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Zukunftshäuser gestern

Die Visionen und Prototypen der Vergangenheit

Das „Haus der Zukunft“ ist beileibe keine heutige Erfindung. Architekten, Denker und Visionäre haben in allen Epochen über zukünftige Wohnformen spekuliert und zukunftsweisende Modelle entworfen. Ob Kugelbauten, Spiralformen oder Kollektivhäuser – fast immer war mit den konkreten Plänen für solche Häuser auch die Idee einer bestimmten Gesellschaft und Philosophie der Zukunft verbunden. Die Zukunftshäuser der Vergangenheit spiegeln daher nicht nur die Fantasie ihrer Erfinder, sondern auch die Strömungen ihrer Epoche wieder.

"House of Tomorrow" © University of Virginia

„Ein Jahrhundert des Fortschritts“ wollte beispielsweise die 1933/34 in Chicago stattfindende „Expo“ einläuten. Auf dieser Weltausstellung standen neben technischen Errungenschaften und Ideen auch Zukunftsentwürfe von Häusern im Mittelpunkt. Die eigens errichtete „Straße der Zukunft“ war gesäumt von zwölf unterschiedlichsten architektonischen Visionen: von Konstruktionen aus Glas, Metall oder Beton reichte die Palette bis zu Gebäuden mit runden Ecken, in Kristall oder Tortenform.

Das „Haus von Morgen“

Die besondere Attraktion war das „Haus von Morgen“ der Architekten William und George Keck. Das zwölfseitige Haus glich von außen einer riesigen dreistöckigen Hochzeitstorte, und galt zusammen mit dem „Crystalhouse“ als innovativster Designentwurf seiner Zeit. Die traditionellen architektonischen Vorstellungen durchbrachen die beiden Brüder aber nicht nur im Äußeren, das Haus war auch innen ganz auf Zukunft eingestellt:

Als eines der ersten Häuser überhaupt setzte es Solarenergie konsequent zum Heizen ein, die neuesten Errungenschaften der Haushaltstechnologie wie Geschirrspüler, dimmbares Licht und zentrales Air-Conditioning sorgten für den Komfort der Bewohner. In der Garage, selbstverständlich mit elektrischen Türhebern ausgestattet, war nicht nur Platz für ein Auto, sondern auch für das Privatflugzeug der Familie. Die Architekten waren davon überzeugt, dass in der Zukunft natürlich jeder ein eigenes Flugzeug besitzen würde.

„Was braucht der Mensch?“ Diese Frage stand schon einige Jahre früher, 1929, im Mittelpunkt eines großen internationalen Architektenkongresses. Für Le Corbusier, El Lissitzky, Gropius und andere war die Antwort damals klar: Raum, Wärme, Licht und Luft. Ihnen schwebten Häuser vor, die sich flexibel an die Bedürfnisse der Menschen anpassen ließen statt starre Strukturen vorzugeben. Sie entwarfen Gebäude, in denen die Innenräume nur durch verschiebbare Wände oder gar nicht getrennt waren oder sich mehrere Wohnungen einen Zentralhaushalt teilten. Interessanterweise sind es genau diese Ideen, die auch heute wieder als Trend der Zukunft angesehen werden…

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Plastikhaus in Disneyland

Im Juni 1957 wurde das „Wohnen der Zukunft“ erneut zur Massenattraktion: In Disneyland eröffnete das von der Firma Monsanto gesponserte „House of the Future“ seine Türen. Seine durch organisch-runde Formen geprägten Außenwände bestand zu hundert Prozent aus Kunststoff – insgesamt mehr als 6.800 Kilogramm.

Monsanto "House of the Future" © Werner Weiss

Auch im Inneren dominierte das damals hochmoderne und neue Plastikmaterial, wurde aber immerhin ergänzt durch Stoffe, Glas, Bronze und andere Metalle. Schon beim Eintritt begrüßte eine Lautsprecherstimme die Besucher mit den Worten: „Willkommen in Monsantos Haus der Zukunft. Die Böden auf denen Sie laufen, die sanft geschwungenen Wände um Sie herum und sogar die Decken bestehen aus Plastik.“

Zum ersten Mal konnten die Besucher des Hauses auch Innovationen wie Isolierglaswände, Bildtelefone, Mikrowellenherde und elektronische Zahnbürsten bestaunen. Zwölf Unternehmen waren an der Entwicklung und Ausführung dieser Einrichtung beteiligt, federführend waren dabei allerdings die Forscher vom Massachussetts Institute of Technology (MIT). Während einige dieser neuen Errungenschaften heute tatsächlich gang und gäbe sind, wurden andere niemals realisiert, darunter Ultraschallspülmaschinen, Schaumgummifußböden und höhenverstellbare Plastikspülbecken.

Zehn Jahre lang war das „House of the Future“ eine der Hauptattraktionen in Disneys Tomorrowland bis es 1967 im Rahmen einer Umgestaltung des Parks abgerissen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten mehr als 20 Millionen Menschen das Plastikhaus bestaunt. Gäbe es das Haus heute noch, wäre es vermutlich wieder ein Publikumsmagnet, denn mit seiner geschwungenen organischen Form und den teilweise skurril anmutenden technischen Geräten ist es auch heute wieder durchaus modern und innovativ.

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Stand: 11.02.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Wohnen der Zukunft
Was können die Häuser von morgen?

Nicht nur für Bill Gates...
"Intelligente" Häuser sind im Kommen

Innovation durch Vernetzung
Wie intelligent sind die Häuser der Zukunft?

Wenn der Kühlschrank mit der Waschmaschine...
Netz-Kauderwelsch im Eigenheim?

Wenn das Haus mitdenkt...
...ein Rundgang durch ein intelligentes Haus

Wie lebt es sich in einem intelligenten Haus?
Das inHaus-Projekt in Duisburg

„Big Brother“ für Senioren
Smarter Wohnen im Alter

Intelligenter Roboter zieht ins „smarte“ Haus
Test für Haushaltsroboter „Care-O-bot® II“

Zwischen Orwell und Entmündigung
Die Frage der Akzeptanz….

„Digitale Feuerstelle“ und maßgeschneiderte Wände
Die Inneneinrichtung der Zukunft

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