Vom Kaufmann zum Feldforscher - scinexx | Das Wissensmagazin
Anzeige
Anzeige

Vom Kaufmann zum Feldforscher

Schliemanns unkonventionelle Karriere

Dass es Heinrich Schliemann einmal zu großem Reichtum und noch größerem Ruhm bringen wird, scheint zu Beginn seines Lebens eine abwegige Vorstellung – sieht er sich in seiner Kindheit doch mit nicht gerade günstigen Familienverhältnissen konfrontiert: Als eines von neun Kindern wächst Schliemann in einem protestantischen Pfarrershaushalt in Mecklenburg auf. Die Mutter stirbt, als der Junge neun ist, wenige Jahre später wird der Vater seines Amtes enthoben, die Familie rutscht in die Armut ab.

Schliemann als junger Geschäftsmann. © Uniphoto Press/ CC-by-sa 3.0

Dem jungen Heinrich bleibt ob der finanziellen Nöten seines Versorgers die eigentlich geplante Schulbildung verwehrt. Statt aufs Gymnasium und später zur Universität wird er auf die billigere Realschule geschickt. Anschließend tritt er eine Lehre in einem Krämerladen in Fürstenberg an. Aus Krankheitsgründen muss der Lehrling seine Ausbildung jedoch vorzeitig abbrechen. Ein Lungenleiden hat ihn untauglich für die schwere Arbeit im Geschäft gemacht.

In Holland geht es aufwärts

Schliemann kratzt seine letzten Taler zusammen und macht sich zu Fuß nach Hamburg auf, wo er sich Chancen auf eine neue Anstellung erhofft. Aufgrund seiner unzureichenden Ausbildung gestaltet sich dieses Vorhaben jedoch schwierig. In seiner Not heuert Schliemann schließlich als Schiffsjunge auf einem Segelschiff mit dem Ziel Venezuela an. Doch auch dabei ist ihm kein Glück beschert. Die „Dorothea“ kentert bereits vor der holländischen Küste.

Gerade so mit dem Leben davongekommen, schlägt sich Schliemann nach Amsterdam durch – und hier endlich wendet sich das Blatt. Mithilfe eines Freundes findet Schliemann eine Anstellung als Kontorbote einer großen Firma und zeigt sich ehrgeizig: Binnen zwei Jahren lernt er kaufmännische Handschrift und Korrespondenz, bringt sich außerdem autodidaktisch Holländisch, Französisch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch und Russisch bei. Sein Fleiß wird belohnt: Schon bald wird Schliemann zum Vorgesetzten von 15 Mitarbeitern.

Erfolgreiche Karriere in Russland

1846 wird er im Auftrag seines Arbeitgebers nach Russland geschickt, um dort eine Handelsniederlassung zu gründen. In St. Petersburg avanciert Schliemann zum erfolgreichen Geschäftsmann, eröffnet im Alter von 25 Jahren sein eigenes Handelshaus und entdeckt seine Freude am Reisen. In den kommenden Jahren ist er geschäftlich überall in Europa unterwegs, zwischenzeitlich versucht er sich als Bankier in den USA – und verdoppelt dabei nebenbei sein ohnehin bereits beträchtliches Vermögen.

Anzeige

Zurück in Russland heiratet Schliemann, wird Vater. Im Krimkrieg profitiert er von seinen internationalen Verbindungen und häuft als Lieferant der zaristischen Armee weiteren Reichtum an. Doch seine wahre Leidenschaft gilt weiterhin fremden Sprachen und fremden Ländern. In den 1850er Jahren denkt Schliemann deshalb immer häufiger daran, sein Geschäft aufzugeben und sich dem zu widmen, was ihn wirklich umtreibt.

Der Dichter Homer inspiriert Schliemann. © Public domain

Neues Ziel: Griechenland

Er lernt Neu- und Altgriechisch sowie Latein und beschäftigt sich mit antiken Schriften: „Ich nahm mir das Studium der alten Sprache vor, um einige alten Schriftsteller und besonders den Homer verstehen zu können, den ich mit größter Begeisterung immer und immer wieder las“, schreibt er. 1864 setzt Schliemann sein lang gehegtes Vorhaben um und löst seine Handelsunternehmung auf. Seine Reiselust treibt ihn von der Familie fort in die weite Welt.

Egal ob Italien, Ägypten, China, Japan oder Frankreich: Überall saugt Schliemann die Sprache, Geschichte und Kultur seines Reiseziels förmlich auf. Schließlich beschließt er, Archäologe zu werden und schreibt sich an der Sorbonne in Paris für Sprachen, Literatur und Altertumskunde ein. Denn Schliemann hat jetzt ein neues Bestreben: Er will das Griechenland des von ihm so bewunderten Homers erforschen – und das Geheimnis um die sagenumwobene Stadt Troja lüften.

  1. zurück
  2. 1
  3. |
  4. 2
  5. |
  6. 3
  7. |
  8. 4
  9. |
  10. 5
  11. |
  12. 6
  13. |
  14. weiter

Daniela Albat
Stand: 05.05.2017

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Heinrich Schliemann
Der Traum von Troja

Vom Kaufmann zum Feldforscher
Schliemanns unkonventionelle Karriere

Auf den Spuren Homers
Die Suche nach dem sagenumwobenen Troja

Der Schliemann-Graben
Eine Schneise durch den Hisarlik-Hügel

Der "Schatz des Priamos"
Spektakuläre Funde und ihre falsche Einordnung

Schliemanns Vermächtnis
Der Mann mit dem Spaten aus heutiger Sicht

Diaschauen zum Thema

News zum Thema

Geheimnis einer toten Trojanerin gelüftet
Vor 800 Jahren begrabene Frau starb an einer Wochenbett-Infektion

Verschollener "Sparta-Palast" der Mykener gefunden?
Archäologen entdeckten 3.500 Jahre alte Palastanlage auf dem Peleponnes

Klima brachte Hochkulturen am Mittelmeer zu Fall
Eine 300 Jahre dauernde Trockenperiode löste den Niedergang bronzezeitlicher Zivilisationen aus

Türkei: Archäologen tauchen ab
Hafen von Alexandria Troas erstmals vermessen

Dossiers zum Thema

Anzeige
Anzeige