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Umsiedeln als letzte Rettung?

Neue Artenschutz-Strategie angesichts des Klimawandels

Wer der Bedrohung durch den Klimawandel ausweichen kann, beispielsweise durch Umsiedeln, kann vielleicht überleben. Was aber, wenn dies aus eigener Kraft nicht (mehr) geht? Zum Beispiel weil ein „grüner Korridor“ zum neuen Lebensraum fehlt oder dieser einfach zu weit weg liegt? Kann möglicherweise dann der Mensch bedrohten Arten beim Umziehen helfen? Mit dieser Frage hat sich ein internationales Forscherteam unter Leitung von Camille Parmesan von der Universität von Texas befasst und ist zu einem ungewöhnlichen Schluss gekommen: Sie schlagen vor, den Artenschutz um eine neue Strategie zu erweitern, die so genannte assistierte Migration.

Dabei hilft der Mensch einer Art bei der Umsiedlung in ein neues Habitat, indem er gezielt Individuen dorthin transportiert. „Als ich diese Idee vor rund zehn Jahren in Artenschutztreffen zum ersten Mal aufbrachte, waren die meisten Leute entsetzt“, erinnert sich Parmesan in dem im Juli 2008 erschienen „Science“-Artikel. „Aber jetzt, wo die Realität des Klimawandels langsam durchsickert und bereits die ersten Arten davon bedroht sind und sogar aussterben, sehe ich eine neue Bereitschaft in der Artenschutz-Gemeinschaft, zumindest über die Möglichkeit zu reden, Arten zu helfen, in dem wir sie umsiedeln.“

Die Forscherin betont, dass die assistierte Migration niemals eine allgemeine Lösung für alle wildlebenden Organismen sein könne,. Aber für einige Arten, die von den Biologen als wichtig genug eingestuft werden und die anderweitig aussterben würde, könnte sich diese Mühe lohnen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass sich diese Arten leicht sammeln, züchten oder umsiedeln lassen. Außerdem müssen ihre Anforderungen an den Lebensraum gut bekannt sein und es muss Alternativ-Habitate außerhalb ihres bisherigen Verbreitungsgebiets geben. Auch das Risiko für die im neuen Gebiet bereits beheimateten Arten sollten berücksichtigt werden, so die Forscherin.

„Assistieren einer Migration bei Korallenriffen mag akzeptabel sein”, so Parmesan. „Aber Polarbären in die Antarktis zu transplantieren, wo die sie einheimische Pinguine wahrscheinlich ausrotten würden, wäre es definitiv nicht.“ Nach Ansicht der Wissenschaftlerin wird die Entscheidung, ob man einer Art beim Umziehen hilft, wird ebenso von ethischen und ästhetischen Erwägungen geleitet sein wie von wissenschaftlichen. „Artenschutz war nie eine exakte Wissenschaft, aber die Artenvielfalt angesichts des Klimawandels zu erhalten erfordert ein fundamentales Neudenken dessen, was es bedeutet, die Biodiversität zu erhalten.“

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Nadja Podbregar
Stand: 14.11.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Das große Sterben
Wie reagiert die Natur auf den Klimawandel?

Der Druck wächst
Klimawandel als zusätzlicher Belastungsfaktor für die Artenvielfalt

Beispiel Eisbär: Eis macht nicht satt
Symboltier vor dem Aus?

Beispiel Vögel: Wer zu spät kommt, verliert
Futtermangel und Brutplatzverlust

Die Invasoren kommen
Neue Chancen für Einwanderer

Beispiel Pflanzen: gut und schlecht zugleich
CO2 als Düngemittel

Wandel als Bedrohung
Jede fünfte Pflanzenart Europas gefährdet

Rezepte gegen das Aussterben
Was zeichnet Verlierer oder Gewinner aus?

Umsiedeln als letzte Rettung?
Neue Artenschutz-Strategie angesichts des Klimawandels

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