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Was passiert beim Fasten?

Mangel verändert Gene und Stoffwechsel nachhaltig

Ein Labor an der University of Florida in Gainesville: 24 Probanden hören konzentriert zu, was ihnen die Wissenschaftler um Christiaan Leeuwenbergh zu sagen haben. Denn in den kommenden drei Wochen werden sie als Teil einer Studie nach einem ganz speziellen, strengen Regime essen.

Lässt sich ein Effekt des Intervall-Fastens an Stoffwechsel-Parametern im Blut nachweisen? © Frater

Nach einem Tag normalen, sogar übermäßigen Essens dürfen sie am Folgetag nur rund 25 Prozent ihres normalen Kalorienbedarfs zu sich nehmen – in etwa 600 Kilokalorien. Heißt es an den Völlereitagen fünf Mahlzeiten und beliebig viele Naschereien, gibt es am Fastentag nur eine Mahlzeit mit ein bisschen Roastbeef, Gemüse und anderer kohlenhydrat- und kalorienarmer Kost. Das klingt hart, ist aber in der Praxis offenbar leichter als es sich anhört: „Die meisten der Teilnehmer fanden das Fasten sogar einfacher als die Völlereitage, was mich schon ein wenig überraschte“, berichtet Leeuwenbergh.

Langlebigkeits-Gen angeschaltet

Die große Frage aber war: Was tut sich durch dieses Intervall-Fasten im Körper der Probanden? Offenbar einiges, wie sich zeigte. Nach Ende der drei Wochen hatten die Versuchspersonen messbar niedrigere Blutzucker- und Blutfettwerte als noch vor Beginn des Intervall-Fastens und Entzündungsmarker im Blut hatten abgenommen. Dieser Effekt hielt sogar noch zehn Wochen nach Ende des Intervall-Fastens an.

Und noch etwas hatte sich durch das Fasten verändert: Das Gen SIRT 3 bei den Probanden deutlich aktiver geworden. „Dieses Gen ist dafür bekannt, dass es die Langlebigkeit fördert und an zellschützenden Reaktionen beteiligt ist“, erklären die Forscher. Kurbelt man dieses Gen bei Mäusen künstlich an, leben sie länger und bleiben gesünder. Genau das scheint auch beim Menschen zu passieren, wenn er fastet.

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Schon 24 Stunden reichen

Jeden zweiten Tag zu fasten ist jedoch nicht gerade alltagstauglich. Aber vielleicht reicht ja auch schon weniger, um die gewünschten positiven Effekte zu erreichen? Genau dies haben vor kurzem Forscher des Intermountain Medical Center der University of Utah überprüft. Sie ließen dafür gut 200 Probanden mit einer Vorstufe des Diabetes einmal 24 Stunden lang fasten und untersuchten dann, was sich verändert hatte.

Das Ergebnis: Schon einen Tag nichts essen reicht offenbar aus, um im Körper einige entscheidende Schalter umzulegen. „Das Fasten verursacht Hunger und das bedeutet für den Körper und die Zellen Stress“, erklärt Studienleiter Benjamin Horne. Um diesem Zellstress entgegen zu wirken, kurbelt der Körper Schutzprogramme an, die zellschädigende freie Radikale unschädlich machen und Botenstoffe freisetzen, die Entzündungen entgegenwirken.

Fett statt Zucker

Andererseits aber versucht der Körper, den plötzlichen Energiemangel auszugleichen. Normalerweise sorgt der regelmäßige Essennachschub dafür, dass Muskeln, Gehirn und Organe vor allem über die im Darm aus der Nahrung freigesetzte Glukose versorgt werden. Aber davon gibt es beim Fasten nicht genug. Deshalb schüttet der Körper nach zehn bis zwölf Stunden Fasten Botenstoffe aus, die dafür sorgen, dass stattdessen die Fettreserven angegriffen werden.

„Während der Fastentage stieg dadurch der Cholesterinwert der Probanden leicht an“, erklärt Horne. Das zeigt, dass Fett aus dem Fettgewebe mobilisiert und umgesetzt wird. Gleichzeitig jedoch schüttet der Körper das Wachstumshormon HGH aus, das Muskeln vor einem Abbau schützt und dazu beiträgt, den Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Während des 24-Stunden-Fastens erhöhte sich der HGH-Pegel bei Frauen um 1.300 Prozent, bei den Männern sogar um 2.000 Prozent, wie die Forscher feststellten.

Aber was bedeutet dies längerfristig für die Gesundheit?

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Nadja Podbregar
Stand: 11.03.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Fasten als Heilmittel?
Eine alte Tradition im Licht der modernen Medizin

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Die Renaissance des Fastens

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