Wie die Zinnen eines Märchenschlosses... - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wie die Zinnen eines Märchenschlosses…

Der Merapi - ein Hochrisiko-Vulkan

Merapi-Landschaft © GFZ Potsdam / Arnold Brodscholl

Auch der Merapi wurde in seiner Vergangenheit durch eine große, nach Südwesten gerichtete Explosion weitgehend zerstört. Der größte Ausbruch in historischer Zeit ereignete sich 1872. Es handelte sich um eine hochexplosive Eruption mit Bildung einer hohen Eruptionssäule. In der darauffolgenden Zeit änderte sich der vorherrschende Ausbruchsmechanismus.

In seiner gegenwärtigen Aktivitätsphase sind lang anhaltende Dombildungsphasen typisch, die durch plötzliche Kollapsereignisse unterbrochen werden. Der Dom, eine Kuppe aus lose aufgehäuften, teilweise erstarrten Lavabrocken, kann durch gravitative Instabilitäten oder auch laterale Explosionen ins Rutschen geraten und zu Tal stürzen.

Die resultierenden Block- und Aschenströme bestehen aus einer basalen Avalanche, die dem Relief folgt und das Hauptvolumen transportiert, sowie einer Aschenwolke aus fein fragmentiertem Material. Sie fließen mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h und besitzen hohe Temperaturen. An Holzkohlen des Stroms vom November 1994 wurden Inkohlungstemperaturen von 300 – 400 °C bestimmt, glasige Krusten am Gestein deuten noch höhere Temperaturen von 600 – 700 °C an.

Oft eilen Druckwellen den Strömen voraus, die über die Täler hinausschießen und, wie im Fall der Eruption von 1994, großen Schaden anrichten können.

32 der 67 dokumentierten historischen Eruptionen des Merapi waren mit Block- und Aschenströmen verbunden – diese Häufigkeit ist für keinen anderen Vulkan in der Welt bekannt. Zur Zeit tritt dieses Phänomen durchschnittlich einmal pro Jahr auf. Aufgrund der dichten Besiedlung am Fuße des Merapi und der landwirtschaftlichen Nutzung seiner Flanken stellen auch kleine vulkanische Ereignisse eine permanente Bedrohung für Leib und Leben der Bevölkerung dar. Eine sehr starke Eruption würde die nur 35 Kilometer südlich liegende Großstadt Yogyakarta und mit ihr insgesamt circa 3 Millionen Menschen im näheren Umfeld des Vulkans unmittelbar gefährden.

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Aufgrund des hohen Risikopotentials wurde der Merapi vom Komitee der „International Decade for Natural Disaster Reduction“ (IDNDR) als einer von 16 Hochrisiko-Vulkanen ausgewählt und für eine intensive Erforschung vorgeschlagen.

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Stand: 16.08.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Den Glutlawinen auf der Spur
Wie funktioniert der Hochrisiko-Vulkan Merapi?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Wenn der "Feuerberg" Glutlawinen spuckt
Merapi - ein rastloser Vulkan

Wie die Zinnen eines Märchenschlosses...
Der Merapi - ein Hochrisiko-Vulkan

Auf der Suche nach einem Frühwarnsystem...
Tremor, Gase und Deformationen

GFZ, Geomar & Co
Das Merapi-Projekt und seine Wissenschaftler

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