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Das Wichtigste in Kürze

Überblick

  • Trotz modernster Medizin sind Aids, Malaria und Tuberkulose weltweit auf dem Vormarsch. 17 Millionen von Menschen sterben jährlich an einer Infektionskrankheit. Impfstoffe sind entweder nicht vorhanden oder ineffektiv, herkömmliche Behandlungsmethoden durch Resistenzen unwirksam geworden.
  • Wissenschaftler suchen deshalb heute verstärkt nach neuen Ansatzstellen für Impfstoffe und Therapien. Dabei fahnden sie vor allem nach den so genannten „Drug targets“ – Zielmolekülen, die im Krankheitsstoffwechsel eine entscheidende Rolle spielen.
  • Experten schätzen, dass es etwa 200 chemische Mechanismen im Körper geben könnte, in denen verschiedene potenzielle Zielmoleküle existieren. Im Idealfall bindet ein wirksames Medikament oder ein Impfstoff an ein solches Schlüsselmolekül und blockiert damit seine Funktion.
  • Die Schwierigkeit besteht darin, aus der Vielzahl der Kandidaten die Erfolg versprechendsten herauszufiltern und passende Wirkstoffe zu entwickeln. Bis zum ersten Test am Menschen dauert eine solche Entwicklung meist mehr als zehn Jahre.
  • Tuberkulose, die „weiße Pest“, fordert jedes Jahr weltweit mehr als 1,7 Todesopfer, die Anzahl der Fälle steigt. Der herkömmliche Impfstoff ist nur bei Kindern und nicht gegen die häufigste Tb-Form, die Lungentuberkulose wirksam.
  • Der Erreger ist schwer angreifbar, da er sich in den Fresszellen des Immunsystems „verstecken“ kann und dann zwar eingekapselt, nicht aber vernichtet wird. Er bricht dann aus, sobald das Immunsystem geschwächt ist, wie beispielsweise bei einer HIV-Infektion.
  • Max-Plack-Forscher setzen an der Immunreaktion gegen den Erreger an, um einen effektiveren Impfstoff zu entwickeln: Sie nutzen einen normalerweise nur bei Viren aktiven Abwehrmechanismus, um die befallenen Fresszellen samt dem in ihnen sitzenden Erreger zu vernichten.
  • Dafür modifizierten die Forscher den herkömmlichen Impfstoff, einen abgeschwächten Erreger der Rindertuberkulose so, dass er ein porenbildendes Enzym produziert. Dieses setzt Bakterienproteine in das Zellplasma der Fresszellen frei und aktiviert damit einen Prozess, in dessen Verlauf die Proteine den speziellen Killerzellen des Immunsystems präsentiert werden. Solchermaßen aktiviert zerstören die Killerzellen dann die Fresszelle.
  • Der neue Impfstoff geht in diesem Jahr in den klinischen Test der Phase I, den entscheidenden ersten Test am Menschen. In diesem wird zunächst nur die Verträglichkeit und Sicherheit der Substanz getestet. Ob der Impfstoff auch wirklich seine Funktion erfüllt, zeigt sich erst in Phase zwei der klinischen Tests.
  • Gleichzeitig mit dem Tuberkulose-Impfstoff der Max-Planck-Forscher gehen noch fünf weitere Kandidaten 2006 in die klinischen Tests. Größtenteils beruhen auch sie auf einer gentechnischen Veränderung des ursprünglichen Lebendimpfstoffs oder aber eines Teils von ihm.
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Stand: 23.06.2006

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Mit Gentechnik gegen die Infektion
Die Suche nach neuen Impfstoffen

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Neue Tricks im alten Wettlauf
Ansatzstellen für wirksamere Medikamente gesucht

Zielmolekül im Visier
Vom Gen zum maßgeschneiderten Wirkstoff

Schutz durch „Verstecken“
Der Infektionsmechanismus der Tuberkulose

Ausstiegsluken ins Verderben
Der Weg zum Impfstoff-Kandidaten

Erfolgsquote acht von hundert…
Impfstoffe im klinischen Test

Weltweit auf dem Vormarsch
Tb in Deutschland und weltweit

Steckbrief: Tuberkulose
Die Krankheit und ihr Erreger

Interview: Professor Kaufmann
„Ein Ersatz für den klassischen BCG-Impfstoff“

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