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Was macht eine Substanz zum Allergen?

Von Proteinen, Pollen und Wasserlöslichkeit

Pollen, Hausstaubmilben, Katzenhaare – für die Mehrheit der Menschen völlig harmlose und ungiftige Substanzen. Warum sind gerade sie es, die bei Allergikern Niesanfälle, Atemnot und juckende Quaddeln auslösen? Was macht sie zum Allergen? Trotz aller Fortschritte in der modernen Allergologie ist dies eine der Fragen, auf die die Allergologen auch heute noch keine befriedigende Antwort gefunden haben.

Pollenkorn © Woody White/Podbregar

Bekannt ist immerhin, daß nicht das Pollenkorn oder die Hausstaubmilbe als solches die allergische Reaktion auslöst, sondern daß vielmehr bestimmte Bestandteile davon als Allergene wirken. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Proteine. Diese großen, aus Aminosäuren aufgebauten Moleküle sind fast alle wasserlöslich und können so über feuchte Oberflächen wie die Schleimhäute in den Körper gelangen.

Es scheint, daß die größeren Proteine offenbar erheblich stärker allergieauslösend wirken, als die kleineren. Warum dies allerdings der Fall ist und ob vielleicht eine ganz bestimmte Aminosäure oder Aminosäuregruppe vorhanden sein muß, damit ein Protein seine allergene Wirkung entfaltet, ist allerdings noch unklar.

Auch Nicht-Proteine können Allergien auslösen, sie müssen sich dazu allerdings an bereits im Körper vorhandene Proteine anheften oder binden.

Bei einem Pollenkorn machen die allergenen Proteine nur einen winzigen Bruchteil des Gesamtgewichts aus. Ein Großteil der chemischen Stoffe aus denen ein Pollenkorn aufgebaut ist, sind nicht wasserlöslich und daher nicht fähig, in den Körper einzudringen. 15 bis 20 Prozent der Proteine eines Pollenkorns oder Schimmelpilzes können zwar allergische Reaktionen hervorrufen, von ihnen sind aber nur wenige direkt für die Ausbildung der Symptome verantwortlich.

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Diese sogenannten Hauptallergene machen bei einem Pollenkorn beispielsweise weniger als ein Prozent der Gesamtmasse aus. Die restlichen potentiellen Allergene werden als Nebenallergene bezeichnet. Sie spielen nur bei wenigen Patienten eine Rolle, könnten aber für das Phänomen der „Kreuzreaktionen“ verantwortlich sein.

Die meisten bekannten Allergene sind Bestandteil der Natur: Tierhaare, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Blütenpollen sind definitiv keine neue „Errungenschaft“ des Industriezeitalters, mit ihnen ist der Mensch seit Beginn seiner Existenz konfrontiert. Im Gegensatz dazu sind Allergien gegen Kosmetika, Waschmittel oder Latex eindeutig „hausgemacht“.

Durch die starke Verbreitung dieser chemischen Substanzen ist auch die Wahrscheinlichkeit, gegen sie eine Allergie zu entwickeln, entsprechend gewachsen. Damit ist allerdings noch nicht die allgemeine Zunahme der Allergien erklärt, da, wie Untersuchungen unter anderem in der Schweiz gezeigt haben, auch der Anteil der Allergiker, die auf natürliche Allergene reagieren, deutlich angestiegen ist.

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Stand: 26.03.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Allergien
Wenn die Abwehr Amok läuft...

Allergien auf dem Vormarsch?
Kampf gegen den vermeintlichen Feind

Schnupfen oder Allergie?
Einige typische Allergie- Symptome

Wenn eine Allergie gar keine ist...
Von Pseudo-Allergien und anderen Überreaktionen

Allergie ist nicht gleich Allergie...
Die vier Allergietypen nach Coombs und Gell

Wer bekommt eine Allergie?
Das Rätsel um die Ursachen der Allergien

Gene oder Umwelt
...oder beides?

Was macht eine Substanz zum Allergen?
Von Proteinen, Pollen und Wasserlöslichkeit

Ein Allergieanfall aus immunologischer Sicht
Von Parasiten, Antikörpern und explodierenden Zellen

Die Zellen der Immunabwehr
Von Killern, Freßzellen und dem Schlüssel-Schloß-Prinzip

Die Wächtermoleküle
Antikörper und die humorale Immunabwehr

Detektive mit Nadel und Pflaster...
Die schwierige Suche nach den Allergie-Auslösern

Kleine Galerie der „Bösewichter"
Die wichtigsten Allergie-Auslöser in Kurzform

Flüchten oder Standhalten?
Tips zum Vermeiden hoher Allergenbelastungen

Therapie durch Hyposensibilisierung
Gewöhnung an den vermeintlichen Feind

Kampf den Symptomen...
Hilfe durch Medikamente

Was leisten "sanfte" Heilmethoden?
Placeboeffekt oder echte Alternative?

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