Viren und ihre Schöpfer - scinexx | Das Wissensmagazin
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Wer steckt dahinter - und warum?

Viren und ihre Schöpfer

Einen klaren Unterschied scheint es zwischen Computerviren und ihren biologischen Gegenparts zu geben: Die Bio-Viren sind in der Regel nicht geschaffen, sondern haben sich im Laufe der Evolution entwickelt. Allerdings: Längst erlaubt es die moderne Medizin und Gentechnik, natürliche Viren so zu verändern, neu zu kombinieren oder sogar von Grund auf zu konstruieren, dass sie zu maßgeschneiderten Werkzeugen werden – genau wie viele Computerviren auch.

Der Blaster-Wurms befiel 2003 Microsoft Windows. In seinem Code steckt eine Nachricht des Wurm-Programmierers an den Microsoft-Gründer Bill Gates. © gemeinfrei

Und auch in der Biotechnologie können gefährliche Viren erzeugt werden, um anderen zu schaden – Biowaffen sind dafür das beste Beispiel. Das legt die Frage nahe, ob es auch in der Motivation von Hackern und Bioterroristen Ähnlichkeiten gibt. Aus welcher Motivation heraus entwickeln Hacker diese Art von Schadprogrammen? Was wollen sie damit erreichen? Auch hier gibt es verschiedene Varianten:

Anerkennung, Wissen und Geld

Klassisch vor allem für Viren, die Privatrechner befallen, ist die soziale Motivation: Der Täter möchte bekannt werden oder zu einer bestimmten Hacker-Gruppierung dazu gehören und versucht daher, durch mehr oder weniger spektakuläre Entwicklungen Aufmerksamkeit erregen. Taucht sein „Coup“ in den Medien auf, stärkt dies seinen Ruf unter Hacker-Kollegen.

Bei Computerangriffen auf Unternehmen geht es oft um Geld und Wirtschaftsmacht: Der Hacker wird beispielsweise von einem Unternehmen oder einer Regierung beauftragt, Betriebsgeheimnisse oder Baupläne eines Konkurrenten mittels Virus zu stehlen oder zu sabotieren. Bei Angriffen auf Banken können Zahlen oder Transaktionen manipuliert werden.

Das Stuxnet-Virus sabotierte die Uran-Zentrifugen in einer Anlage im Iran - hier ähnliche Zentrifugen zur Urananreicherung. © DOE

Sabotage oder Hilfe

In manchen Fällen geht es aber auch um Politisches: Schadprogramme sollen beispielsweise eine Regierung oder einen Staat durch Eingriffe in wichtige IT-Infrastrukturen beeinträchtigen. Ein Beispiel für solche Hacks ist der bekannte Stuxnet-Wurm, der in ein Maschinen-Steuerungsprogramm von Siemens eingeschleust wurde. Schaden richtete dieser Wurm nur in iranischen Anlagen zur Aufbereitung von Uran an, indem er die Zentrifugenkontrolle sabotierte. Wer diesen Virus lancierte, ist bis heute unklar.

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Es gibt aber auch Virenangriffe und Hacks, die Positives tun sollen: Sie werden meist gezielt auf ein System losgelassen, um dessen Schwachstellen aufzudecken. So werden beispielsweise neue Betriebssysteme, aber auch Unternehmensnetzwerke auf ihre Sicherheit hin getestet. Es gibt auch Hacker, die ohne speziellen Auftrag spektakuläre Hacks durchführen, um Fachwelt und Öffentlichkeit auf Sicherheitslücken aufmerksam zu machen.

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Vincent Heuveline, Universität Heidelberg/ Ruperto Carola
Stand: 10.06.2016

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Virtuelle Krankmacher
Was Computerviren und ihre biologischen Gegenparts gemeinsam haben

Sind Viren lebendig?
Spurensuche an der Grenze des Lebens

Viren, Würmer und Trojaner
Welche Schadprogramme gibt es und was tun sie?

Viren und ihre Schöpfer
Wer steckt dahinter - und warum?

Können Computerviren mutieren?
Auf dem Weg zu einer Evolution der Computerviren

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