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Der Stand der Dinge

Wie geht es weiter?

Doch das Atomkraftwerk Greifswald ist erst der Anfang. Vollständig zurückgebaut sind in Deutschland bisher nur drei Atommeiler: zwei kleine Forschungsreaktoren und das 100 Megawatt-Kraftwerk Niederaichbach. Dieses wurde nach nur eineinhalb Jahren Betriebsdauer im Jahr 1974 abgeschaltet und nach Stilllegung zunächst in den sicheren Einschluss versetzt. 1987 begann dann der Rückbau, der 1995 abgeschlossen wurde.

AKWs in Detuschland
Kernkraftwerke in Deutschland - Anlagen in Betrieb, bgeschaltet und in Stilllegung. © Oeko-Institut e.V./CC-by-sa 2.0

Der größte Batzen kommt erst noch

Bei nahezu allen anderen zur Stromerzeugung eingesetzten Atomkraftwerken in Deutschland hat der Rückbau jedoch gerade erst begonnen oder steht noch bevor. Bisher sind zehn der 17 deutschen Leistungsreaktoren abgeschaltet, die restlichen sieben Meiler werden bis 2022 sukzessive vom Netz gehen. Damit ist klar: Die Hauptarbeit, um das strahlende Erbe des Atomzeitalters zu entsorgen, steht noch bevor. Nach Angaben des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) werden nach dem vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie allein 1.900 Castorbehälter mit insgesamt 27.000 Kubikmetern hochradioaktiven Abfällen übrigbleiben.

Doch wohin damit? Bisher gibt es keine andere Möglichkeit, als die Castoren in Zwischenlagern provisorisch aufzubewahren, bis ein Endlager gefunden ist. Neben drei zentralen Zwischenlagern in Lubmin, Gorleben und Ahaus dienen 13 dezentrale, einzelnen Atomkraftwerken zugeordnete Hallen als Zwischenlager. Nachdem die Zwischenlager ursprünglich von den Energiekonzernen betrieben und bezahlt wurden, haben diese sich im Jahr 2018 von der Verantwortung für die Zwischen – und Endlagerung freigekauft: Für den Preis von 24,1 Milliarden Euro ging der schwarze Peter an den Staat.

Provisorium statt Endlager

Dieser muss nun zusehen, wie er möglichst schnell eine dauerhafte Lösung für den hochradioaktiven Atommüll findet – ein Endlager. Denn in den Castoren können die hochradioaktiven Reaktorrelikte nicht ewig bleiben. Weil diese Spezialbehälter in der Regel nur für 40 Jahre Betrieb ausgelegt sind, muss der Atommüll nach Ablauf dieser Zeit entweder in neue Castoren umgeladen werden oder aber in die Behälter, die dann ins Endlager kommen.

Bisher aber ist weder klar, wo dieses Endlager für hochradioaktiven Atommüll liegen wird, noch welches die endgültige Technologie für die Lagerbehälter sein wird. Und schon jetzt sieht es so aus, als würde sich der Zeitplan für die Festlegung eines Endlagers weiter verzögern. Ursprünglich war dies für 2031 geplant, die Inbetriebnahme dann bis 2050. Einige Experten rechnen aber schon jetzt frühestens mit einer Inbetriebnahme ab 2080.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Megaprojekt Rückbau
Vom Atomkraftwerk zur "grünen Wiese"

Abschalten – und dann?
Die Nachbetriebsphase eines Kernkraftwerks

Messen, messen, messen
Das Problem der Aktivierung

Einschluss oder Rückbau?
Die Frage des Timings

Der große Abwasch
Dekontamination und Entsorgung der schwach verstrahlten Teile

Tödliches Herz
Der Rückbau der Reaktorkerne

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