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Tüfteln fürs Gemeinwohl

Erfindungen jenseits des Blitzableiters

Der Blitzableiter ist nicht die einzige Erfindung Benjamin Franklins. Im Laufe seines Lebens tüftelt er an unzähligen Gerätschaften, Werkzeugen oder Verfahren. Einige davon erfindet er ganz neu, andere optimiert er und entwickelt sie weiter.

Doch so geschäftstüchtig Franklin auch sonst ist, keine seiner vielen Erfindungen lässt er sich patentieren. Denn seiner Meinung nach sollen sie dem Gemeinwohl dienen und daher auch frei für alle verfügbar sein: „So wie wir selbst große Vorteile aus den Erfindungen anderer ziehen, sollten wir glücklich für die Chance sein, anderen durch unsere Erfindungen zu dienen – und das sollten wir frei und großzügig tun“, schreibt er in einem Artikel.

Bifokalglas
Das Bifokalglas geht auf eine Erfindung Benjamin Franklins zurück. © Frank C. Müller/CC-by-sa 3.0

Schwimmflossen, Zweistärkenbrille und ein Urinkatheter

Schon als elfjähriger Junge erfindet Benjamin Franklin Vorläufer der Schwimmflossen: Um schneller voranzukommen, sägt er sich zwei ovale Brettchen zurecht, die er beim Schwimmen in den Händen hielt. „Ich drückte die Kanten der Bretter vorwärts und schob das Wasser beim Zurückziehen mit ihrer flachen Seite weg“, berichtet er in einem Essay, den er als Jugendlicher schreibt. „Ich erinnere mich, dass ich mithilfe dieser Paletten schneller schwamm, aber sie ermüdeten meine Handgelenke.“

Deutlich alltagstauglicher ist eine Erfindung, die Franklin in späteren Jahren macht: Weil seine Augen nachlassen und er sowohl kurzsichtig als auch altersweitsichtig wird, muss er ständig die Brille wechseln. Um sich diese lästige Tauscherei zu ersparen, schneidet er kurzerhand die Gläser beider Brillen in der Mitte durch und kombiniert sie zu Zweistärkengläsern – oben für die Fernsicht und unten fürs Lesen.

Ein weiteres Medizinhilfsmittel, das Franklin optimiert, ist der Blasenkatheter. Franklins Bruder leidet so schwer an Blasensteinen, dass er mehrfach Katheter nutzen muss, um urinieren zu können. Zu dieser Zeit bestehen diese noch aus einem starren Metallröhrchen, was das Einführen zur Qual macht. Um seinem Bruder Erleichterung zu verschaffen, entwickelt Franklin einen Katheter aus beweglich durch Gelenke miteinander verbundenen Gliedern – den ersten flexiblen Urinkatheter.

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Uhrnzeichnung
Drei-Räder-Uhr nach Franklins Modell. © historisch

Greifarm, Uhr und Ofen

Auch die meisten anderen Erfindungen Franklins sind eher praxisnah und alltagstauglich. So konstruiert er einen Greifarm, mit dem man Bücher aus oberen Regalfächern greifen kann. Er besteht aus einem Stock, an dessen Spitze zwei bewegliche Greifer sitzen, die durch Zug an einer Schnur geöffnet oder geschlossen werden können. Greifer nach diesem Prinzip gibt es bis heute.

Als Franklin 1737 Postmeister von Philadelphia und 1753 Postmeister der gesamten englischen Übersee-Kolonien wird, nutzt er die Gelegenheit, um den damals gängigen Entfernungsmesser zu optimieren. Zudem entwickelt er eine 24-Stunden Uhr mit drei Rädern, die gegenüber den gängigen Uhren dieser Zeit einfacher konstruiert war.

Und sogar mit dem Design von Öfen befasst sich Franklin – möglicherweise angeregt durch die kalten Winter in Pennsylvania. Sein „Pennsylvania Fireplace“ soll die Wärme des brennenden Holzes effizienter an den Raum übertragen. Die Konstruktion ist allerdings nicht ausgereift und die Öfen ziehen schlecht. Erst später optimiert ein anderer Ofenbauer das Design und macht die Öfen populär.

Musik der Sphären – die Glasharmonika

Ausgerechnet Franklins liebste Erfindung jedoch ist weder nützlich noch praktisch – es ist ein Musikinstrument. „Von allen meinen Erfindungen hat die Glasharmonika mir die größte persönliche Befriedigung gegeben“, schreibt Franklin. Den Anstoß dazu bekommt er, während er als Gesandter der amerikanischen Kolonien in Paris lebt. Bei einem Konzertbesuch hört er eine Vorführung der musikalischen Gläser. Dabei reiben die Musiker mit dem Finger am Rand von wassergefüllten Glasern entlang. Je nach Füllhöhe entsteht dabei ein feiner, hoher Ton.

Vorführung einer Glasharmonika.© Usama al-Binni

Franklin ist von der sphärischen Schönheit dieser Klänge fasziniert und beschließt, ein Musikinstrument nach diesem Prinzip zu entwickeln. Gemeinsam mit einem Glasbläser setzt er seine Idee um und erfindet 1761 die Glasharmonika. Sie besteht aus Glasschalen verschiedener Größe, die über eine Achse und Korkabstandshalter halb ineinandergesteckt aufgereiht sind. Dreht man nun über ein Fußpedal die Achse, drehen sich die Glasschalen und man kann Töne erzeugen, indem man einfach den Finger an das Glas hält.

Die Glasharmonika erfreut sich schnell großer Beliebtheit und wird sowohl von Musikern wie von Amateuren gekauft und gespielt. Sogar Komponisten wie Mozart und Beethoven schreiben Stücke für dieses Instrument. In Europa und Amerika sind Ende des 18. Jahrhunderts mehrere tausend Exemplare der Glasharmonika in Benutzung. Später allerdings lässt die Begeisterung für das Instrument nach und Franklins Glasharmonika gerät in Vergessenheit.

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In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Benjamin Franklin
Forscher, Diplomat und Zähmer der Blitze

Der Self-Made-Man
Vom Drucker zum Journalisten und Unternehmer

Funken, Flaschen und die Batterie
Franklin und das Geheimnis der Elektrizität

Das Drachen-Experiment
Wie Franklin den Blitz zähmte

Winde, Golfstrom und der Schnupfen
Franklin als Wissenschaftler

Tüfteln fürs Gemeinwohl
Erfindungen jenseits des Blitzableiters

Diplomat und Politiker
Franklins Rolle als Gründervater der USA

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