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Das Wichtigste in Kürze

Überblick

  • Dass im Kern eigensinnige Wesen, die von egoistischen Genen getrieben sind, kooperieren, erklären Soziobiologen in den meisten Fällen mit Verwandtenselektion und Gegenseitigkeit. Doch der Mensch kooperiert oft auch dann, wenn keiner dieser beiden Fälle zutrifft. Die Reputation, der gute Ruf, so die These einige Forscher, könnte dafür die Triebkraft sein.
  • Ende der Neunzigerjahre lieferten Wissenschaftler den theoretischen Nachweis für die Macht des guten Rufs. Im Fachmagazin Nature beschrieben sie, wie in einer Computersimulation durch indirekte Gegenseitigkeit Kooperation unter Egoisten entstehen kann.
  • Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön und seine Kollegen testeten diese Theorie in Spielexperimenten an Studenten und konnten sie bestätigen: Wussten die Spieler, dass ihr Gegenüber hilfsbereit war, waren sie eher zu einer Kooperation bereit als im gegenteiligen Fall.
  • Die Macht des Guten Rufs kann sogar die Tragik des Gemeingutes aufheben, die Tatsache, dass bei öffentlichen Gütern wie beispielsweise der Umwelt oder dem Klimaschutz die Skrupel gering sind, egoistisch zu handeln, statt zum Wohle der – anonymen – Gesellschaft zu kooperieren.
  • In so genannten public goods games, weiteren Spielexperimenten, zeigt sich, dass auch in diesem Falle die Aufhebung der Anonymität durch die Reputation ein kooperatives Handeln bei den Einzelnen fördern kann.
  • Doch auch Strafe scheint in Maßen zu wirken, wenn es darum geht, Kooperation zu sichern. In den Experimenten schlossen sich die meisten Spieler nach einiger Zeit einer Gruppe an, in der Kooperation sowohl durch Bestrafung als auch durch Reputationsbildung erreicht werden konnte.
  • Nach der evolutionsbiologischen Logik lohnt sich Egoismus für Altruisten immer dann, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Um Kooperation zu sichern, genügt dabei offenbar schon die Abbildung eines scheinbar beobachtenden Augenpaars.
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Marcus Anhäuser / MaxPlanckForschung
Stand: 06.06.2008

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Egoismus schafft Gemeinsinn
Auf der Suche nach den Triebkräften der Kooperation

Überblick
Das Wichtigste in Kürze

Der Lohn des guten Rufs
Altruismus mit Hintergedanken

Kooperation unter Egoisten
Spielen für die Wissenschaft

Die Tragik des Gemeinguts
Woran Klimaschutz und Co. immer wieder scheitern

Das Problem der Anonymität
Unbekannt sündigt es sich leichter

Wie sinnvoll sind Strafen?
Kooperations-Anreize im Test

Gut nur unter Beobachtung?
Ein aufschlussreicher Augentrick

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