

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2. Im Gegensatz zu den kontinentalen Platten werden die ozeanischen Platten durch aufquellende Gesteinsschmelzen an den mittelozeanischen Rücken ständig neu gebildet.

3. Weil die ozeanischen Platten mit Sedimenten beladen sind, und die kontinentalen Platten aus leichterem Gestein bestehen, sinkt die Kruste der Ozeane an den Subduktionszonen unter die kontinentalen Platten ab und wird in die zähflüssige Asthenosphäre überführt.

Die Ozeane galten als unveränderlich, aber die Bohrungen in der Tiefsee haben das Gegenteil bewiesen: Der Meeresboden ist überall relativ jung, weil er sich in einem ständigem Auf- und Abbau befindet. In den Subduktionszonen beginnt das Recycling der ozeanischen Platten. Dieses geht allerdings nicht ganz reibungslos von statten, was eine ganze Reihe von Vulkanen und einige Bereiche der bekannten Erdbebengürtel belegen.

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Stand: 21.12.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Vorstoß in die Tiefe
Warum Wissenschaftler Löcher in die Erde bohren

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Auf der Suche nach Antworten
Tiefbohrung als Methode der Geowissenschaftler

Zwei Typen von Kruste
Das revolutionäre Ergebnis der Tiefseebohrungen

Vom Ozean auf´s Festland
Vom DSDP zum KTB

Eine Wiese in der Oberpfalz
... wo einst Kontinente kollidierten

Die Oberpfalz
Ein kurzer geologischer Exkurs

Das senkrechteste Loch der Welt
Was so schwer daran ist, "gerade" in die Erde zu bohren

Das Werkzeug
Der Turm, die Meißel und eine "Wunderspülung"

Was die Wissenschaftler fanden
Ergebnisse der KTB

Und was kommt jetzt?
Die Zukunft der wissenschaftlichen Tiefbohrungen

Glossar
Von Asthenosphäre bis Wegener, Alfred

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