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Wetterextreme überall

Die Ausschläge des Klimapendels werden stärker

Wir waren gewarnt: Schon seit Jahren prognostizieren Klimaforscher, dass mit der fortschreitenden Erwärmung auch die Wetterextreme mehr und intensiver werden. Weil das Klimapendel immer stärker ausschlägt, werden Hitzetage, Dürren und Starkregen intensiver und häufiger, so die Prognose.

Überflutung
Folgen des Starkregens im Juli 2021 im südbelgischen Pepinster.© Christophe Licoppe/ EU Kommission

Inzwischen ist klar: Das damals prognostizierte Szenario ist längst Realität – davon zeugen Extremwetter-Katastrophen weltweit. In Deutschland verursachten die durch Starkregen angeschwollene Bäche und Flüsschen katastrophale Überflutungen und zerstörten ganze Ortschaften. Im Westen Nordamerikas, am Mittelmeer und in Sibirien brennen die Wälder und immer wieder treiben Hitzewellen die Temperaturen zu neuen Rekorden.

„Keine Region ist mehr davon verschont“

Im neuen Weltklimabericht liefert die Klimaforschung nun die Hintergründe und Daten zu diesen Ereignissen. Zum einen bestätigt der IPCC, dass solche Wetterextreme tatsächlich messbar zugenommen haben. „Unsere Erkenntnisse zeigen ganz klar, dass Klimaextreme mit zunehmender Erwärmung zunehmen. Das hat schon in der Vergangenheit stattgefunden und das wird noch schlimmer werden mit zunehmender Erwärmung. Wir sehen auch, dass keine Region davon verschont ist“, sagt Sonia Seneviratne von der ETH Zürich, Leitautorin des Extremwetterkapitels.

Demnach ist es so gut wie sicher, dass Hitze-Extreme seit den 1950er Jahren über den meisten Landflächen häufiger und intensiver geworden sind. Ähnliches gilt für Starkregen-Ereignisse. Stark erhöht hat sich auch die Häufigkeit der besonders verheerenden Kombinationen gleich mehrerer Wetterextreme, beispielsweise von Hitze und Dürre, von Wetterbedingungen, die starke Brände begünstigen oder Überflutungen.

Extreme
Weltweite Trends für Hitzeextreme und Starkregen.© IPCC/ WBG I AR6

Künftige Zunahme quantifiziert

Erstmals quantifizieren die IPCC-Autoren, wie stark der Klimawandel diese Trends vorantreibt. Demnach nehmen extreme Starkregen-Ereignisse mit jedem Grad der Erwärmung um rund sieben Prozent zu. Frühere Jahrhundert-Ereignisse werden dadurch häufiger und erreichen Intensitäten, die mancherorts nie zuvor beobachtet worden sind. Konkret sind Zehnjahres-Starkregen heute 1,3-mal Mal häufiger und 6,7 Prozent nasser als vor 150 Jahren. Bei zwei Grad Erwärmung wird sich dies auf 1,7-mal häufiger und 14 Prozent nasser verstärken.

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Ähnliches gilt für Dürren und Hitze: „Jedes halbe Grad mehr verursacht eine spürbare Zunahme in der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen“, heißt es im Bericht. Schon heute sind extreme Hitzetage 2,8-mal häufiger als noch 1850. Bei einer Erwärmung um zwei Grad werden solche Zehnjahres-Hitzerekorde 5,6-mal häufiger vorkommen und 2,6 Grad heißer sein. Eine Jahrhunderthitze wird sogar 13,9-mal häufiger vorkommen, so die Prognosen.

Attribution nicht überall eindeutig

Ursachen für die zunehmenden Wetterextreme sehen die Klimaforscher zum einen in den großräumigen Veränderungen der Zirkulation: „Die massive Erwärmung der Arktis beeinflusst die atmosphärische Dynamik der gesamten Nordhalbkugel – und das zeigt sich an den stagnierenden Wettersystemen und dem veränderten Verhalten des Jetstreams“, konstatiert WMO-Generalsekretär Petteri Talaas. Weil Tief- und Hochdruckgebiete länger über einer Stelle stehen, intensiviert sich das von ihnen bestimmte Wetter.

Parallel dazu beeinflussen auch regionale Faktoren das Wettergeschehen. Dadurch sind Extreme nicht in allen Regionen gleichermaßen sicher dem menschengemachten Klimawandel zuzuordnen, wie der IPCC-Bericht einräumt. Während der menschliche „Fingerabdruck“ beispielsweise bei Starkregen in Europa, Nordamerika und Teilen Asiens deutlich ist, lassen sich extreme Niederschläge in China oder dem Nordwesten Australiens weniger eindeutig unserem Einfluss zuschreiben. Zusammengenommen sei aber ein Großteil der beobachteten Intensivierung der Niederschläge wahrscheinlich vom anthropogenen Einfluss verursacht.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Klimawandel 2021: Wir sind mittendrin
Fakten, Hintergründe und Prognosen im sechsten Weltklimabericht

Keine Zweifel mehr
Was ist neu seit dem letzten Weltklimabericht?

Klare Zahlen
Die Klimasensitivität und unser CO2-Budget

Verzögerte Reaktion
Klimasystem ist wie ein Tanker mit langem Bremsweg

Wetterextreme überall
Die Ausschläge des Klimapendels werden stärker

Hinter den Kulissen
Wie entsteht ein Weltklimabericht?

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