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Von Städten, Palästen und Müllproblemen

Mesopotamien vor 5.000 Jahren

Schon lange bevor die Sumerer um 3.300 vor Christus aus Asien kommend Mesopotamien erreichten, gab es im Land zwischen Euphrat und Tigris eine ansehnliche Zivilisation. Die Bewohner lebten in dörflichen Gemeinschaften zusammen und kannten bereits Lehmziegel und Stufenterrassen, die gegen die verheerenden sintflutartigen Überschwemmungen durch die Fluten der Zwillingsströme schützen sollten.

Mit dem Eintreffen der Sumerer änderte sich dann das Leben in der Region abrupt. Innerhalb kürzester Zeit bauten die neuen Herrscher mit straffer Organisation die erste bekannte Hochkultur der Welt auf. Auf der Basis einer gut funktionierenden Landwirtschaft, die auch bereits mit den Methoden der künstlichen Bewässerung bestens vertraut war, entstanden schnell prosperierende Stadtstaaten wir Ur, Lagasch oder Uruk in denen die Mehrzahl der Menschen lebte. Tall Chuera im heutigen Nordsyrien hatte im dritten Jahrtausend v. Chr. beispielsweise bereits mehr als 50.000 Einwohner.

Wohlstand ohne Ende?

Überall boomte die Wirtschaft, und nicht nur die herrschende Klasse, sondern auch große Teile der Bevölkerung lebten in erstaunlichem Wohlstand. Prächtige Paläste und Tempelanlagen mit farbigen Mosaiken schossen wie Pilze aus dem Boden. Kunst, Kultur und Wissenschaft erlebten eine erste Blütezeit. Die Töpferscheibe fand hier zum ersten Mal auf der Welt Verwendung, hier entstanden um 3.000 vor Christus aber auch die ersten echten Schriften – zunächst bildhaft, dann in Keilform. Später kamen das Rad, die Verwendung von Bronze und auch die Nutzung von Glasartikeln hinzu.

So prachtvoll das Leben in den mesopotamischen Stadtstaaten zur damaligen Zeit auch war, selbst in der Wiege der Kulturen hatten die Menschen bereits vor Jahrtausenden Schwierigkeiten, ihr Müllproblem in den Griff zu bekommen. Zwar gab es noch keine Getränkedosen und Plastikverpackungen, die entsorgt werden mussten, dafür erstickten Städte wie Tall Chuera aber beinahe in Asche. Dies belegen zumindest Ausgrabungen von Prof. Peter Pfälzner vom Altorientalischen Seminar der Universität Tübingen im heutigen Nordsyrien. In den Überresten der großen, 5.000 Jahre alten Stadtgründung fand er eine zwölf Meter hohe Müllschicht, die aus Herdstellen, Koch- oder Backöfen stammte. Warum die Menschen damals den Abfall direkt vors Haus kippten statt ihn außerhalb der Stadt zu entsorgen, bleibt allerdings noch immer ein Rätsel.

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Stand: 13.01.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Irak
Von der Wiege der Kulturen zum internationalen Krisengebiet

Vom Paradies zum Land ohne Hoffnung?
5.000 Jahre Mesopotamien

Von Städten, Palästen und Müllproblemen
Mesopotamien vor 5.000 Jahren

Babylon als Nabel der Welt
Aufstieg und Niedergang Mesopotamiens

Nebukadnezars Nachfolger
Der Irak unter Saddam Hussein

Ein Land vor dem Kollaps...
Von UNO-Sanktionen und hausgemachten Problemen

Saddam-Land
Der Irak im Überblick

Hunger, Krebs und Missbildungen
Die humanitäre Katastrophe

Wie gefährlich ist Uran-Munition?
Die Suche nach den Gründen für Krebs und Golfkrieg-Syndrom

Vom Garten Eden zur Wüste
Die größte Umweltkatastrophen aller Zeiten?

Worst case oder Eden again?
Gibt es noch eine Rettung für die mesopotamischen Feuchtgebiete?

El Dorado für fossile Brennstoffe
Erdöl im Irak

Aufmarsch am Golf
Die Ölmultis rüsten auf

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