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Versteckte Fleischbeilage

Wie könnte man uns Insektenkost schmackhaft machen?

Wenn es um das Essen von Insekten geht, stellen sich die meisten uns gegrillte Heuschrecken oder andere ganze Insekten vor. Aber um die Ekelschwelle vieler Europäer und Nordamerikaner zu überwinden und generell die Akzeptanz von Insektenkost zu erhöhen, gibt es inzwischen auch Lebensmittel, die nicht auf den ersten Blick als insektenhaltig zu erkennen sind.

Salaat mit Mehlwürmern - in Belgien gibt es den sogar in normalen Delis. Aber für die meisten Europäer dürfte das zu ekelbehaftet sein. © Michael Nispel

Frikadellen und Chips auf Mehlwurm-Basis

In den Niederlanden wird gerade „Buqadilla“ für die Markteinführung vorbereitet – eine Mischung aus Kichererbsen und rund 40 Prozent zerkleinerten Mehlwürmern. Diese Masse kann zu Frikadellen oder Falafelbällchen geformt und gebraten oder frittiert werden. In ersten Tests in Kantinen und Restaurants schnitt Buqadilla wegen seiner angenehmen Textur und seines würzigen Geschmacks gut ab.

Ein weiteres Beispiel für „versteckte“ Insekten sind die in Frankreich entwickelten „Crikizz“. Diese würzigen, Popcorn oder Krabbenchips ähnlichen Snacks enthalten je nach Variante zwischen zehn und 20 Prozent Mehlwurmfleisch, der Rest ist Cassava. Durch den hohen Fettgehalt der Mehrwürmer muss bei der Zubereitung kein zusätzliches Fett beigefügt werden – das macht den Snack gesünder als konventionelle Chips. Crikizz haben 2012 beim nationalen Wettbewerb Eco-trophélia den Preis für kulinarische Innovation gewonnen.

Zu Beginn der Regenzeit schwärmen die gefügelten Jungtermiten - sie lassen sich gut braten oder dem Hirsebrei beimengen. © TimCowley / CC-by-sa 4.0

Hirsebrei mit Termiten

In den USA entstand die Idee für SOR-Mite – einen mit Termiten angereicherten Hirsebrei. In vielen afrikanischen Ländern ist dieser Brei ein Grundnahrungsmittel, das in allen Mahlzeiten des Tages verwendet wird. Doch die Hirse liefert zwar Kohlenhydrate, aber nur wenig Fette und Proteine. Um dieses Defizit auszugleichen, werden der Hirse bei SOR-Mite nährstoffreiche Macrotermes-Termiten untergemischt. Diese Termitengattung ist in vielen Ländern Afrikas häufig und die geflügelten Formen lassen sich zu Beginn der Regenzeit leicht sammeln. Die fermentierte Mixtur kann dann als Brei zubereitet und ganz normal zum Frühstück, Mittag oder Abendessen gegessen werden.

In Kenia läuft ein Pilotprojekt, bei dem Termiten und diverse Fliegenarten als Lebensmittelzusatz eingesetzt werden. Die Insekten werden geröstet, getrocknet, zermahlen und dann mit anderen Zutaten zu Teigen von Muffins und Crackers zusammengemischt. Auch Hackbraten und Würstchen auf Insektenbasis wurde bereits getestet und gelten als durchaus vielversprechende Kandidaten für die Kommerzialisierung.

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Nadja Podbregar
Stand: 26.06.2015

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Insekten auf dem Speiseplan
Warum die sechsbeinige Kost eine echte Alternative sein kann

Der Ekel-Faktor
Warum scheuen sich viele vor dem Insekten-Genuss?

Alternative zu Rind und Co?
Warum sollen wir Insekten essen?

Sechsbeinige Fitmacher
Wie gesund ist die Insektenkost?

Himmelskrebse und Wanzensauce
Wo isst man welche Insekten?

Versteckte Fleischbeilage
Wie könnte man uns Insektenkost schmackhaft machen?

Einmal den Dschungelteller, bitte?
Interview mit dem Lebensmittel-Experten Guido Ritter

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