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Weltweiter Wettlauf

Wie wirkt sich der Run auf Patente auf die Forschung aus?

Aber nicht nur für kommerzielle Anwendungen spielen Genpatente eine Rolle, auch die Grundlagenforschung ist in Teilen davon betroffen – sowohl in Bezug auf ihre Finanzierung als auch auf den Umgang von potenziellen Patent-Rivalen untereinander. Zwar haben Wissenschaftler durchaus das Recht, auch an bereits patentierten Genen zu forschen, doch ohne den Anreiz einer eventuellen späteren Vermarktung kann es durchaus sein, dass Drittmittel nur spärlich fließen. Das zumindest befürchten einige.

Andere Forscher und Unternehmen vertreten demgegenüber die Ansicht, dass nur der umfassende Patentschutz – auch von menschlichen Gensequenzen – den Forschungseinrichtungen und Biotechfirmen die nötige Rechtssicherheit gibt, die sie für ihre Investitionen in die teure Forschung bräuchten. Wieder andere kritisieren hingegen, dass Patente auf das Erbgut der Branche mehr schaden als nutzen könnten, weil kleinere Firmen kaum Chancen hätten zu wachsen, wenn die Großen auf den patentierten Genen säßen.

Konkurrenz statt Austausch?

Und auch für den Alltag im Wissenschaftsbetrieb hat der Wettlauf um Patente Auswirkungen: Die Kooperation und der freie Informationsfluss zwischen verschiedenen Forschern und wissenschaftlichen Arbeitsgruppen wird von vielen als ein wichtiger Impuls für neue Erkenntnisse und Fortschritte angesehen. Solange beispielsweise bei einem Gen nur die Sequenz entschlüsselt ist und noch keine Funktion gefunden wurde, eröffnet der freie Zugang zum Code die Möglichkeit, dass andere Forscher Funktionen und Einsatzmöglichkeiten entdecken und sich diese als eigene Patente sichern, bevor es der ursprüngliche Entschlüsseler tun kann.

Daher sehen Rebecca Eisenberg von der University of Pennsylvania und andere Bioethiker besonders für die frühe Phase der medizinischen Forschung eine Verschärfung des Konkurrenzdenkens und eine deutliche Tendenz zum Sich-Abschotten. „Wissenschaftler, die normalerweise Forschungskollegen sind, werden zu wirtschaftlichen Konkurrenten, die um kommerzielle Vorteile rivalisieren. Einige Studien haben gezeigt, dass gleichzeitig auch die Versuchung zunimmt, Untersuchungsergebnisse zurückzuhalten oder sogar zu verfälschen. Die Neigung, entscheidende Forschungsmethoden oder Biomaterialien auszutauschen, nimmt dagegen deutlich ab“, so die Forscher.

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Nadja Podbregar
Stand: 23.03.2012

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Genpatente
Wem gehört das Leben?

Streit um die Brustkrebsgene
Myriads Patent und die Folgen

Hin und her
Erst ein Urteil, dann die Berufung

Neu, erfunden, nützlich
Was kann patentiert werden?

Die Ausnahmen
Was kann nicht patentiert werden?

"Verwendungszweck bekannt"
Wann ist eine Sequenz doch patentierbar?

"Tote" Gene im Sojamehl
Der Fall Monsanto

Weltweiter Wettlauf
Wie wirkt sich der Run auf Patente auf die Forschung aus?

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