Unendlichkeitsmaschine und Roboter - scinexx | Das Wissensmagazin
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Unendlichkeitsmaschine und Roboter

Abstrakte Ideen und skurrile Konstruktionen

Getriebe in die Unendlichkeit: Durch die hintereinander geschaltete Untersetzung dreht sich das unterste Rad nur einmal nach etwa einer Million Jahren. © LoKiLeCh / (CC BY-SA 3.0)

Leonardos Begeisterung für Zahnräder und Getriebe brachte ihn auch zu abstrakteren Ideen ohne praktischen Nutzen, wie die Skizzen einer „Unendlichkeitsmaschine“ zeigen: Eine Vielzahl von Zahnrädern gleicher Untersetzung ist hier hintereinander geschaltet, um den Effekt der Untersetzung zu verdeutlichen. Von einem Rad zum nächsten nimmt so die Drehgeschwindigkeit stets um denselben Faktor ab – das letzte Rad dreht sich schließlich unendlich langsam.

Unendlich langsame Rotation

Bei einer derartigen Maschine im Technikmuseum „Dynamikum“ in Pirmasens ist das letzte Zahnrad sogar fest einbetoniert. Während sich das erste Rad noch einmal pro Sekunde dreht, dauert eine Umdrehung des sechzehnten, festbetonierten Zahnrades durch die Untersetzung etwa eine Million Jahre – und diese minimale Bewegung wird durch Spiel und Ungenauigkeiten in der ganzen Konstruktion aufgefangen.

Eine Zeichnung, die angeblich ein von Leonardo erfundenes Fahrrad mit Kettenantrieb darstellt, ist allerdings höchstwahrscheinlich eine Fälschung. Der Fälscher ließ sich dabei vermutlich von zwei anderen Zeichnungen inspirieren. Die eine zeigt eine Art Roller oder Laufrad und stammt entweder von Leonardo selbst oder von dessen Schüler, Erben und möglichem Geliebten Salai. Die zweite ist der Entwurf einer Reihe von Eimern an einer Kette, die über ein Zahnrad läuft. Mit dieser Konstruktion sollte die Wasserförderung aus einem Brunnen deutlich schneller sein. Die einzelnen Bestandteile eines kettengetriebenen Fahrrades waren Leonardo also wahrscheinlich bereits bekannt – 400 Jahre vor dem ersten Einsatz eines Kettenantriebs.

Anhand von Zeichnungen nachgebautes Modell von Leonardos „Roboter“ auf der Austellung „Leonardo da Vinci. Mensch - Erfinder – Genie“ in Berlin © Erik Möller / gemeinfrei

Maschinen für Spezialeffekte

Skurril erscheinen heute die Zeichnungen einer Art bewegten Ritterrüstung, und erst recht die danach angefertigten Modelle. Diese Konstruktion, auch als „Leonardos Roboter“ bekannt, stellt eine lebensgroße Puppe dar: Mit Hilfe von Seilzügen konnte der mechanische Ritter sich setzen, aufstehen, die Arme heben und sogar sein Helmvisier öffnen. Leonardos Erkenntnisse aus dem „Vitruvianischen Menschen“ flossen in die Konstruktion mit ein.

Diese Figur war nicht als Kampfroboter gedacht und wäre auch völlig ungeeignet für diesen Zweck gewesen. Stattdessen handelt es sich wahrscheinlich um eine Theaterrequisite. Gleiches gilt auch für einen Apparat, den viele zunächst für die frühe Version eines Automobils hielten: Der Karren mit Selbstantrieb diente wahrscheinlich dazu, Figuren auf der Bühne zu bewegen. Mit seiner Vorliebe für Flaschenzüge und Getriebe schuf Leonardo zahlreiche derartige „Spezialeffekte“ für seine Bühnen-Inszenierungen. Sein konstruierter Fahrstuhl, um Sänger aus der Unterwelt des Szenenbildes direkt auf die Bühne zu heben, wirkt neben dem „Auto“ und dem „Roboter“ beinahe trivial.

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Ansgar Kretschmer
Stand: 26.09.2014

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Leonardo da Vinci
Universalgenie der Renaissance

Mathematik beherrscht alles
Wie Malerei und Wissenschaft zusammenhängen

Ein genauer Blick fürs Detail
Wie Leonardo da Vinci den Körper studierte

Zahnräder, Getriebe, Flaschenzüge
Leonardos faszinierende Maschinen

Unendlichkeitsmaschine und Roboter
Abstrakte Ideen und skurrile Konstruktionen

Die Vision vom Fliegen
Leonardo da Vinci als Vater der Bionik

Von der Kartografie zur Astronomie
Geometrische Lösungen für alltägliche und weniger alltägliche Probleme

Rätsel und Mysterien
Leonardos Vermächtnis für die Nachwelt

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