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Die Größenkonstanz

Von Scheinriesen und Zwergen

Kennen Sie Herrn Tur Tur aus „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“? Die Krux des Herrn Tur Tur ist, dass er aus der Ferne enorm groß wirkt und einjeder, der ihn sieht, aus Angst das Weite sucht. Nähert man sich ihm, wird er jedoch nicht größer, nein, im Gegenteil: Er schrumpft auf Menschengröße. Tur Tur ist ein Scheinriese, eine optische Täuschung. Wer kann schon ahnen, dass er das Phänomen der Größenkonstanz – für unsere Wahrnehmung von zentraler Bedeutung – quasi auf den Kopf stellt?

Die Größenkonstanz macht es uns möglich, trotz unterschiedlicher Entfernung zu einem betrachteten Objekt seine Größe richtig einzuschätzen. Einen Menschen am anderen Ufer eines Flusses, der ein viel kleineres Abbild auf der Netzhaut unseres Auges hinterlässt als Menschen in unserer Nähe, halten wir nicht wirklich für einen Zwerg. Unser Wahrnehmungsapparat kalkuliert die Entfernung zum anderen Ufer ein und korrigiert ihn auf seine wirklichen Ausmaße.

Zugschienen
Ponzo-Täuschung: Wie groß sind die Querbalken der Schienen? © Ori

Welcher ist nun kleiner?

Die Ponzo-Täuschung ist durch eine dreidimensionale Deutung zu erklären. Zusammenlaufende Linien vermitteln dem Betrachter den Eindruck räumlicher Tiefe. Beachtet man das Phänomen der Größenkonstanz müsste das obere, durch den räumlichen Eindruck entfernter liegende Element wesentlich kleiner sein als das untere, um als „gleich groß“ wahrgenommen zu werden. Er wirkt jedoch größer, da die Netzhautbilder gleich groß sind.

Bei der Poggendorff’schen Täuschung entsteht der Eindruck, dass die Bruchstücke einer schrägen Linie, die von einem Balken durchschnitten wird, gegeneinander versetzt sind. Ein Erklärungsansatz für diese Täuschung ist auch hier die räumliche Wahrnehmung des Bildes. Die schrägen Teilstücke werden als Elemente vertikaler Raumebenen wahrgenommen, die mit den Parallelen rechte Winkel bilden. Durch die perspektivische Darstellung sind die rechten Winkel in der Figur verzerrt, was dazu führt, dass die Teilstücke verschiedenen Raumebenen zuordnet werden. Man nimmt somit einen nicht vorhandener Höhenunterschied wahr.

Natürlich hängt das Phänomen der Größenkonstanz auch mit unserer Erfahrung im Abschätzen von Entfernungen zusammen. Das diese uns auch mal ein Schnippchen schlagen kann, demonstriert die Mondtäuschung sehr eindrucksvoll.

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Autorin: Daniela Baum

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Illusion und Wirklichkeit
Die visuelle Wahrnehmung des Menschen auf Irrwegen

Sehen und wahrnehmen
Wie die visuelle Wahrnehmung funktioniert

X für ein U? - das Gehirn wird ausgetrickst
Geometrisch-optische Täuschungen

Von Scheinriesen und Zwergen
Die Größenkonstanz

Von gedachten Figuren und weißerem Weiß
Formen und Helligkeit

Ich sehe was, was du nicht siehst
Ambivalente Bilder

Die Sinneszellen sind übersättigt
Nachbilder

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Träumen - Wenn das Gehirn eigene Wege geht...

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