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Auswirkungen auf das Flusssystem und seine Bewohner

Von Erosion und Artensterben

Aber nicht nur die Erosion macht dem Flusssystem zu schaffen, auch die ausbleibenden regelmäßigen Überflutungen des Schwemmlandes nach einem Dammbau haben gravierende Auswirkungen auf das gesamte Einzugsgebiet und seine Bewohner.

Die prekäre Situation in Ägypten nach dem Bau des Assuan-Staudamms ist nur ein Beispiel von vielen: Durch die ausbleibenden fruchtbaren Sedimentablagerungen auf den Feldern – mehr als zehn Millionen Tonnen hat der Nil dort früher jährlich abgeladen – ist die Bodenfruchtbarkeit erheblich gesunken und damit auch die Produktivität der Landwirtschaft. Eine Katastrophe für die ohnehin hungerleidende Landbevölkerung. Mittels großangelegter Bewässerungsprojekte sollen jetzt unfruchtbare Wüstengebiete wieder in Ackerland umgewandelt werden, um die Ernährungssituation der Bevölkerung langfristig zu verbessern.

Ein anderes Problemfeld sind die Deltabereiche der gestauten Ströme. Auch sie haben unter den Auswirkungen der geringeren Sedimentablagerungen nach einem Dammbau zu leiden. Aus allen Teilen der Erde gibt es Berichte über schwerwiegende Erosionsschäden an den Küsten im Mündungsbereich. Für die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Gebiete müssen häufig Milliarden von Dollar ausgeben werden, die eigentlich in anderen Bereichen der Volkswirtschaft viel dringender benötigt würden – nicht nur in den Entwicklungsländern.

Da zudem weniger Nährstoffe und Frischwasser in diese Delta-Regionen gelangen, fehlt die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Fisch- und Meerestierarten. Der Rückgang dieser Populationen macht sich dann schnell in den Fangstatistiken der Fischereiindustrie und später in der Ernährungssituation der Bevölkerung bemerkbar. In Ghana beispielsweise ist nach dem Bau der Dämme Akasombo und Kpong am Volta die ehemals gutflorierende Muschelindustrie im Mündungsbereich fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Die verminderte Wasserabflussmenge eines gestauten Stroms verändert die Landschaft, durch die der Fluss fließt, erheblich. Gerade die Ökosysteme der Auengebiete des Flusses, die normalerweise perfekt an den natürlichen Wechsel von Niedrig- und Hochwasser angepasst sind, benötigen diesen Kreislauf, um intakt zu bleiben. Sie sind regelrecht auf die zeitweiligen Überschwemmungen angewiesen.

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Bleiben die saisonalen Hochwasser aus, fehlt der lebensnotwendige regelmäßige Wasser- und Nährstoffnachschub und die Feuchtgebiete trocknen aus. Der langsame Niedergang dieser Tummelplätze pflanzlichen und tierischen Lebens ist damit vorprogrammiert.

Staudämme, so haben Biologen festgestellt, sind deshalb entscheidend daran beteiligt, dass das Artensterben in den Flüssen mittlerweile dramatische Formen annimmt. Fast ein Fünftel aller Süßwasserlebewesen ist heute vom Aussterben bedroht…

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Stand: 13.11.2000

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Staudämme
Billige Energie oder Vernichtung von Natur und Existenzen?

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Giganten der Technik...
Staudämme und ihre Aufgaben

Unverwechselbar in Form und Gestalt
Welche Staudammtypen gibt es?

Energiegewinnung am Damm
Von Wehren, Staustufen und Speicherkraftwerken

Kampf gegen die todbringenden Fluten
Staudämme als Schutz gegen Überschwemmungen

Vertreibung, Hunger und Krankheit
Staudamm versus Mensch

Die Rache des Flusses
Der Verlust der Sedimente und die Folgen

Von Erosion und Artensterben
Auswirkungen auf das Flusssystem und seine Bewohner

Keine Rettung vor Jahrhundertfluten
Staudämme und der Hochwasserschutz

Klimaschäden
Wenn Stauseen Treibhausgase produzieren

Mehr als ein Wunderwerk der Technik...
Der Damm der Superlative

Streit um den "Drei-Schluchten-Damm"
Probleme und Mängel des Projektes

Staudämme: Retter oder Monster?
"Für und Wider" der Wasserkraftnutzung

Von Sumerern, Römern und Singhalesen
Aus der Geschichte des Staudammbaus

Welt im Wandel
Der Boom des Dammbaus in den letzten 200 Jahren

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