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Unter dem Schutz der Herde

Warum Impfen auch die anderen schützt

Häufig hört man das Argument, dass es ja schließlich Privatsache sei, ob man sich oder sein Kind impfen lässt oder nicht. Das mag zutreffen, solange es um Essgewohnheiten oder die Freizeitgestaltung geht, aber bei der Impfung stimmt das so leider nicht: Das eigene Impfverhalten beeinflusst immer auch das Risiko einer Infektion für die anderen.

Die Herden-Immunität schützt auch die, die (noch) nicht geimpft werden können © CDC

Denn ein effektiver Schutz gegen Infektionskrankheiten beruht immer auf zwei Säulen: dem eigenen Impfschutz und der sogenannten Herdenimmunität. Sie tritt dann auf, wenn rund 90 bis 95 Prozent einer Population gegen eine Krankheit geimpft. Weil in einer solchen Gruppe kaum jemand erkrankt, kann sich auch der Erreger nicht ausbreiten. Als Folge sind auch diejenigen geschützt, die beispielsweise aus Krankheitsgründen nicht geimpft werden können oder die noch zu jung sind. Letztlich ist es genau dieser Effekt, der die besonders anfälligen Säuglinge in der Zeit vor ihren ersten Impfungen vor einer Ansteckung bewahrt.

Regenmantel und Regenschirm

Die US-Medizinerin Ari Brown beschreibt dies mit einem anschaulichen Bild: „Denken Sie von den Erregern als Regen, die Impfung ist der Regenmantel. Selbst mit diesem Mantel kann man noch nass werden – man braucht zusätzlich einen Regenschirm. Und dieser Schirm ist die Herden-Immunität. Wer nicht geimpft ist, kann beim Regenschirm des Nachbarn unterschlüpfen.“ Wenn es aber zu wenig Regenschirme gibt, weil sich viele nicht impfen lassen, hat der Schutz Löcher und viele werden nass – mit und ohne Regenmantel. Hinzu kommt: Weil sich Gleichgesinnte – in diesem Fall Impfverweigerer – oft in bestimmten Vierteln, Schulen etc. häufen, bilden diese Orte meist die Ausgangspunkte für Epidemien – wie im Falle der Walddorfschulen oder der Großstädte mit vielen Anhängern der Homöopathie oder anderer impfkritischer Richtungen.

Noch gravierender wird dies angesichts der Globalisierung: Denn auch wenn bei uns viele Infektionskrankheiten dank der Impfprogramme selten geworden sind, ist das in einigen anderen Ländern nicht der Fall. Reisende, die diese Länder besuchen oder von dort zu uns kommen, können daher auch solche Erreger einschleppen. Gibt es dann bei und „Löcher“ in der Herden-Immunität, bricht eine Epidemie aus. Die enge Austausch von Menschen und Material zwischen selbst entferntesten Weltgegenden gibt auch die Antwort auf einen weiteren häufigen Einwand von Impfgegnern: „Diese Krankheiten sind bei uns doch ohnehin so gut wie ausgestorben – warum sollte ich mich dann noch impfen lassen?“ Solange die betreffende Krankheit nicht weltweit ausgerottet ist, wie beispielsweise die Pocken, ist eine Impfung sinnvoll. Denn sie schützt auch dann, wenn Urlauber oder Geschäftsreisende eine Infektion einschleppen.

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Nadja Podbregar
Stand: 19.07.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Streit ums Impfen
Wie nötig und nützlich ist schützende Immunisierung?

Ein mutiger Sultan
Der erste große Impfversuch gegen die Pocken

Immun!
Ein englischer Arzt, viele Skeptiker und der erste echte Impfstoff

Eine Erfolgsgeschichte…
..mit vermeidbaren Rückschlägen

Befreiung von den "Schlacken"
Warum viele Anthroposophen und Homöopathen gegen Impfungen sind

Der Autismus-Schreck
Die Masern-Kombinationsimpfung und der Wakefield-Betrug

Allergie durch Impfung?
Sind gehäufte Impfungen zu belastend für das kindliche Immunsystem?

Nebenwirkungen
Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Die Sache mit den Zusatzstoffen
Was machen Quecksilber, Aluminium und Co im Impfstoff?

Unter dem Schutz der Herde
Warum Impfen auch die anderen schützt

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