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Warum Pflanzenzüchtung?

Woher Mendel die Motivation für seine Experimente nahm

Wie kommt ein Mönch darauf, Züchtungsexperimente mit Erbsen durchzuführen? Auf den ersten Blick erscheint dies wenig naheliegend. Allerdings war Mendel kein gewöhnlicher Mönch und sein Kloster kein rein spiritueller Ort. Seine wissenschaftliche Ausbildung und die stark gärtnerisch-landwirtschaftliche Ausrichtung seines Klosters boten die besten Voraussetzungen für die Experimente.

Pollenschläuche
Zu Mendels Zeit war strittig, wie die Befruchtung der Pflanzen abläuft und welchen Anteil Pollenschlauch (hier von Lilien) und Embryosack an der nächsten Generation hatten. © eutr0nics/ CC-by-sa 3.0

Pflanzenzucht ohne Basis

Dazu kam eine weitere Motivation: Zur damaligen Zeit war die Pflanzenzüchtung von wenig Wissen und vielen Rückschlägen geprägt. Züchter versuchten, durch Kreuzungen neue Sorten zu erzeugen, konnten aber nicht erklären, warum die resultierenden Hybriden immer wieder ihre neuen Merkmale verloren. „Die meisten Tier- und Pflanzenzüchter arbeiteten auf Basis verschiedener Faustregeln, die sie in ihrem lokalen Umfeld entwickelt oder von anderen übernommen hatten“, erklärt Garland Allen von der Washington University in St. Louis. „Es war größtenteils eine Art Handwerk, ohne übergeordnete Regeln, die allgemein angewendet wurden.“

Weil man Mitte des 19. Jahrhunderts weder Gene, Chromosomen noch die Grundlagen der Vererbung kannte, blieben die scheinbar erratischen Zuchtergebnisse ein Rätsel. „Es war für Biologen – vor allem im deutschsprachigen Raum – zwar durchaus gängig, sich die Agenten der Vererbung als spezielle Partikel oder Moleküle vorzustellen“, so Allen. „Das Problem mit den meisten dieser Theorien war aber, dass sie hochgradig spekulativ waren und kaum auf Beobachtungen und wenigen bis keinen Experimenten beruhten.“

Streit um die Befruchtung

Heftig umstritten war zudem die Frage, wie bei den höheren Pflanzen die Befruchtung stattfand. Während einige Naturforscher auch bei den Pflanzen von einer Verschmelzung mütterlicher und väterlicher Zellen ausgingen, vertraten Anhänger des einflussreichen Botanikers Jacob Schleiden eine andere Ansicht. Nach dieser bildete der Embryosack der weiblichen Pflanze nur eine Hülle für den männlichen Pollenschlauch, ohne selbst viel zur neuen Pflanzengeneration beizutragen.

Diese Kontroverse könnte auch Mendel direkt betroffen haben. Denn es gibt einige historische Hinweise darauf, dass er seine Lehramtsprüfung in Wien deshalb nicht bestand, weil sein Botanikprüfer ein Anhänger Schleidens war – und Mendel dessen Ansicht in der Prüfung widersprach. Der deutsche Genetiker Rudolf Hagemann hält es daher für durchaus denkbar, dass dieser Konflikt Mendel eine zusätzliche Motivation für seine Züchtungsversuche lieferte.

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„Es erscheint durchaus verständlich, dass Mendel relativ kurz nach der negativ verlaufenen Prüfung in Wien mit entsprechenden Versuchen begann, um das zu beweisen, worauf er in der Prüfung in Wien gegen die Ansichten seines Prüfers beharrte – nämlich, dass Vater und Mutter-Pflanze in gleicher Weise die Eigenschaften der Nachkommen bestimmen“, schreibt Hagemann. Der Klostergarten und die dort ohnehin schon in mehreren Sorten gezüchteten Erbsen lieferten Mendel dafür die besten Voraussetzungen…

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Gregor Mendel und sein Erbe
Wie ein Mönch zum Vater der Genetik wurde

Ungewöhnliche Karriere
Wie Mendel zur Wissenschaft kam

Warum Pflanzenzüchtung?
Woher Mendel die Motivation für seine Experimente nahm

Erbsenzählen im Klostergarten
Was Mendels Züchtungsexperimente so besonders machte

Die drei Regeln
Mendels Erkenntnisse und ihre Bedeutung

Mendel und Darwin
Wie stand der Mönch zur Evolution?

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