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Ungewöhnliche Karriere

Wie Mendel zur Wissenschaft kam

Seine Erbsen machten ihn berühmt: Gregor Mendel gehört heute zu den bekanntesten Pionieren der Biologie. Seine Vererbungsregeln sind fester Bestandteil des schulischen Biologieunterrichts. Doch als dieser künftige Star der Genetik am 20. Juli 1822 im kleinen Dorf Heinzendorf bei Brünn geboren wurde, war davon noch nichts zu ahnen – im Gegenteil.

Mendels GEburtshaus
Das Geburtshaus von Gregor Mendel in Heinzendorf, heute Hynčice. © Palickap/ CC-by-sa 3.0

Vom Bauernsohn zum Studenten

Als Kind von Kleinbauern im ländlichen Schlesien hatte Mendel zunächst wenig Aussichten auf eine wissenschaftliche Karriere. Denn als einziger Sohn schien klar, dass er einst den Hof des Vaters weiterführen würde. Schon in der Dorfschule jedoch fielen seinem Lehrer und dem örtlichen Priester auf, wie begabt und intelligent der junge Mendel vor allem in den Naturwissenschaften war. Trotz der extremen finanziellen Belastung für seine Familie wurde der Junge daher auf eine Schule im nächstgrößeren Ort und später aufs Gymnasium geschickt.

Allerdings forderte diese für einen Bauernsohn ungewöhnliche Bildungskarriere einige Opfer von Mendel und seiner Familie. Schon mit 16 Jahren musste er sich als Privatlehrer Geld dazu verdienen, durch Überarbeitung und Hunger durchlitt er immer wieder Phasen der Krankheit. Dennoch begann Mendel ab 1840 an der Universität Olmütz ein Studium am philosophischen Institut, wo er unter anderem Kurse in Physik, Mathematik und Logik belegte und Bestnoten erhielt. Schon 1843 musste er das Studium aber aus Geldmangel wieder abbrechen.

Gregor Mendel
Obwohl Mendel eher wissenschaftlich als spirituell interessiert war, bot ihm die geistliche Laufbahn eine Chance zur weiteren Bildung. © historisch

Ein Kloster als Karriere-Trittbrett

Einen Ausweg aus dieser Misere fand der junge Mendel im Augustinerkloster St. Thomas bei Brünn. „Dieses Kloster war im frühen und mittleren 19. Jahrhundert ein Zentrum der Gelehrsamkeit, vor allem in den Naturwissenschaften und der Landwirtschaft“, erklärt der US-Biologe Garland Allen von der Washington University in St. Louis. „Der Abt, Pater Cyril Napp, war ein enthusiastischer Naturforscher, Mitglied mehrerer lokaler Landwirtschaftsverbände und wissenschaftlicher Gesellschaften, außerdem war er Autor mehrerer Fachschriften, vor allem zu Pflanzenschädlingen.“

Obwohl der junge Mendel keine besondere religiöse Berufung verspürte, verschaffte ihm das Kloster die Chance, neben seinen klösterlichen Pflichten auch seinen naturwissenschaftlichen Interessen nachzugehen. 1845 begann „Bruder Gregor“ mit einem Theologiestudium in Brünn, belegte aber gleichzeitig auch Kurse in Ökonomie, Weinbau und Obstbaumzucht. Dabei lernte er auch Grundlagen zu Kreuzungsmethoden, Samenvermehrung und Auslese lernte – Wissen, das sich für seine späteren Experimente als entscheidend erweisen sollte.

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1859 bis 1853 finanzierte das Kloster dem wissbegierigen und begabten Mönch sogar ein Studium in Wien, wo er unter anderem sein Wissen in Pflanzenkunde vertiefte, aber auch Physik und Grundlagen des Experimentierens bei Christan Doppler, dem Entdecker des Doppler-Effekts, lernte. Ab 1854 arbeitete Mendel dann als Aushilfslehrer an einer Realschule in Brünn – eine Aufgabe, die ihm genügend Zeit für eigenen Forschungsarbeiten ließ. Diese Chance nutzte er.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Gregor Mendel und sein Erbe
Wie ein Mönch zum Vater der Genetik wurde

Ungewöhnliche Karriere
Wie Mendel zur Wissenschaft kam

Warum Pflanzenzüchtung?
Woher Mendel die Motivation für seine Experimente nahm

Erbsenzählen im Klostergarten
Was Mendels Züchtungsexperimente so besonders machte

Die drei Regeln
Mendels Erkenntnisse und ihre Bedeutung

Mendel und Darwin
Wie stand der Mönch zur Evolution?

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