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Viel hilft viel

Gift und Dünger gefährdet Mensch und Umwelt

„Ohne Gift kein Tabak“ – auf diese einfache Formel lässt sich in vielen Regionen das Vorgehen der Bauern beim Tabakanbau reduzieren. Oft wird gespritzt, gesprüht oder vernebelt was das Zeug hält. Dabei werden auch Mittel und Methoden eingesetzt, die in den modernen Industrieländern längst verboten sind, weil sie die Gesundheit der Arbeiter und die Umwelt gefährden. Zahlreiche dieser Gifte sammeln sich in den Tabakblättern an oder sickern ins Grundwasser ein.

In einigen Provinzen Argentiniens – so berichtete das Magazin „Nano“ im Jahre 2002 – werden die Tabakbauern sogar regelrecht dazu verdonnert Pestizide beim Tabakanbau einzusetzen, ob sie nun wollten oder nicht. Alle Pflanzer, die sich nicht nach den Vorgaben der dortigen Erzeugergemeinschaften richten, werden ausgeschlossen und stehen vor dem Bankrott. Die verwendeten Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, darunter das auch für den Menschen hochgiftige Methylbromid, haben mittlerweile dazu geführt, dass Missbildungen bei Neugeborenen und andere Erbgutschäden dort viel häufiger auftreten als anderswo auf der Welt.

Dabei ist Methylbromid so etwas wie ein Dinosaurier unter den Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, das vor allem dazu eingesetzt wird, die Böden keimfrei zu machen. Die Reste der Spezialbehandlung für den Tabak entfliehen nach einer Einwirkzeit von mehreren Tagen in die Atmosphäre und reagieren in der Statosphäre mit dem Ozon. Das Mittel trägt so erheblich zur Schädigung der Schutzhülle der Erde bei. Laut der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit werden heute jährlich weltweit noch immer mehrere Millionen Tonnen der Substanz eingesetzt.

Brandrodung © IMSI MasterClips

Doch Tabak leidet nicht nur unter Pilz- oder Virenbefall, auch ein reduziertes Nährstoffangebot im Boden sorgt dafür, dass das Wachstum der Pflanzen unter den Erwartungen bleibt. Neben immer neuen Brandrodungen oder einem regelmäßigen Fruchtwechsel, sehen viele Pflanzer einen hohen Düngemitteleinsatz als probates Mittel an, um ein Optimum an Profit aus den Tabakfeldern herauszuholen.

Stickstoff, Phosphor, schwefelsaurer Kali, Jauche, Schafsmist oder Stallmist kommen einzeln oder als Power-Mix zum Einsatz und werden nach dem Prinzip „viel hilft viel“ auf die Felder gestreut oder geschüttet. Eine solche Überdüngung lässt den Nitratgehalt im Grundwasser auf für den Menschen bedrohliche Werte ansteigen und belastet auch Bäche und Flüsse schwer mit Schadstoffen.

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Stand: 12.06.2003

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Tabak
Vom Geschenk der Götter zum Umweltkiller

Zwischen Kult und Kahlschlag
Tabak verändert die Welt

Von der rituellen Pflanze zum Heilmittel
Die Kulturgeschichte des Tabaks

Auf dem Weg zum Massenprodukt...
Die Kommerzialisierung des Tabaks

Giftige Glimmstengel
Nikotin macht süchtig

Tabakplantagen statt Bäume
Schneisen des Todes

Viel hilft viel
Gift und Dünger gefährdet Mensch und Umwelt

Lukratives Nischenprodukt
Tabak in Deutschland

Raucher als Opferlämmer
Frisches Geld für das Steuersäckel

Liebling der Gentechnik
Die Nikotinpflanze als Biofabrik

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