Von Hexapod bis VYSOS - scinexx | Das Wissensmagazin
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Ein “Who is who” der Atacama-Tesakope

Von Hexapod bis VYSOS

Mit dem Infrarot-Teleskop IRIS wird das Observatorium der Ruhr-Universität in der chilenischen Atacamawüste bald über fünf Teleskope verfügen. Vier davon kommen direkt aus Bochum, ein weiteres für die Suche nach extra-solaren Planeten aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin-Adlershof.

Hexapod-Teleskop (HPT) © RUB

Hexapod-Teleskop (HPT)

Das HPT ist ein völlig neuartiges Teleskop auf sechs Beinen mit einem aktiv gesteuerten Hauptspiegel von

1,5 Metern Durchmesser. Abhängig von der Stellung des Teleskops wird der Hauptspiegel mittels 36 Unterstützungspunkten rechnergesteuert in der optimalen optischen Form gehalten. Dadurch liefert das Teleskops extrem scharfe Bilder. Das HPT hat außerdem einen hochauflösenden Spektrographen. Das Licht eines Sterns gelangt über eine Glasfaserleitung in einen temperaturstabilisierten Raum (16 ± 0.1 °C). Dort wird der gesamte optische Bereich von 3300 bis 8600 Å spektrographisch in winzige, 0,1 Å kleine Teilbereiche zerlegt, um so die physikalischen Eigenschaften von Sternen und interstellarem Gas sowie ihre Bewegung zu untersuchen.

Anhand der geschwindigkeitsabhängigen Verschiebung der Spektrallinien (Doppler-Effekt) lassen sich beispielsweise die Rotation von Sternen oder auch ihre Schlingerbewegung messen, die durch einen stellaren Begleiter (Doppelstern) oder sogar durch einen Planeten hervorgerufen werden. Ebenso zeigen die von ionisiertem Gas ausgesandten Spektrallinien, ob das Gas vom Stern aufgenommen oder ausgeschleudert wird.

1,5 Metern Durchmesser. © RUB

VYSOS 16 – Teleskop

Das Akronym VYSOS 16 spiegelt zwei Dinge wider: VYSOS leitet sich aus Variable Young Stellar Object Survey

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ab, 16 bedeutet, dass der Hauptspiegel des Teleskops einen Durchmesser von 16 Zoll, also etwa 40 cm hat. Im VYSOS-Projekt untersuchen die Bochumer Forscher gemeinsam mit Kollegen vom Institute for Astronomy (IfA) der Universität von Hawaii erstmals systematisch die Variabilität junger Sterne. Dazu überwachen mehrere Teleskope am Nord- und Südhimmel (Hawaii und Chile) alle bekannten Sternentstehungsgebiete und suchen nach variablen jungen Objekten. Die interessantesten Phänomene werden dann möglichst zeitnah mit dem HPT spektroskopisch nachuntersucht. VYSOS 16 verfügt in etwa über ein Gesichtsfeld von der Größe des Vollmondes.

VYSOS 6 – Teleskop

VYSOS 6 ist mit einem Objektivdurchmesser von sechs Zoll der kleine Bruder von VYSOS 16. Das Linsenfernrohr

kann aber mit seinem Gesichtsfeld und seiner großen CCD-Kamera eine Fläche von 25 Vollmonden in einer Aufnahme abdecken. Damit ist es möglich, die gesamte während einer Nacht sichtbare Milchstraße zu fotografieren und praktisch alle variablen Phänomene – insbesondere junge Sterne – zu registrieren. VYSOS 6 arbeitet bereits seit Monaten robotisch, das heißt automatisch vorgefertigte Beobachtungssequenzen ab.

VYSOS 16 verfügt in etwa über ein Gesichtsfeld von der Größe des Vollmondes © RUB

IRIS – Teleskop

IRIS ist ein spezielles Teleskop mit einem 80 cm Spiegel für Infrarot-Aufnahmen, d.h. im Wellenlängenbereich

von 1,2 bis 2,2 μm (InfraRed Imaging Survey). Die dafür notwendige Spezialkamera wurde am Institut für Astronomie der Universität Hawaii, gebaut. Gemeinsam mit den dortigen Kollegen sollen damit extrem junge Sterne untersucht werden. Da sie noch tief in Staubwolken eingebettet sind, können sie nicht bei optischen Wellenlängen (0,3 bis 0,9 μm) beobachtet werden. Außerdem lassen sich im Infraroten besonders gut zirkumstellare Scheiben – Entstehungsorte von Planeten – nachweisen. Teleskop und Kamera werden in den nächsten Wochen von Deutschland und Hawaii auf den Weg nach Chile gebracht, um unsere Milchstraße mit bisher unerreichter Empfindlichkeit nach solchen Systemen aus jungen Sternen mit zirkumstellaren Scheiben abzusuchen.

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Rolf Chini/RUBIN/Ruhr-Universität Bochum
Stand: 17.07.2009

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Sternenromantik via Internet
Astronomie mit dem automatischen Observatorium

Vom Fernrohr zum Observatorium
Moderne Astronomie im Wandel

Himmelsbeobachtung automatisiert
Roboterteleskope erleichtern Langzeitbeobachtungen

Von Hexapod bis VYSOS
Ein “Who is who” der Atacama-Tesakope

Das erste „Öko-Teleskop“ der Welt
Erneuerbare Energien aus Sonne und Wind

Rätsel um Doppelsterne und unsichtbare Begleiter
Was möchten die Bochumer Astronomen herausfinden?

Junge Sterne im Visier
Erklärungen für Helligkeitsschwankungen gesucht

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