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Zum Mond!

Chinas Pläne für lunare Missionen

Alle wollen zum Mond: Nach fast 50 Jahre Pause ist der Erdtrabant wieder ins Zentrum des Raumfahrtinteresses gerückt. Denn auf ihm locken begehrte Rohstoffe wie Helium-3 und seltene Metalle, zudem hat der Mond eine große strategische Bedeutung als Zwischenstopp zum Mars, als Standort für Teleskope oder als lukratives Ziel für Weltraumtouristen.

Yutu-2
Der Mondrover Yutu-2 und seine Muttersonde Chang’e 4 absolvierten die erste Landung eines menschengemachten Gefährts auf der abgewandten Seite des Mondes.© CSNA/Siyu Zhang, Kevin M. Gill/CC-by-sa 2.0

Und auch hier mischt China kräftig mit. Chinas Mondprogramm setzt zunächst auf unbemannte Sonden, um Technologien und Standorte für spätere bemannte Mondmissionen zu testen und weiterzuentwickeln. Den ersten großen Erfolg verbuchte im Jahr 2013 Chang’e 3 mit der ersten Landung einer chinesischen Raumsonde samt kleinem Rover auf dem Erdtrabanten. 2019 folgte dann Chang’e 4 mit der ersten Landung auf der abgewandten Seite des Mondes – als erste Raumsonde überhaupt. Ein am lunaren Lagrangepunkt 2 platzierter Satellit dient dabei als Relais für die Funksignale, ein zweiter Relaissatellit soll 2024 dazukommen.

Lunarer Südpol als vorrangiges Ziel

Damit ist China noch vor den USA in einem lunaren Gebiet präsent, das als besonders geeignet für künftige Mondstationen gilt. Denn Daten von Orbitersonden legen nahe, dass es in den tiefen Schatten einiger Krater der am lunaren Südpol liegenden South-Pole-Aitken-Senke meterdicke Wassereisschichten geben könnte – eine wichtige Ressource für künftige Mond-Astronauten. Auch Metalle und andere Ressourcen könnten sich im Regolith dieser Region finden.

Ob das tatsächlich der Fall ist, will China mit der Mondsonde Chang’e 6 ermitteln. Sie soll 2024 starten und Proben aus dem Südpolbecken nehmen und zur Erde zurückbringen. Auch die beiden Folgemissionen Chang’e7 und 8 sollen in dieser Region landen und dort geologische Untersuchungen und technische Tests durchführen. Unter anderem sind Experimente zur Nutzung des Regoliths als Baustoff geplant.

Doch auch China will mehr als nur robotische Stippvisiten auf dem Erdtrabanten, langfristiges Ziel ist eine bemannte Mondbasis. Aktuellen Plänen zufolge soll die unbemannte Konstruktionsphase für eine solche Station etwa um das Jahr 2030 beginnen, ab 2036 könnten dann die ersten chinesischen Astronauten landen. Nach Aussagen der chinesischen Raumfahrtbehörde soll die lunare Basis vor allem Forschungszwecken dienen und auch für andere Nationen offen sein.

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Gemeinsame Mondstation mit Russland?

Erster Partner für dieses Unterfangen könnte Russland werden: Im Sommer 2021 unterzeichneten die chinesische und die russische Raumfahrtbehörde eine Absichtserklärung für eine gemeinsame internationale Mondforschungsstation (ILRS). Im Juli 2022 erklärte Roskosmos-Leiter Dmitry Rogozin gegenüber dem russischen Sender Rossiya 24: „Wir sind nun fast soweit, den Vertrag für eine gemeinsame Mondbasis mit China zu unterzeichnen.“

Mondbasis
Ab 2030 will China gemeinsam mit Russland mit der Konstruktion einer Mondstation beginnen. Wie diese aussehen wird, ist jedoch noch unklar. © NASA/Dennis Davidson

Parallel dazu hat Russland sein seit fast 50 Jahren pausiertes Luna-Programm wieder aufgenommen. Im September 2022 soll die Raumsonde Luna-25 die russische Rückkehr zum Mond einleiten und ebenfalls in der lunaren Südpolregion landen. Das Pikante daran: Ursprünglich waren die neu aufgelegten russischen Luna-Missionen in Kooperation mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA geplant. Diese hat jedoch nach dem Beginn des Ukrainekriegs die Zusammenarbeit aufgekündigt.

Streit um die Artemis-Accords

Auch bei der Monderkundung zeigt sich demnach eine Neuauflage des alten Wettlaufs in All – mit der chinesisch-russischen ILRS auf der einen und dem Artemis-Programm der USA und Europas auf der anderen Seite. Letztere planen, bereits ab dem Jahr 2025 wieder Astronauten auf dem Erdtrabanten landen und eine lunare Raumstation in den Mondorbit bringen. Damit könnte ein Konflikt um lunare Standorte und Ressourcen drohen – auch, weil das Weltraumrecht bisher keine klaren Regelungen für dieses Szenario beinhaltet.

Um dies zu ändern, haben die USA die sogenannten Artemis-Accords aufgesetzt – ein Vertragswerk, das den Umgang verschiedener Akteure auf dem Mond regeln soll. In den Accords verpflichten sich die Unterzeichner, den Weltraumvertrag von 1967 zu befolgen, gegenseitige Störungen zu vermeiden Informationen auszutauschen und möglichst kompatible Technogien einzusetzen. „Wir versuchen damit sicherzustellen, dass es eine Verhaltensnorm gibt, die dafür sorgt, dass lunare Ressourcen auf eine Weise genutzt werden, die mit den Weltraumvertrag vereinbar sind“, sagt Bridenstine. Neben den USA haben bisher 20 Länder die Accords unterzeichnet.

Doch Chinas Regierung sieht die Accords als Versuch der USA, den anderen Raumfahrtnationen und insbesondere China Regelungen aufzunötigen, die einseitig den US-Interessen zugutekommen. Die Accords seien ein Versuch, den Mond für sich zu vereinnahmen und ihn zu kolonialisieren, kritisierte der chinesische Militärexperte und Kommentator Song Zhongpin 2020 in der „Global Times“. In ähnliche Richtung gingen die Berichte im chinesischen Staatsender CGTN. Allerdings gibt es auch chinesische Experten für Weltraumrecht, die einräumen, dass internationale Richtlinien für die Monderkundung und -ausbeutung nötig sind – und dass die primär bilateralen Accords zumindest eine Vorstufe dafür sein könnten.

Klar ist in jedem Fall: In den nächsten Jahren steht ein Wettkampf um lunare Meilensteine, Standorte und Ressourcen bevor – und China wird dabei ganz vorn mitspielen.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Neue Weltraummacht China
Chinas Weg vom Paria zum Vorreiter der Raumfahrt

Aufholjagd im All
Chinas als neue starke Raumfahrtnation

Die große Spaltung
Wettstreit um die Vormacht im Weltraum

Zum Mond!
Chinas Pläne für lunare Missionen

Operationsbasis im Orbit
Chinas neue Raumstation Tiangong

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