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… und wieder auferstehen

Wenn Ökosysteme zugrunde gehen…

Auf der Suche nach dem Treibhausklima vergangener Welten in der Wüste von Oman. © RUB

Für unseren nächsten Ausflug fliegen wir fünf bis sechs Stunden Richtung Südosten. Im sonnigen Muskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman, steigen wir aus. Ein Geländefahrzeug bringt uns in einem weiteren Tag in die Huqf Wüste an der Ostküste Omans.

In der mittleren Kreidezeit vor 120 Millionen Jahren, war auch diese Region von einem flachen Meer bedeckt. Das Wasser, das heute am Südpol die Eisschilde aufbaut, hatte damals auch die Küstenregionen Omans überflutet und bildete das Südufer des Ur-Mittelmeers. Die Ablagerungen aus dem flachen Küstenmeer, die genauso alt sind wie die schwarzen Tonsteinbänke, die wir in Nord-Deutschland kennen gelernt haben, enthalten jedoch hier keine organisch-reichen, schwarzen Gesteine: Hier scheint die Entwicklung des Lebens kurzfristig um viele Hundert Millionen Jahre zurückgedreht zu sein.

Entwicklung des Lebens zurückgedreht

Eine Lokalität in der Wüste Omans, die die Algen-Mikroben Ablagerungen zeigt. Diese verdrängten kurzfristig die normalen Küstenökosysteme infolge von Überdüngung. © RUB

Während unter normalen Bedingungen diese subtropischen Kreide-Küstenmeere vom Leben nur so wimmelten, verschwanden plötzlich die Korallen- und Rudisten-Riffe. Rudisten sind kreidezeitliche Muscheln. An ihre Stelle traten Lebensformen, die wir aus der Frühzeit der Erde kennen, vor allem Algen und Bakteriengemeinschaften. Nach einigen 100.000 Jahren – etwa 1,5 Meter im Sediment – war der Spuk vorbei und die Korallen-Rudisten-Riffe traten wieder an ihre gewohnte Stelle. Etwas höher treten die seltsamen Gesteine nochmals auf und verschwinden auch wieder. Hier scheinen Mechanismen am Werk zu sein, die ein ganzes Küsten-Ökosystem kurzfristig kippen können

Geochemische Datierungsmethoden wie etwa die Messung stabiler Isotope, die während des Lebens von Organismen aufgenommen werden und nach deren Tod allmählich zerfallen, erlauben es, diese Intervalle zeitlich einzugrenzen. Und tatsächlich scheinen sie die Äquivalente der schwarzen Tonsteine der tieferen Becken zu sein. Wie soll man das erklären?

Überdüngte Lebensräume als Ursache?

Eine mögliche Analogie findet sich in der modernen Welt. Überall dort, wo wir viele zusätzliche Nährstoffe ins Meer oder in Seen einbringen, wie etwa Dünger aus der Landwirtschaft in den Dümmer (ein See nördlich von Osnabrück), gehen die jeweils vorherrschenden Ökosysteme zugrunde.

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An ihre Stelle treten Algen und Mikroben, die unter diesen nährstoffreichen Bedingungen prächtig gedeihen. Es ist denkbar, dass während gewisser Zeiten in der Kreidezeit das Klima so feucht-warm war, dass durch starke Regenfälle gewaltige Mengen verwitterten Gesteins und organisches Material vom Festland in Flüssen her antransportiert wurden und die Meere überdüngten.

Auf ihrem Weg in den Ozean mussten diese Nährstoffe das flache Küstenmeer queren und haben dort die Ökosysteme kurzfristig zerstört. Damit hätte sich die kreidezeitliche Treibhauswelt hier in Form von überdüngten Lebensräumen manifestiert. Ob diese Spekulationen für alle OEA gelten, muss die Forschung erst zeigen.

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Stand: 27.04.2007

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Treibhaus Kreidezeit
Klimawandel in der Erdgeschichte

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Bochum als Hafenstadt
Strandkörbe im Geologischen Garten

Was das Klima antrieb
Ursache des globalen Temperaturanstiegs in der Kreidezeit

Sauerstoffmangel am Meeresboden
Ein ozeanisches anoxisches Ereignis

Tropenklima in Norddeutschland
Archaebakterien als Paläothermometer

Wenn Ökosysteme zugrunde gehen…
… und wieder auferstehen

Überleben in einer CO2-Welt
Große Vielfalt, geringe Artenzahl

Treibhaus Erde im 22. Jahrhundert?
Szenario auf heutige Verhältnisse übertragbar?

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