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Von Schamanen und Heiligen Männern

Kontakte zur Geisterwelt

Indianer Anfang des 20. Jahrhunderts © Library of Congress

Religiöse und spirituelle Praktiken spielten für die meisten Indianerkulturen eine wichtige Rolle. Als Schamanen wurden – und werden heute noch – in diesem Zusammenhang meist Menschen mit starkem geistigen Willen und emotionaler Kraft bezeichnet, die die außergewöhnliche Fertigkeit besitzen sollen, zwischen den Welten hin und her zu „springen“. Diese Fähigkeit zum Kontakt mit der Geisterwelt besitzt dem indianischen Glauben nach nicht jeder, sondern nur diese speziell auserwählten „Mittler“. Bei der dazugehörigen Religion – dem Schamanismus – nehmen die spirituellen Führer durch ekstatische Techniken angeblich Kontakt zu Gottheiten und Dämonen auf. Sie versuchen sie zu besänftigen oder zu bezwingen, damit Krankheit und Gefahr abgewendet werden oder aber ihren Feinden geschadet wird.

„Heilige Männer“

Der Begriff „Schamane“ wird allerdings von vielen Indianern abgelehnt, da er aus einer fremden Kultur stammt und der vielfältigen Begabungen der spirituellen Führer nicht gerecht wird. Der von Weißen verwendete Ausdruck „Medizinmann“ wird häufig abwertend missbraucht, auch wenn er eigentlich sehr passend ist, da die Visionskraft eines solchen „Heiligen“ oft zur Diagnose und Heilung von Krankheiten genutzt wird. Am ehesten passt, auch aus Sicht der Indianer, der Begriff des Heiligen oder Heiligen Mannes. Wobei jedoch auch da noch unterschieden wird zwischen denen, die ständigen Kontakt zur Geisterwelt haben und sogar versuchen den Geistern ihren Willen aufzuzwingen, und denjenigen, die nur sehr vereinzelt in Verbindung mit Wesen aus anderen Welten stehen.

Moderne Schamanin © Rico Leffanta

Diese Art der „Heiligen“ sind dem Glauben nach Menschen, die ohne ausdrückliche Suche durch eine einzige, aber sehr mächtige Vision „Einblicke in die Zukunft“ nehmen dürfen. Die berühmten Kriegshäuptlinge und politischen Führer Sitting Bull, Crazy Horse und Geronimo gehörten der Überlieferung nach zu dieser Kategorie. Ihre vereinzelten Kontakte zu Geistern sollen sie allerdings vor allem im Krieg genutzt haben…

Auserwählt muss man sein…

Aber wie wird man zu einem „Heiligen Mann“? Sicher ist, dass nur „Auserwählte“ es werden können. Die Riten und Bräuche, mit denen mqn versucht, diese zu identifizieren, sind von Stamm zu Stamm verschieden. Sie können körperliche Prüfungen unfassen oder nutzen Träume und andere Zeichen, die signalisieren, wer auserwählt ist, und wer die schwere und lang andauernde Ausbildung auf sich nehmen darf beziehungsweise muss. Die Befähigung zum „Heiligen Mann“ kann, so der Glaube, aber auch vererbt werden.

Bei den Washo der Great Plains ist die „heilige Kraft“ allerdings höchst unerwünscht. Sie zeigt sich den Auserwählten in unerwarteten Traumfolgen, in denen ein Tier oder Geist auftaucht. Diese Visionen sollen zwar Macht verleihen, werden aber dennoch gefürchtet. Je genauer die Vision beschrieben wird, um so gefährlicher erscheint sie den Indianern traditionellen Glaubens.

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Schamane in der Ausbildung © Library of Congress

Theoretisch kann der Auserwählte das „Angebot“ ablehnen, doch dann muss er damit rechnen, dass der Geist „Wegaleyo“ ihm Leid zufügt. Gibt er aber nach, so lehrt das Wesen ihm die Kunst des Träumens und macht ihn mit heiligen Objekten, Orten und Riten vertraut. Bei der Ausbildung zum Heiligen Mann stehen vor allem Traumdeutung, Naturheilkunde sowie Tänze und Gesänge auf dem Stundenplan. Er muss auch lernen, weise Ratschläge an seinen Stamm weiterzugeben. Eine alte indianische Weisheit sagt über den weiten Weg zum ausgebildeten Schamanen: „Wenn du jeden Schmerz gespürt und alle Tränen geweint hast, wenn sie Tropfen für Tropfen auf dein Herz gefallen sind, dann kommt die Weisheit.“

Früher besaßen die „Heiligen“ sogar vielfach mehr Einfluss als die jeweiligen Oberhäuptlinge der Stämme. Die harte Ausbildung und häufig auch durchlebte Erfahrungen wie Nah-Tod-Erlebnisse oder eine schwere Krankheit sichern den Schamanen jedoch auch heute noch vielfach den Respekt ihrer Stammesgenossen. Trotzdem die traditionelle Lebensweise und die althergebrachten Riten bei vielen Indianern der jüngeren Generationen eher in Vergessenheit geraten sind, wird die Erfahrung der Schamanen häufig durchaus geschätzt.

Auch wenn dabei weniger ihre Gabe mit Natur- und Geisteskräften „in Verbindung zu treten“ im Vordergrund stehen, sondern eher seelisch-geistige Beratung und Betreuung und der große Erfahrungsschatz in der Naturmedizin. Der Glaube, dass Schamanen die Mächte der Natur – von Gewitter, Mondfinsternis bis hin zu Erdbeben – beeinflussen und Regen herbeirufen können, gehört dagegen eher der Vergangenheit an.

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Stand: 08.11.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Indianer
Riten, Mythen und Rätsel einer geheimnisvollen Kultur

Achtung und Verehrung der Umwelt
Die Kraft des allgegenwärtigen Geistes

Sie kamen aus dem Nichts und verschwanden im Nichts
Die Anasazi-Indianer

Ruinen in Four Corners
Die verlassenen Städte

Ort spiritueller Zeremonien
Die Kiva

Geheimnisvolle Bodenbilder in der Pampa
Die Nazca-Linien

Theorien und Erklärungsversuche
Maria Reiche - die "Mutter" der Scharrbilder

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Heilpflanzen aus Manitus Apotheke und verkanntes Wissen
Vielseitig begabt...

Krankenheilung
Langwierige und visionsreiche Zeremonien

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