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Woher kommt der Kork?

In den Baumstamm geschaut

Kork ist ein Naturstoff, der prinzipiell von jedem Baum gebildet wird und wichtige Funktionen für das Holzgewächs übernimmt. Bestimmte Baumarten wie die Korkeiche stellen besonders viel von diesem Material her.

Korkrinde
Dieser Querschnitt durch einen Baumstamm zeigt, wie die Borke und die Korkschicht die innere Schichten umschließen. © Plantsurfer/gemeinfrei

Wie Kork entsteht

Der Kork bildet das sekundäre äußerste Gewebe einer Baumrinde: Die Korkschicht liegt außerhalb der Innenrinde, dem sogenannten Bast. Der Kork entsteht, wenn der Baum anfängt, nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite zu wachsen. Bei diesem Dickenwachstum wird zunächst der Bast vom ersten Wachstumsgewebe, dem Kambium, gebildet. Das weiter außen im Stamm liegende Gewebe, das Korkkambium, produziert schließlich unverkorktes Rindengewebe, das nach innen abgegeben wird und die in einer Wabenstruktur angeordnete, dickwandigen, dicht aneinander liegenden Korkzellen nach außen.

Bei einigen Bäumen entsteht nach dem Kork noch eine tertiäre Baumschicht: Nachdem die erste Korkschicht herangewachsen ist, lagern die Korkzellen darin das Polymer Lignin ein, durch das sich die Zellen verhärten und ein festes Dauergewebe – eine Art „Hartschaum“ – bilden. Einmal in diesem abgestorbenen Zustand, bilden sich dann aus der ersten Korkschicht weitere Korkschichten nach außen. Dabei reißt das tote Gewebe des vorherigen Korkkambiums immer wieder auf und aus den ständig nachschiebenden Schichten sowie dem abgestorbenen Bast des Kambiums entsteht dann die harte Borkenrinde.

Kork als Schutzhülle

Als Teil der äußeren Rinde hat der als Phellem bezeichnete Kork wichtige Funktionen für den Baum: Er dient dem Holzgewächs als Schutzhülle und sichert die darunterliegenden Stammschichten, wie den Bast und das Gewebe mit dem Leitsystems des Baumes, vor Verletzungen und schädlichen Umwelteinflüssen wie Kälte und Hitze. Außerdem werden meist Gerbstoffe als Abwehr gegen eindringende Insekten oder Pilze in die Korkzellen eingelagert.

Neben dem Schutz übernimmt Kork noch eine weitere wichtige Rolle: Er sorgt für den Luft- und Wasserabschluss des Baumes. Die Korkzellen sind innen mit einer dicken Schicht aus Suberin – einem wasserabstoßendem Biopolymer, das durch die Umwandlung von Fettsäuren entsteht – und Wachsen ausgekleidet, durch die das Korkgewebe undurchlässig für Wasser und Gase ist.

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Damit der Baum aber trotzdem auch über den Stamm Gase an die Umgebung abgeben und neue aufnehmen kann, bilden sich in der Korkschicht Korkwarzen als Durchlüftungsorgane. Unter diesen auch als Lentizellen bezeichneten Warzen liegen lose, nicht miteinander verwachsene Korkzellen, deren Zwischenräume den Gasaustausch mit der Umgebung ermöglichen. Die Korkwarzen sind oft als Pusteln auf den Zweigen vieler Holzpflanzen zu erkennen.

Korkeiche
Korkeiche mit geschältem Stamm im Süden Spaniens. © Miguel Angel Vega Vallejo /Getty images

Korkschicht für Korkschicht

Die meisten Bäume wie zum Beispiel Birken oder Buchen bilden nur dünne Kork- Zellschichten. Bei einigen Baumarten bleiben die Korkkambien aber besonders lange aktiv. Dadurch wächst der Kork mit dem Dickenwachstum des Baumstamms immer weiter. Beispiele für Bäume mit dicken Korkschichten sind die weltweit verbreitete Korkulme (Ulmus minor suberosa) und der Korkahorn (Acer campestre suberosum), die beide vieljährig aktive Korkkambien besitzen. Eine noch mächtigere Korkschicht besitzt der Amur-Korkbaum (Phellodendron amurense), der aus Ost-Asien stammt.

Besonders bekannt für ihre dicke Korkschicht ist jedoch die Korkeiche (Quercus suber), die im westlichen Mittelmeerraum heimisch ist. Bei ihr bleibt das Phellogen sogar jahrzehntelang aktiv, sodass eine drei bis fünf Zentimeter dicke Korkschicht mit bis zu 40 Millionen Korkzellen pro Kubikzentimeter heranwächst. Diese bildet mit der Zeit dicke, senkrechte Risse, die an der Außenseite weiß und an der Innenseite rot bis rotbraun sind.

Schutz vor Hitze und Feuer

Dass die Korkmasse so dick ist, ist ein bedeutender Überlebensvorteil für die Korkeiche: Sie ist dick genug, um vor der Hitze in der Heimat des Baumes zu schützen, sodass die Eiche Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius problemlos überstehen kann. Zudem kann sie mithilfe des Korks und eines reduzierten Stoffwechsels auch Dürren aushalten, wie sie aufgrund der rund um das Mittelmeer herrschenden trockenen Bedingungen häufiger vorkommen können. Insgesamt genügt den Eichen eine jährliche Niederschlagsmenge von 500 bis 700 Millimetern, an kühleren Standorten können bei ausreichender Luftfeuchte auch 400 bis 450 Millimeter ausreichen.

Die Korkschicht schützt die Eichen auch vor Bränden, die durch die heißen Temperaturen ausgelöst werden können. Der Grund: Kork gilt als nahezu unbrennbar, sodass sich der Baum meist gar nicht erst entzündet oder nur die äußerste Schicht der Rinde ankohlt. Damit ist die Korkeiche ein sogenannter Prophyt: eine an Feuer angepasste Pflanze. Wird die verkorkte Rinde verletzt, bildet die Eiche zudem immer wieder ein neues Wachstumsgewebe, das sogenannte traumatische Phellogen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Naturstoff Kork
Ein vielseitiges und nachhaltiges Naturmaterial und seine Nutzung

Woher kommt der Kork?
In den Baumstamm geschaut

Kork in der Antike
Vor Jahrhunderten genutztes Material

Vielseitiger Rohstoff
Die heutige Verwendung von Kork

Wichtiger Teil der Natur
Landschaftsschützer, Klimafaktor und Lebensraum

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