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Umweltdesaster ohne Konsequenzen

Die Moral der Betreiber

Heute, zehn Jahre nach der Umweltkatastrophe in Baia Mare, hat sich die ökologische Situation an den am schlimmsten betroffenen Flüssen wie Theiß und Samos stark verbessert und auch die Fische sind wieder zurückgekehrt. Alles ok also? Ein einmaliger Ausrutscher? Einsichtige Betreiber der Chemieanlage – die australische Firma Aurul und der rumänische Staat -, die für alle Schäden aufkommen?

Die Theiß im Jahr 2007 © Lily15 / GFDL

Juristische Winkelzüge

Eher nein. Denn die Produktion in der Golderz-Aufbereitungsanlage wurde bereits vier Monate nach dem Unfall wieder aufgenommen. Immerhin waren zuvor die Sicherheitsstandards zumindest ansatzweise verbessert worden, und einen zweiten Damm um den Abwassersee herum hatte man auch gebaut. Dieser sollte eine erneutes Auslaufen verhindern und die Region künftig vor ähnlichen Umweltkatastrophen schützen.

Ansonsten stahlen sich die Besitzer der Chemieanlage aber aus der Verantwortung für das Unglück. Dazu die Schweizer „Wochenzeitung“: „Um Schadenersatzansprüchen zu entgehen, hatte Aurul Konkurs angemeldet und war von den alten Eigentümern unter dem Namen Transgold übernommen worden. Ein erfolgreicher Trick: 2008 verlor der ungarische Staat einen Prozess gegen Aurul – mit der Begründung, es gebe keinen juristisch Verantwortlichen mehr.“

Entschädigungen Fehlanzeige

Doch das ist noch nicht alles: „Auch vor Ort gingen die direkt Betroffenen leer aus. Aurul-Transgold kaufte AnwohnerInnen aus Bozânta zwar ihre überschwemmten Felder ab und finanzierte eine Reparatur der Dorfschule und des Kindergartens. Doch Entschädigungen, etwa für die vergifteten Brunnen im Dorf, erhielt niemand.“

Wieder neue Regelungen

Die Zyanidverseuchung von Theiß und Donau hatte aber nicht nur erneut Medien und Umweltschützer aufgeschreckt, sie legte auch noch vorhandene große Lücken in der Seveso-II-Richtlinie der EU offen. Es kam deshalb im Jahr 2003 zu einer Erweiterung der Vorschriften, die nun auch die Risiken durch die Lagerung und Aufbereitung im Bergbau und speziell von Bergeteichen oder Absetzbecken berücksichtigen.

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Da die Auslegung und Umsetzung der neuen Richtlinie 2003/105/EG jedoch Ländersache ist, herrschen in Europa trotzdem noch immer keine allgemeingültigen Regeln zur Verwendung der Zyanid-Auslaugtechnik. Aus Schaden wird man klug: Während Länder wie Ungarn ihren Einsatz nach dem Dammbruch in Rumänien komplett untersagt haben, ist die Zyanidlaugerei laut der Schweizer „Wochenzeitung“ unter anderem in Spanien nach wie vor Usus.

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Dieter Lohmann
Stand: 12.11.2010

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Seveso, Kolontár und Co.
Sind Chemieunfälle vermeidbar?

Tatort Bhopal
Der größte Chemieunfall aller Zeiten

Bhopals giftiges Erbe
Die Katastrophe ist noch lange nicht vorbei

Dioxin-Desaster in Italien
Das Seveso-Unglück

Dementis, Lügen und verlorene Fässer
Die Praktiken der Chemiebosse

Der Kampf gegen Chemieunfälle
Richtlinien und Konventionen

Gold um jeden Preis?
Der Dammbruch von Baia Mare

Umweltdesaster ohne Konsequenzen
Die Moral der Betreiber

Baia Mare 2.0
Die „rote Flut“ in Ungarn

Eine angekündigte Katastrophe
Kolontár - die Ursachen

Nie wieder Seveso?
Chemieunfälle drohen auch in Zukunft

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