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Unbekannte Wildnis

Kaum erforschter Artenreichtum am Fluss der Elefanten

Hic sunt leones. Hier sind Löwen. So bezeichneten Kartographen im Römischen Reich unbekanntes Land jenseits der Grenzen. Terra incognita, weiße Flecken auf der Landkarte. Meist lagen sie in Afrika.

Ein vergessener Winkel: Im Südosten der Z.A.R ersetzt diese Dschungelpiste den Flughafen. Die Piste liegt nahe Obo, einem Ort im Südosten des Landes. © Cnatra09 / CC-by-sa 3.0

Als der Schweizer Biologiestudent Thierry Aebischer vor drei Jahren über einer Afrikakarte grübelte, welche Gegend denn eine spannende Doktorarbeit abwerfen könnte, blieb sein Blick tief im Zentrum des Löwen-Kontinents hängen: in einem Winkel der Z.A.R., der Zentralafrikanischen Republik, im Chinko-Becken, dem fast menschenleeren Südosten der ehemaligen französischen Kolonie, unweit der Grenze zum Südsudan und zur Demokratischen Republik Kongo.

Das Chinko-Becken samt der Oberläufe der Flüsse Kotto, Mbari und Ouarra ist ein Mosaik großer Waldsavannen und tropischer Regenwälder – dreimal so groß wie die Serengeti. Die schachbrettartige, sich ständig abwechselnde Struktur aus Savanne und Wald macht die Landschaft zu einem Hotspot der Artenvielfalt. Die 70.000 Quadratkilometer gelten dazu als eine der letzten unberührten Inseln von Wildnis auf der Erde und einer der unzugänglichsten Winkel Afrikas.

„Wir wissen nichts“

„Fluss der Elefanten“ heißt der Chinko bei den Einheimischen. Einst zogen Zehntausende der Dickhäuter durch die Wälder und Savannen und sagten sich mit Giraffen, Büffeln, Nashörnern und Löwen gute Nacht. Giraffen und Nashörner sind dort ausgerottet, den Elefanten steht das bald bevor, das war klar, aber was, fragte sich Aebischer, kreucht und fleucht dort heute noch durch den Busch?

Je mehr Fragen Aebischer in der Fachwelt stellte, desto weniger Antworten bekam er. Kein Biologe oder Naturschutzexperte konnte ihm sagen, welche Tiere noch im Chinko leben. „Wo ich auch anfragte, hörte ich immer nur: ‚Wir wissen nichts.'“, erzählt Aebischer. Wissenschaftliche Daten zu dem Gebiet von der Größe Österreichs waren kaum vorhanden. Über hundert Jahre war die Region nicht mehr erforscht worden. Die letzten Forscher dort dürften noch Franzosen mit Tropenhelm und Nilpferdpeitsche gewesen sein.

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Kai Althoetmar
Stand: 11.10.2013

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Expedition ins Niemandsland
Zwei Jungbiologen unterwegs in der Wildnis Zentralafrikas

Unbekannte Wildnis
Kaum erforschter Artenreichtum am Fluss der Elefanten

Seltsame Allianz
Die Forscher und der Großwildjäger

Die Chinko-Expedition
Unter Wildhunden, Mangusten und Elefanten

Mit Malaria und Macheten
Feldforschung im Dschungel Zentralafrikas

Bush-Meat per Kalaschnikow
Wilderei und politische Unruhen erschweren die Forschung

Armut, Korruption und Chaos
Schwierige Bedingungen für Mensch und Tier in der Zentralafrikanische Republik

Projekt Schutzgebiet
Chinko soll zum Naturreservat werden

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