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Vom Jahrhundertereignis zur Routine auf See

Wie häufig sind Riesenwellen?

Meereswissenschaftlern geht es heute bei der Erforschung der Riesenwellen wie einst Herkules in seinem Kampf gegen die neunköpfige Hydra. Immer wenn sie ein Rätsel der Freak Waves gelöst haben, ergeben sich aus der Antwort zahlreiche neue Fragen und Probleme. Eines jedoch konnten die Experten im Rahmen von Forschungsprojekten wie dem EU-Vorhaben „MaxWave“ zweifelsfrei feststellen: Riesenwellen sind keine Jahrhundertereignisse wie man früher dachte, sondern gehören zur Routine auf dem offenen Meer.

Allein der flüchtige Anblick des Facebook-Logos löst bei regelmäßigen Nutzern positive Gefühle aus. © iStock.com

Um das globale Vorkommen und die Häufigkeit von Riesenwellen zu ermitteln, werteten Wissenschaftler des GKSS im Rahmen von MaxWave Lasermessdaten von Schiffen, Ölplattformen und speziellen Seegangsbojen aus. 30.000 Aufnahmen des Radars mit synthetischer Apertur (SAR) an Bord des europäischen Forschungssatelliten ERS-2, die innerhalb von drei Wochen aufgenommen wurden, gaben weitere Hilfestellung bei der Fahndung nach Monsterwellen. Heraus kam dabei eine „Weltkarte der Riesenwellen“, auf der auch eine besonders extreme Freak Wave von 30 Metern Höhe und eine außerordentlich lange Wellenfront von mehr als fünf Kilometer Länge erfasst wurden. Hochrechnungen der Forscher ergaben zudem, dass etwa jede 10.000 Einzelwelle eine Freak Wave ist.

Auch konkrete Statistiken über Riesenwellen in speziellen Meeresgebieten liegen seit einiger Zeit vor. So hat Jesper Skourop vom DHI Water & Environment in Horsholm, Dänemark innerhalb von zwölf Jahren mittels Radar 466 Riesenwellen im Gorm Ölfield in der Nordsee entdeckt, die nicht durch die existierenden Wellentheorien zu erklären waren. Die höchste in der Untersuchung aus dem Jahre 1997 erwähnte Riesenwelle erreichte dabei 17,5 Meter.

Was die Fahndung der Forscher nach Freak Waves erschwert, ist die Tatsache, dass Riesenwellen laut Augenzeugenberichten sowohl unter ruhigen Meeresbedingungen als auch bei schwerer See in Sekundenschnelle entstehen können. Manche dieser Giganten verschwinden so schnell wie sie gekommen sind, andere ziehen längere Zeit unbeirrt ihre Bahn über das offene Meer.

Die Freak Wave bricht immer dann, wenn die sich auftürmende Wasserwand zu steil und damit instabil wird. Befindet sich ein Schiff zur falschen Zeit am falschen Ort wird es von dem gewaltigen Brecher überrollt und es drohen schwere Schäden, ja sogar ein Kentern oder der Untergang ist möglich.

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Nach einer Statistik von Lloyds Schiffsregister wurden im Jahr 2000 mindestens 81 von 167 gesunkenen Schiffen als „Totalverluste bei schwerem Wetter“ verbucht. Häufige Ursache, so die Meinung der Wissenschaftler heute: Riesige Einzelwellen. Der Projektleiter von MaxWave am GKSS Forschungszentrum in Geesthacht, Wolfgang Rosenthal, geht davon aus, dass in den letzten 30 Jahren mindestens 22 Schiffe mit einer Länge von mehr als 200 Metern durch Riesenwellen zerstört wurden. Andere Wissenschaftler vermuten, dass Jahr für Jahr mindestens zehn schwere Unglücke auf hoher See auf das Konto solcher Freak Waves gehen.

Seitdem akzeptiert ist, dass Riesenwellen zum Alltag auf See gehören, erscheint auch das mysteriöse Verschwinden von vielen Schiffen in den letzten Jahrzehnten in ganz anderem Licht. Schiffsbauingenieure halten es für möglich, dass es in vielen Fällen ebenfalls Riesenwellen waren, die die Schiffe zum Sinken brachten. Sie vermuten, dass die Besatzungen vom Auftauchen der Freak Waves so überrascht wurden, dass sie nicht einmal mehr ein SOS absetzen konnten. So könnte es beispielsweise auch im September 1980 dem Frachter Derbyshire gegangen sein. Der 295 Meter lange Carrier war damals vor der Küste Japans mit 44 Mann Besatzung ohne jeden Notruf gesunken. Eine aktuelle Studie, die das Schicksal des Schiffes untersucht hat, kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass vermutlich eine große Welle die Derbyshire überrollte und so das Unglück auslöste.

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Stand: 04.11.2002

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Riesenwellen
Aufruhr in Poseidons Reich

Giganten der Meere
Rätselhafte Riesenwellen

Tsunamis, Gezeitenwellen und Freak Waves
Wände aus Wasser

Vom Jahrhundertereignis zur Routine auf See
Wie häufig sind Riesenwellen?

Von Kaventsmännern, Drei Schwestern und Weißen Wänden
Steckbriefe für Riesenwellen

Im Huckepack-Verfahren zum Monster?
Ursachen für Riesenwellen

Wehe, wenn die Welle zuschlägt...
Welche Folgen haben Freak Waves?

Den Rätseln der Riesenwellen auf der Spur...
Forschungsprojekt "MaxWave"

Monsterwellen aus der Retorte
Die Zentren der Riesenwellen-Forschung

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