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Die Wahrheit ist relativ

Zerrbild Landkarte

Es gibt auch subtile Mittel, um die Nutzer von Karten in die Irre zu führen. Kleine Tricks, wie die Kombination bestimmter Farben und Schraffuren, Schrifttypen und -größen, die Wahl des Maßstabs und der Blattgröße, selbst Papier und Drucktechnik können die Wirkung von Karten enorm verändern.

Als der holländische Kartograph Gerhard Mercator im 16. Jahrhundert eine spezielle Projektion entwarf, um die gekrümmte Oberfläche der dreidimensionalen Erde auf einem flachen Bogen Papier zweidimensional abzubilden, ahnte er nicht, dass seine Technik dreihundert Jahre später in die Kritik geraten würde.

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Der Niederländer entwickelte die nach ihm benannte Mercatorprojektion speziell für Seekarten und die Navigation. Das Abbild der Erde wird dabei winkeltreu wiedergegeben, die Proportionen der Kontinente sind jedoch verzerrt. Weil die frühen Seefahrer die Regionen jenseits der Polarkreise mieden, betrachteten sie es kaum als Nachteil, dass diese Gebiete bei der Projektion unverhältnismäßig groß erschienen, denn die Verzerrung nimmt bei der Mercatorprojektion vom Äquator in Richtung Polkappen zu. Die Pole selbst können nicht mehr dargestellt werden.

Eben diese Tatsache wurde später von antikommunistischen Gruppen aufgegriffen, um die Bedrohung den Westens durch den Ostblock zu beschwören. Russland und China erscheinen in der Mercatorprojektion überdimensioniert. Bei antisowjetischen Demonstrationen wurde deshalb stets die Mercatorkarte eingesetzt. Riesige rote Flächen illustrierten so die Gefahr aus dem Osten.

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Peters-Projektion statt Mercatorkarte?

In ihrer Entstehungszeit wurde die Mercatorkarte kaum als Weltkarte verwendet. Sie war als Grundlage für Seekarten gedacht, und wird in der Schifffahrt noch heute genutzt.

Die ideologische Überlegung, seine Projektion verzerre die Geographie zuungunsten der dritten Welt, wäre dem niederländischen Kartographen wohl reichlich merkwürdig vorgekommen. Dennoch galt dieses Argument als ein Anstoß zu einem Gegenentwurf zu Mercators Karte.

Peters-Projektion © RWTH Aachen

1974 entwarf der Deutsche Arno Peters eine flächentreue Projektion der Erde. Im Vergleich zur winkeltreuen Mercatorprojektion werden die äquatornahen Gebiete gestreckt, die polnahen Regionen gestaucht. Die Proportionen der Kontinente bleiben so erhalten.

Obwohl die Argumente für eine derartige Korrektur der Weltkarte nachvollziehbar waren, hat sich die Peters-Projektion bis heute nicht durchgesetzt.

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Stand: 13.01.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kleine Tricks und große Lügen
Geheimhaltung und Manipulation von Geo-Daten

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Zum Weiterlesen
Links und Literatur

Luftbilder für alle!
oder Wer hat Angst vor Google Earth?

Kostenlos, aber zensiert?
Manipulation von Satellitenbildern

Funkstörung
GPS, Galileo und die nationale Sicherheit

Die Lade des Padron Real
Die Entdecker und ihre Geheimnisse

Die Karte geht zum Militär
Kriegsführung mit unlauteren Mitteln

Wandernde Dörfer und flexible Meridiane
Kalter Krieg – High Noon für Kartenfälscher

Meine ist länger
Frisierte Grenzen

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Die Wahrheit ist relativ

Ein bisschen Schummeln gehört dazu
Generalisierung von Karten

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