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Toxizitätsuntersuchungen von Drogen an Radnetzspinnen

Wenn Spinnen stoned sind

Spinnen und ihre „Kunstwerke“ machen sich auf unerwartete Art nützlich: Um die Wirkungen von Drogen zu untersuchen, haben Wissenschaftler der NASA einige interessante Untersuchungen angestellt. Sie wollten herausfinden, wie sich verschiedene Chemikalien auf den Netzbau von Radnetzspinnen auswirken. Dabei diente ein normales Netz einer unbehandelten Spinne als Referenz. Mit diesem wurden die Netze verglichen, die die Spinnen webten, wenn ihnen vorher bestimmte chemische Substanzen verabreicht wurden.

Spinnennetze unter Einfluss von Marihuana (oben rechts), Chloralhydrat (oben links), Benzedrin (unten links) und Koffein (unten rechts). © NASA

Spinnen, die unter dem Einfluss von Marihuana standen, fingen ganz normal mit dem Netzbau an, verloren aber nach einiger Zeit die Konzentration und webten nicht mehr weiter. Offensichtlich waren sie zu entspannt, um ihre Arbeit fertigzustellen. Verabreichten die Wissenschaftler den Spinnen Chloralhydrat, einen wirksamen Bestandteil von Schlafmitteln, so war das Ergebnis offensichtlich: Nachdem der Rahmen und ein paar Speichen als Fundament gesponnen waren, fielen die Spinnen vom Netz ab, schneller als sie den Netzbau beenden konnten.

Benzedrin, ein Amphetamin, veranlasste die Spinnen, ihr Netz mit großem Elan zu bauen, jedoch waren sie so unkonzentriert und planlos bei der Arbeit, dass das Netz Löcher und unfertige Stellen aufwies. Die Spinnen waren geradezu hyperaktiv, wie die Wissenschaftler es von einem Aufputschmittel erwartet hatten. Unter Koffeineinfluss sah das Ergebnis noch schlimmer aus. Die Spinnen waren unfähig, etwas Besseres zu weben als wild durcheinandergeratene Fäden, die zufällig miteinander verknüpft waren.

Die Unregelmäßigkeiten der Netze hängen eng mit der Toxizität und der Dosis der Drogen zusammen. Mit Hilfe eines Computerprogramms haben die Forscher die Abweichungen analysiert und versucht, sie zu quantifizieren, um so die Toxizität von Stoffen messen zu können. Auf diese Weise könnten die Spinnen eine Testalternative zu Säugetieren darstellen. Da die Fähigkeiten der Spinnen so offensichtlich durch den Einfluss von Drogen beeinflusst werden, hoffen die Wissenschaftler, dass Spinnen dabei helfen können, den Effekt von Chemikalien zu testen und die Toxizität neuer Medikamente vorherzusagen.

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Stand: 11.11.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Leben auf acht Beinen
Spinnen und ihre Verwandten

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Von winzig klein bis tellergroß
Die Vielfalt der Spinnen

Kunstwerke aus Proteinen
Spinnennetze

Wenn Spinnen stoned sind
Toxizitätsuntersuchungen von Drogen an Radnetzspinnen

Acht Beine, Kieferklauen und Giftdrüsen
Die Merkmale der Chelicerata

Hören mit den Haaren
Die Sinnesorgane der Spinnentiere

Die Giftmischer
Sind Spinnen und Skorpione gefährlich?

Mit Scheren und Stachel
Die Skorpione

Lichtscheue Gesellen
Walzenspinnen - weit verbreitet und gefürchtet

Spinnen und Skorpione mit Geißeln
Uropygi und Amblypygi

Schmarotzer und Krankheitserreger
Milben und Zecken

Meeresspinnen ohne Körper
Die Pantopoden

Ein lebendes Fossil
Die Schwertschwänze

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