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Kampf mit der Strömung

Weitab vom Kurs

24. Juli 1969. Nach ihrem acht Tage langen Flug landet die Kapsel mit den drei Astronauten der Apollo 11 sicher im Wasser des Pazifiks. Tausende von Kilometern entfernt kämpft die Franklin weiter mit widrigen Strömungen. Nach dem wimmelnden Leben vor der Küste Georgias und Carolinas ist das Meer um das Schiff nahezu leer, nicht einmal der dichte Planktongürtel, der bisher die Sonarmessungen störte, ist noch vorhanden. Die vorgesehen Beobachtungen müssen unterbrochen werden. Wichtigstes Ziel ist es jetzt, die Franklin in den Kern des Golfstroms zu manövrieren.

Kazimirs Zeichnung im Logbuch für den 25./26.Juli 1969 © NASA/GSFC/seawifs

Keine Chance gegen den Riesenwirbel

Zwei Tage später dann eine fatale Begegnung: Ein gewaltiger Strömungswirbel packt das U-Boot unerwartet und schiebt es vom Kurs ab in die Gegenrichtung. Kazimir wirft die vier Motoren der Franklin an und versucht, gegenzusteuern, doch die Motoren sind zu schwach und die Energie geht zur Neige. Was nun? Der Leiter der Mission fällt die Entscheidung, das Tauchboot von der Privateer, dem Begleitschiff, in den Golfstrom schleppen zu lassen. Die Franklin taucht auf. Alle Luken des U-Boots bleiben jedoch fest versiegelt, denn die Isolation und Autonomie der „geschlossenen Umwelt“, die vor allem der NASA als Test so wichtig ist, soll bewahrt bleiben.

Zwei Tage später, am 28. Juli, ist die Franklin wieder auf Kurs: mitten im Zentrum des Golfstroms. Gleichzeitig geht es nun in tiefe Gewässer, die Strömung verlässt den Kontinentalschelf der Küste und zieht das Tauchboot hinaus ins offene Meer. Mehr als 3.500 Meter tief ist hier das Wasser. Wenn jetzt etwas mit dem Auftrieb schief geht oder es ein Leck gibt, ist das Boot rettungslos verloren. Der Wasserdruck würde die Hülle schon weit vor dem Erreichen des Meeresbodens zerquetschen. Die Crew beginnt akustische Messungen und beobachtet die Lichtstärke in verschiedenen Wassertiefen. In 180 Metern gibt es noch genügend Licht um Zeitung zu lesen, so Kazimir. In 600 Metern Tiefe aber ist alles schwarz.

Moderne Aufnahme eines Deep Scattering Layer © NOAA

Suche nach dem Deep Scattering Layer

Eine der Aufgaben der PX-15 hier ist es, das Deep Scattering Layer, ausfindig zu machen und zu untersuchen. Diese horizontale Schicht reflektiert Sonarwellen so stark, dass sie in Messungen leicht für den Meeresboden gehalten wird. Doch sie ist kein massives Sediment, sondern besteht aus großen Ansammlungen von Fischen und Kleinlebewesen, die in dieser Höhe optimale Bedingungen finden.

Wo genau sich diese Schicht befindet und welche Bedingungen hier herrschen, ist für die Meeresforscher von großem Interesse – entsprechend intensiv suchen die Männer der Franklin nach ihr. Aber ohne großen Erfolg. Trotz wiederholter Sonartests können sie das Deep Scattering Layer nicht finden – bis zum Ende ihrer Mission nicht. Zwar begegnen ihnen immer wieder einmal Fischschwärme und auch Planktonwolken durchfahren sie viele, aber das Layer selbst bleibt aus.

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Nadja Podbregar
Stand: 24.07.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Die vergessene Mission
PX-15: Eine Untersee-Expedition im Schatten der Mondlandung

"Mehr als nur eine Frage der Neugierde"
Kennedy und die Visionen für die Ozeanerkundung

Der U-Boot-Pionier und der Raketenmann
Was hat Meeresforschung mit dem Weltraum zu tun?

Mit dem „Mesoscaphe“ in die Meerestiefe
Das Schiff und die ersten Tauchgänge

Zwei Starts, zwei Welten
14. bis 16. Juli 1969

Fast am Boden
Wracks, Kartierung und ein Beinahe-Zusammenstoß

Weitab vom Kurs
Kampf mit der Strömung

Endspurt
Sturm oben, ungemütlich unten

Was ist geblieben?
Ein Epilog

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