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Kalorienreduktion verbessert Gesundheit und Überlebensdauer

Wer weniger isst, wird älter

Rhesusaffe Canto ist hochbetagt, aber fit wie ein Turnschuh: Mit 27 Jahren hat er zwar das durchschnittliche Maximalalter eines Affen seiner Art erreicht, körperlich und geistig aber entspricht er weitaus jüngeren Artgenossen. Damit gehört er quasi zum äffischen Äquivalent des Clubs der Hundertjährigen. Sein Kollege Owen ist sogar schon 29, doch er fühlt sich auch entsprechend. Er ist ein echter Affengreis mit allen Zipperlein, die das Alter so mit sich bringt.

Rhesusaffe Canto (links) mit 27 Jahren und sein nicht auf Diät gesetzter Artgenosse Owen © Jeff Miller

Das Geheimnis ihre Unterschiedes liegt keineswegs in einem neuen Anti-Aging-Mittel, es ist viel simpler: Canto hält seit dem Beginn seines Erwachsenenlebens Diät. Er und seine Kollegen im Primatenhaus der Universität von Wisconsin-Madison bekommen rund 30 Prozent weniger Kalorien täglich, als Owen und seine Kumpanen, die so viel fressen dürfen, wie sie wollen. Jetzt, nach 20 Jahren Laufzeit, haben Wissenschaftler um den Medizinprofessor Richard Weindruch, die beeindruckenden Ergebnisse dieses Langzeitversuchs veröffentlicht.

Keine Diabetes, 80 Prozent Überlebensrate

„Wir haben festgestellt, dass die Kalorienreduktion das Risiko, eine altersbedingte Krankheit zu entwickeln, um den Faktor drei senkte und die Überlebensrate erhöhte“, berichtet Weindruch im Juli 2009 in „Science“. Während von den normalernährten Rhesusaffen nur die Hälfte bis heute überlebt hat, sind es bei Canto und seinen Diät-Genossen 80 Prozent. Und diese Affengreise erfreuen sich zudem guter Gesundheit. Die kalorienreduzierte Diät senkte auch die Häufigkeit von Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um die Hälfte, Diabetes kam zum Erstaunen der Forscher bei den Diät-Affen sogar überhaupt nicht vor. „Bisher haben wir eine komplette Abwesenheit von Diabetes beobachtet“, so Weindruch.

Zwar hatten Studien an Mäusen schon in den 1930er Jahren Hinweise darauf gegeben, dass eine kalorienreduzierte Diät lebensverlängernde Wirkung haben kann, doch bisher standen sowohl eine genauere Analyse der positiven Effekte als auch der Nachweis für Primaten noch aus.

„Sie scheint in einigen Regionen das Gehirnvolumen zu erhalten“, erklärt Neurowissenschaftler Sterling Johnson von der Universität von Wisconsin-Madison. Vor allem die Gehirnregionen, die für die Kontrolle von Bewegungen und für kognitive Funktionen wie Problemlösen und Kurzzeitgedächtnis verantwortlich sind, blieben bisher bei Canto und den anderen Diät-Affen von der alterstypischen Schrumpfung verschont.

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Funktioniert das auch beim Menschen?

Das klingt verheißungsvoll. Ob eine reduzierte Kalorienzufuhr auch beim Menschen positive Effekte nach sich zieht, könnte die Studie CALERIE (Comprehensive Assessment of Long-term Effects of Restricted Intake of Energy) zeigen, die seit 2007 an verschiedenen amerikanischen Forschungseinrichtungen läuft. In ihr unterziehen sich bisher 132 Freiwillige einem Diätregime, bei dem sie zwei Jahre lang 25 Prozent weniger Kalorien aufnehmen als es ihrem täglichen Normalbedarf entspricht. Typischerweise nehmen sie dabei im ersten Jahr rund 15 Prozent ihres Körpergewichts ab, dieses stabilisiert sich dann aber und bleibt anschließend relativ konstant. Die Forscher messen regelmäßig Gewicht und wichtige Gesundheitskenndaten der Probanden und nehmen Blut- und Muskelproben. Noch ist es allerdings zu früh für eindeutige Ergebnisse.

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Nadja Podbregar
Stand: 16.04.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Das Geheimnis der Hundertjährigen
Auf der Suche nach den Ursachen von Altern und Langlebigkeit

Wie alt werden Tiere?
Altersrekorde im Tiereich

Zum Weiterlesen
Links und Literatur zum Thema Altern

Die ältesten Menschen der Welt
Was ist das Geheimnis der „fitten Alten“?

Was lässt uns altern?
Die biochemischen Grundlagen des Alterns

Das Geheimnis der Telomere
Altern und die Rolle der Chromosomen-Endkappen

Wer weniger isst, wird älter
Kalorienreduktion verbessert Gesundheit und Überlebensdauer

Das erste Altersgen
Ein Fadenwurm bringt die Antwort

Bei den Hundertjährigen von Okinawa
Langlebige Inselbewohner als Forschungsobjekt

Warum schlecht manchmal gut ist
APOE und die scheinbare Widersprüchlichkeit der Altersgene

Das Methusalem-Projekt
Rasterfahndung im Genom der Hochbetagten

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