Vanille und faule Eier - scinexx | Das Wissensmagazin
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Nützlicher Ekel

Vanille und faule Eier

Würden Sie ein Glas Milch trinken, in das zuvor eine Kakerlake getaucht wurde? Natürlich nicht, es könnte ja sein, dass auf diese Weise Krankheitserreger in das Getränk gelangen. Aber wenn die Küchenschabe zuvor keimfrei gemacht wurde? Viele Menschen ekeln sich auch dann vor der Milch und würden sie genauso wenig zu sich nehmen, wie sie aus einem gereinigten Urinbecher trinken würden.

Ekel gehört neben Freude, Ärger, Trauer, Furcht und Überraschung zu den Basisemotionen des Menschen. Diese sechs Emotionen können in allen Kulturkreisen im Gesichtsausdruck anderer erkannt werden. Bereits Neugeborene, die noch keine Reaktionen auf bestimmte Reize gelernt haben, reagieren auf den Geruch von Vanille mit Lächeln, auf den von faulen Eiern mit Ekel.

Tatsächlich werden viele Substanzen in allen Kulturkreisen verabscheut. Zu den Spitzenreitern auf der Ekelliste gehören Fäkalien und andere Körperausscheidungen, schlechte Hygiene und offene Wunden. Das macht Sinn, denn auf diese Weise werden Substanzen gemieden, die einem gefährlich werden könnten. In Fäkalien lauern Parasiten und Gifte, schlechte Hygienebedingungen und offene Wunden fördern die Übertragung von Krankheiten.

Außerdem werden zähflüssige Substanzen wie Schleim und viele Tierprodukte als ekelerregend empfunden. Pflanzen dagegen können zwar wegen eines bitteren Geschmacks gemieden werden, rufen aber seltener Ekelgefühle hervor. Verdorbenes Fleisch etwa gehört mit zu den am stärksten abgelehnten Substanzen, ein Verhalten, das uns davor bewahrt, an den giftigen Stoffwechselprodukten der darin lebenden Bakterien zu sterben.

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Ekel ist demnach ein evolutionär entstandenes Gefühl, das bereits unsere Vorfahren vor Schaden bewahrte. Wer sich von Fäkalien und faulem Fleisch fernhielt, hatte bessere Überlebenschancen und somit eher die Möglichkeit, die eigenen Gene weiterzugeben. Ein ungutes Gefühl beim Anblick von Nahrung, in der sich Maden tummeln oder die von Schimmel überdeckt ist, bedeutete einen Überlebensvorteil.

Deshalb empfinden wir noch Ekel oder Angst vor Dingen und Situationen, die heute keine oder keine so große Gefahr mehr darstellen. So ist die Angst vor Höhen oder vor der Dunkelheit weiter verbreitet als die heutzutage sehr viel gerechtfertigtere Furcht vor Autos, Steckdosen oder Herdplatten. Darum meiden wir auch die Kakerlaken-Milch, selbst wenn wir wissen, dass das Insekt keimfrei war. Aus dem selben Grund würden wir nicht unbedingt aus einer Bettpfanne essen, selbst wenn diese nie benutzt wurde und unser evolutionäres Erbe hält uns auch davon ab, eine Suppe zu essen, in die wir vorher selber gespuckt haben.

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Stand: 13.05.2005

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Pfui Spinne!
Warum wir uns ekeln

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Vanille und faule Eier
Nützlicher Ekel

Hauptsache süß
Wie uns Ekel vor Gift bewahrt

Erbrechen für das Kind
Schwangerschaftsübelkeit als Schutzmechanismus

Spinnenphobie
Die tut doch nichts

Punk-Lieblinge und Kanalbewohner
Was macht Ratten ekelhaft?

Nur her mit den Maden
Widerliche Biochirurgen bei der Arbeit

Dr. Ringelwurm beißt zu
Ekel vor dem Egel

Wie das duftet
Körpergerüche waren nicht immer verpönt

Der heilige Mistkäfer
Faszination und Ekel

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