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Wenn der Bär angreift

Was tun bei einer ungewollten Begegnung?

Ihrer Natur nach sind Braunbären eigentlich scheue Einzelgänger und Kulturflüchter, die dem Menschen aus dem Weg gehen. In der Regel trollen sie sich daher, wenn sie Menschen gewahr werden. Nordamerikas Nationalparkverwaltungen raten Wanderern deshalb zum Glöckchen am Schuh, um sich bemerkbar zu machen. Bären sind zudem kurzsichtig – es sind Nase und Gehör, die sie exzellent leiten. Vor allem in der Dämmerung und der Nacht sind sie aktiv.

Eher scheu und zu fast 80 Prozent Pflanzenfresser: der europäische Braunbär © High Contrast / CC-by-sa 3.0 de

Beeren, Insekten – und Abfälle

Bären sind Allesfresser und Opportunisten, die nehmen, was sich bietet. Meister Petz ist nach dem Eisbär das größte Landraubtier – und doch ist seine Kost bis zu 80 Prozent pflanzlich. Im Frühjahr sieht man Braunbären grasen, mal auch ein Rehkitz oder Lamm schlagen, im Sommer und Frühherbst suchen sie nach Beeren, Wurzeln, Insekten und Nüssen, gegen Winterende sind ihnen Aas und geschwächte Tiere willkommen.

Im Herbst ist der Appetit der Braunbären besonders groß, der Winterspeck will angesetzt sein. In dieser Hyperphagie genannten Phase der Fresssucht plündert der Bär gerne Felder, bricht Bienenstöcke auf und reißt junges Vieh. Oder durchwühlt Abfälle.

Nicht weglaufen, sondern hinlegen

Gefährlich für Tier und Mensch sind die überraschenden Kollisionen. Anders als bei manchen Großkatzen provozieren Gebrüll und Scheuchbewegungen die Zotteltiere nur noch mehr. Auch Davonlaufen hilft nicht. Auf kurzer Strecke werden Braunbären 50 Stundenkilometer schnell, selbst 500 Meter schaffen sie noch in unter 40 Sekunden, erst auf längerer Distanz verfallen sie in Trab.

Schild mit einer Warnung vor Bären © Michaela/ CC-by-sa 2.0

Vor Jahrhunderten, als der Bär noch Mitteleuropas Wälder bevölkerte, glaubte man, dass der Allesfresser diejenigen verschone, die sich vor ihm klein machten. Das waren die, die sich bückten: Beeren-, Pilz- und Klaubholzsammler. Selbst Jäger, die sich vor ihm zu Boden werfen, soll er verschont haben. Dieser vermeintliche Aberglaube war keiner, wie man heute weiß: Wer vom Bär angegriffen wird, soll sich mit über den Kopf verschränkten Armen auf den Boden legen und totstellen. So hat er die besten Chancen, unversehrt zu bleiben.

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Riskant sind vor allem Begegnungen mit Bärinnen, die Junge mit sich führen – oder wenn ein Hund dabei ist. Denn den betrachtet eine Bärin als Wolf, der ihre Jungen reißen will. Heikle Situationen entstehen auch, wenn das Tier einen Kadaver verteidigen will. Bären verstecken manchmal ihre Beute unter Pflanzen und Erde und bewachen sie dann aus der Nähe.

Das Königstein-Gebirge in Rumänien ist eine der Regionen, in der Camper und Wanderer Braunbären begegnen können. © Kai Althoetmar

Wie häufig sind Bärenangriffe?

In Rumänien wurden in den vergangenen hundert Jahren 24 tödliche Bärenangriffe erfasst. Oft waren unvorsichtige Touristen die Opfer. Mal campierten sie verbotswidrig in Bärenland, mal versuchten sie Bären zu füttern, mal raste ein Bär, der vor einer Treibjagd floh, in eine Gruppe Wanderer. 2008 wurde in den rumänischen Karpaten ein deutscher Tourist von einem Bären schwer verletzt, der in dessen Zelt nach Fressbarem suchte.

In den Bärenländern Italien, Frankreich, Österreich und Spanien hat es im gleichen Zeitraum keinen einzigen Todesfall durch Bären gegeben. In Skandinavien gab es zwei tödliche Unfälle, nachdem Jäger von verwundeten Bären überrascht worden waren.

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Kai Althoetmar
Stand: 20.01.2017

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Problemfall Braunbär?
Konflikte zwischen Mensch und Bär in Europa

Die Bären von Brasov
Zum Abendessen in die Stadt

Wo begegnen wir Bären?
Verbreitung und Häufigkeit

Wenn der Bär angreift
Was tun bei einer ungewollten Begegnung?

Der Problembär
Wenn Bären zur Gefahr werden

"Müllbären" auf der Spur
Nicht alle Braunbären lassen sich vom Abfall verführen

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