Wie die "Stecknadel im Heuhaufen" - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Wie die „Stecknadel im Heuhaufen“

Das Mysterium des Nilursprungs

Die Frage, woher das Wasser des Nil stammt, ist so alt wie die Geschichte der Besiedelung seiner Ufer. Schon vor tausenden von Jahren war der Fluss die Lebensader für die alten Hochkulturen der Ägypter, doch wo das lebensspendende Nass entsprang, wussten die Ägypter nicht. Ihre Segler folgten zwar dem Flussverlauf bis nach Khartum, der Stelle, an dem der blaue und der weiße Nil zusammenfließen, weiter kamen sie jedoch nicht.

Nil im Oberlauf © NASA

Auch in der Antike beschäftigte der Ursprung des Nils die Fantasie und Neugierde der Griechen und Römer, die die Küsten Nordafrikas kolonialisierten: Woher kamen die Wassermassen, die alljährlich das Niltal überschwemmten? Der griechische Historiker Herodot besuchte 460 v.Chr. Ägypten und sammelte so viele Informationen wie möglich über das Land und seine Lebensader, doch er konnte das Rätsel nicht lösen. Auch die griechischen Entdeckungsreisenden kamen nicht weiter als bis Khartum, zu groß waren die Entfernungen und zu schwierig die Bedingungen der Reise. Dementsprechend wurde in dieser Zeit der Ausdruck „den Kopf des Nils suchen“ als Synonym für unlösbare Aufgaben geprägt, ähnlich dem heutigen „die Stecknadel im Hauhaufen suchen“.

Den nächsten Versuch, das Mysterium zu enträtseln startete 66 n.Chr. der römische Kaiser Nero. Er sandte zwei seiner Soldaten in einem Boot nilaufwärts, Richtung Quelle. Hinter Khartum folgten sie dem weißen Nil bis zum ausgedehnten Sumpfgebiet des Sudd, im Süden des heutigen Sudan. Dort mussten auch sie aufgeben.

150 n. Chr. – knapp hundert Jahre später – erstellte Ptolemäus, ein griechischer Geograph, der in Alexandria lebte, eine Karte Afrikas. Auf ihr erstreckt sich der Kontinent bis zur Antarktis und der Nil entspringt weit unterhalb des Äquators aus zwei riesigen Binnenmeeren in der Nähe von schneebedeckten Bergen, den „Bergen des Mondes“ ein. Ptolemäus berief sich dabei auf die Berichte von Abenteurern und Seeleuten, die von „hohen Bergen im Süden“ berichteten. Mit dieser Karte lag Ptolemäus schon sehr nahe an der Realität, denn seine „Berge des Mondes“ beschreiben erstaunlich genau das Ruwenzori-Gebiet, eine große schneebedeckte Bergkette, die sich zwischen Albert- und Tanganjikasee erstreckt, und aus deren Bereich tatsächlich ein Großteil der Nilwässer stammen.

Bis die ersten Entdecker die auf der Karte des Ptolemäus eingezeichneten „berge des Mondes“ und Seen tatsächlich zu Gesicht bekamen, sollten allerdings noch mehr als 1500 Jahre vergehen…

Anzeige

  1. zurück
  2. 1
  3. |
  4. 2
  5. |
  6. 3
  7. |
  8. 4
  9. |
  10. 5
  11. |
  12. 6
  13. |
  14. 7
  15. |
  16. 8
  17. |
  18. 9
  19. |
  20. weiter


Stand: 11.03.2005

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Vorstoß in das Herz Afrikas
Die lange Suche nach den Quellen des Nil

Wie die "Stecknadel im Heuhaufen"
Das Mysterium des Nilursprungs

Lebensader Nil
Wiege der Kulturen und Weg ins Innere Afrikas

Profit, Ruhm und "Gottes Auftrag"...
Der Run auf den dunklen Kontinent beginnt

Zum blauen Auge Äthiopiens
Die (Wieder)-Entdeckung der Quelle des Blauen Nils

Aufbruch ins unbekannte Herz Afrikas
Streit um den Kilimandscharo

Zu den großen Seen des Inneren
Die Expedition von Burton und Speke

"Das Rätsel ist gelöst"?
Spekes zweite Reise zum Viktoria-See

Dr. Livingstone, I presume?
Spekes Rehabilitation

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Anzeige
Anzeige