Von Erdbeben und Seevölker-Überfällen - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Pro und Contra Atlantis

Von Erdbeben und Seevölker-Überfällen

„Die Skeptiker haben starke Argumente, trotzdem gab es jedoch immer eine Minderheit von Gelehrten, die bereit waren, die Möglichkeit zuzugeben, dass Platon in seiner Atlantis-Erzählung Material verwendet habe, das nicht völlig ohne historisches Gewicht war“, sagt John Victor Luce, ehemaliger Professor für klassische Altertumswissenschaft am Trinity College in Dublin.

Platons Timaios - Manuskript von Calcidius Übersetzung ins Lateinische © Calcidius / gemeinfrei (historisch)

Dieser Minderheit zufolge könnten möglicherweise Zeitpunkt, Größe und Lage des sagenhaften Inselreichs nicht stimmen, dafür aber der Kern der Erzählung. Und es gibt immerhin ein paar Indizien, die dies bestätigen. So lässt Platon Kritias, eine der Hauptpersonen in seinem Werk „Timaios“, erklären, woher das Wissen um Atlantis stammt: „So höre denn, Sokrates, eine gar seltsame, aber durchaus wahre Geschichte, wie sie einst Solon [ein griechischer Lyriker und athenischer Staatsmann (um 640 bis 560 v. Chr.)] der Weiseste unter den Sieben, erzählt hat.“

Laut Kritias soll Solon von Atlantis bei einem Aufenthalt in Ägypten erfahren haben, wo ihm in der Stadt Sais ein Priester der Göttin Neith die Geschichte enthüllt hatte. Belege dafür will unter anderem der griechische Philosoph Krantor von Soloi (gestorben um 275 vor Christus) bei Recherchen in Ägypten entdeckt haben.

Das Wirken der Seevölker

In den Inschriften von Medinet Habu, einem Teil einer alten Totenstadt in Ägypten nahe Luxor, berichtet dagegen Pharao Ramses III. von einem Überfall der so genannten „Seevölker“ im 12. Jahrhundert vor Christus: „Die Völker der Meere schlossen sich auf ihren Inseln zu einer Verschwörung zusammen. Sie hatten den Plan, die Hand auf alle Länder der Erde zu legen. Kein Land hielt ihren Angriffen stand. […] Ihr Lager schlugen sie an einem Ort in Amurru auf. Sie zerstörten die Länder so, als ob sie nie existiert hätten. Sie kamen, bereiteten ein Feuer vor ihnen und sagten: ‚Vorwärts nach Ägypten‘.“

Beteiligt waren die Seevölker zusammen mit den Libyern schon vorher an der Schlacht bei Sais, in der es um das Überleben Ägyptens ging. Reliefs in Karnak in Oberägypten berichten vom Sieg des Pharaos Merenptah über die Angreifer, der allerdings mit tausenden Toten auf ägyptischer Seite teuer erkauft wurde. Ob diese Seevölker mit den Streitmacht von Atlantis gleichzusetzen sind, ist jedoch unter Experten mehr als umstritten.

Anzeige

Fantasiedarstellung des Untergangs von Atlantis, von Monsù Desiderio (frühes 17. Jahrhundert). © Monsù Desiderio / gemeinfrei (historisch)

Platon: Inspiration durch Naturkatastrophen vor Ort?

Für viel wahrscheinlicher halten es die meisten Wissenschaftler, dass sich Platon – zumindest was die Weltuntergangsszenarien von Atlantis betrifft – von Naturkatastrophen in seinem direkten geographischen und zeitlichen Umfeld inspirieren ließ.

So wurde die bedeutende und wohlhabende Stadt Helike auf dem Peloponnes im Jahr 373 vor Christus – kurz bevor Platon seinen Atlantis-Bericht schrieb – nachgewiesenermaßen von einer Flutwelle nach einem Erdbeben heimgesucht. Und die relativ kleine Insel Atalante im nördlichen Golf von Euböa fiel 426 vor Christus einem ähnlichen Doppelschlag an Naturkatastrophen zum Opfer. Die Vermutung der Forscher: Platon habe diese Ereignisse genutzt, um mit viel Fantasie eine plakative Atlantis-Welt zu entwerfen, aber eben nur in seinem Geist.

Echte Atlantis-Anhänger zeigen sich davon allerdings meist wenig beeindruckt. Ganz im Gegenteil. Immer wieder haben sich in den letzten 2.500 Jahren anerkannte Archäologen, vor allem aber Hobbyforscher und Abenteurer auf die Suche nach Atlantis gemacht – oder was davon übriggeblieben sein könnte.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. weiter

Dieter Lohmann
Stand: 25.03.2011

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Mythos Atlantis
Die Suche nach einem sagenhaften Inselreich

Atlantis im Atlantik?
Google Earth und das verschollene Inselreich

Ein Land, in dem Milch und Honig fließen
Platons Atlantis

Zwischen Wahrheit und Fiktion
Gab es Atlantis wirklich?

Von Erdbeben und Seevölker-Überfällen
Pro und Contra Atlantis

Auch Atlantis-Theorien können untergehen
Viele Kandidaten, keine Beweise

Atlantis in der Ägäis?
Die Kreta-Santorin-Theorie

Troja ist es…
…auch nicht

Sintflut verschlang Atlantis
Noch eine Theorie ohne Gewähr

„Finding Atlantis“ – kein Ende in Sicht
Immer wieder neue Kandidaten

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

keine News verknüpft

Dossiers zum Thema

Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember 2012 - und die Fakten

Rungholt - Rätsel um das Atlantis der Nordsee

Indianer - Riten, Mythen und Rätsel einer geheimnisvollen Kultur

Marco Polo - Ein Leben zwischen Orient und Okzident

Erdbeben - Vorhersagbar oder aus heiterem Himmel?

Tsunami - Das Geheimnis der Riesenwellen

Anzeige
Anzeige