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Der erste Ölrausch

Was hilft gegen Kamelräude?

„Land der Flammen“ – bereits in der Antike schwärmten Reisende vom Ölreichtum Transkaukasiens und speziell der Apsheron-Halbinsel, auf der heute die Ölmetropole Baku zu finden ist. Ende des 13. Jahrhunderts berichtete dann auch der berühmte Marco Polo über eine gut brennende Substanz, die an den Gestaden des Kaspischen Meeres aus zahllosen natürlichen Quellen sickerte und auch als Wundermittel gegen Kamelräude und andere Tiererkrankungen galt. Die Menschen schöpften es damals mit Gefäßen aus dem Wasser und transportierten es in Fässern an ihren Bestimmungsort. Die Kaspi-Region gehört damit neben Pennsylvanien und Rumänien zu den ältesten Erdölregionen der Welt.

1594 gab es in Aserbaidschan bereits erste Erdölbrunnen. Mehr als 250 Jahre später, 1848, erfolgte schließlich mit verbesserter Technik auch die erste mehr oder minder gezielte Erdölbohrung. Um 1900 sprudelte das schwarze Gold dann bereits aus zahlreichen künstlichen Quellen. Zehn Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr wurden damals aus den Tiefen der Erde ans Sonnenlicht gebracht. Noch ohne echte Gegenspieler im Nahen Osten, galt diese Region damals als „Global Player“ im Handel mit dem fossilen Brennstoff. Fast 50 Prozent der Weltförderung an Erdöl kamen damals aus Baku und Umgebung. 150 internationale Firmen und Gesellschaften waren an der Ausbeutung der Vorkommen beteiligt. Standard Oil, die Rothschild- und Rockefeller-Dynastien – alle versuchten sich schon damals ein gewaltiges Stück vom reichen „Rohstoff-Kuchen“ in der Region abzuschneiden.

Entscheidend vorangetrieben hat die Ausbeutung des schwarzen Goldes am Kaspischen Meer der schwedische Händler Robert Nobel, der 1873 auf der Suche nach qualitativ hochwertigem Walnußholz den Kaukasus bereiste. Schnell erkannte er die Bedeutung dieses neuen Rohstoffs und investierte sein ganzes Geld – immerhin mehr als 25.000 Rubel – in die Erdölförderung und den Transport nach Europa. Aber nicht nur der Nobel-Clan profitierte von der prächtig sprudelnden Rohstoffquelle: Aus dem verstaubten Provinznest Baku wurde innerhalb weniger Jahre eine reiche, blühende Metropole. Vom einfachen Bauer zum Millionär – diese Abwandlung des typisch amerikanischen Traums wurde am Kaukasus für viele in kürzester Zeit zur Realität.

1907 gab es wieder eine Premiere zu feiern: Die Pipeline Baku – Batumi war fertig. Endlich konnten am Schwarzen Meer Tanker mit dem schwarzen Gold beladen werden, die das Erdöl über die Route Bosporus – Mittelmeer – Nordatlantik bis nach England und Deutschland brachten. Sie ersetzten den alten, mühsamen Transportweg über Flüsse wie die Wolga nach Russland und dann weiter ins Herz Europas.

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Stand: 07.11.2001

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Kaspisches Meer
El Dorado für Rohstoffe oder Krisenregion?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Halb See, halb Ozean
Das Kaspische Meer

Der Kara-Bogaz-Gol
...das vielleicht salzigste Gewässer der Erde

Was hilft gegen Kamelräude?
Der erste Ölrausch

Traum vom Schlaraffenland
Der zweite Ölrausch

Rohstoffe im Überfluss
Vom Reichtum einer armen Region

Streit um das Erbe der Sowjetunion
Das Kaspische Meer und seine Anrainer

Krisenregion Kaspisches Meer?
Zwischen den Mühlsteinen der Politik

Peanuts oder El Dorado?
Rohstoffvorkommen in der Kaspi-Region

Pipelines, Pipelines, Pipelines
Wie kommt das Öl ans Meer?

Wimmelndes Leben inmitten der Wüste
Naturparadies Kaspisches Meer?

Schwimmende Delikatesse
Das Kaspische Meer und die Störe

Schwarze Pest
Umweltprobleme am größten Binnensee der Welt

Nicht nur das Meer hat's schwer...
Das giftige Erbe der Industrialisierung

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