Anzeige

Steckbrief: Malaria

Geißel der Tropen - bald auch hier?

Malaria ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. 300 bis 500 Millionen Menschen erkranken in jedem Jahr neu an Malaria, 1,5 bis 2,7 Millionen Menschen sterben jährlich daran.

Erreger:

Erreger der Malaria ist weder ein Bakterium noch ein Virus, sondern ein parasitischer Einzeller der Gattung Plasmodium. Die drei Hauptformen der Malaria werden durch drei verschiedene Plasmodien-Arten hervorgerufen: Malaria tropica durch Plasmodium falciparum, Malaria tertiana, so benannt nach den etwa jeden dritten Tag auftretenden Fieberschüben, durch Plasmodium vivax und Malaria quartana, bei der Fieberschübe an jedem vierten Tag auftreten, durch Plasmodium malariae.

Kohlenstoff ist ein Produkt der Sterne © NASA/gemeinfrei

Plasmodien sind intrazelluläre Parasiten, sie machen einen Teil ihres Entwicklungszyklus im Inneren von menschlichen roten Blutkörperchen durch und zerstören diese dabei. Ihre restliche Entwicklung durchleben sie in ihrem Hauptwirt, den Anophelesmücken.

Saugt die Mücke an einem malariainfizierten Menschen, nimmt sie mit ihrer Blutmahlzeit die Geschlechtszellen von Plasmodium auf. In ihrem Darm reifen dies heran und verschmelzen. Die entstehende Zelle ist beweglich und dringt durch die Darmwand der Mücke in das umgebende Muskelgewebe ein. Hier teilt sich die Zelle mehrfach und es bilden sich die Überträgerformen, die Sporozoiten. Diese wandern in die Speicheldrüse der Mücke und werden mit dem nächsten Stich der Mücke in die Wunde übertragen.

Von der Wunde wandern die Sporozoiten im Menschen bis zu Zellen der Leber, der Milz oder des Knochenmarks, von wo aus sie nach einer Reifungsphase ins Blut übergehen und dort in rote Blutkörperchen eindringen. Im Blutkörperchen vermehren sie sich und zerstören dadurch letztendlich die Zelle. Diese Entwicklung kann mehrfach wiederholt werden, bis zuletzt auch in Blutkörperchen die Geschlechtszellen von Plasmodium gebildet werden. Diese werden von der Mücke bei ihrer Blutmahlzeit aufgenommen und der Kreis schließt sich.

Anzeige

Verbreitung:

Malaria tritt in allen subtropischen und tropischen Regionen der Erde auf. Mehr als 100 Länder gelten als Malaria-Endemiegebiete, mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in diesem Bereich. Afrika ist von der Krankheit besonders stark betroffen – mehr als 90 Prozent aller Malariafälle werden hier registriert. Doch während die Malaria in Afrika nahezu unverändert grassiert, ist das Infektionsrisiko in anderen Regionen der Welt sogar noch gestiegen. Auch in Teilen Südeuropas und der Türkei sind inzwischen wieder Fälle aufgetreten.

In der Vergangenheit war die Krankheit auch in nördlicher gelegenen Teilen Europas heimisch: Im Mittelalter wütete die Malaria in England, noch im 18. Und 19. Jahrhundert sind Krankheitsfälle aus Schweden und und Finnland überliefert. Erst im 20. Jahrhundert verschwand die Malaria aus Nord- und Mitteleuropas Hauptursache dafür gilt die Trockenlegung von Sümpfen und die großangelegte Mückenbekämpfung mithilfe von DDT nach dem zweiten Weltkrieg. Heute werden in Deutschland in jedem Jahr 800 bis 1.000 Malaria-Fälle gemeldet. In der Regel sind diese jedoch durch Touristen, die in Malariagebieten waren und sich dort angesteckt haben, eingeschleppt.

Übertragung:

Die Malariaerreger werden durch den Stich einer infizierten weiblichen Anopheles-Mücke übertragen. Rund 70 Anophelesarten kommen als Überträger in Betracht, die wichtigste und in Afrika verbreitetste ist Anopheles gambiae. Auch in Mitteleuropa sind einige Anophelesarten verbreitet, sie gelten jedoch bisher nicht als Überträger. In seltenen Fällen können infizierte Mücken auch als „blinde Passagiere“ im Gepäck von Flugreisenden eingeschleppt werden und im Flugzeug, am Flughafen oder in dessen Umgebung für eine gewissen Zeit überleben. Stechen sie Menschen, kommt es zur so genannten Flughafen-Malaria.

Malaria kann auch durch direkten Austausch oder Kontakt mit infiziertem Blut übertragen werden, der durch verunreinigten Bluttransfusionen, gemeinsamen Gebrauch von Spritzen oder Kanülen bei Drogennutzern oder unzureichende Sterilisation von Infusionsystemen zu Stande kommt. Heimkehrer aus Malariagebieten sind daher in jedem Falle für mindestens sechs Monate von der Blutspende ausgeschlossen.

Symptome:

Malaria tropica:

Sie ist die gefährlichste Malaria-Art, unbehandelt sterben bis zu 20 Prozent der Erkrankten an ihr. Rund zwei Drittel aller in Deutschland auftretenden Malariafälle leiden an dieser Form der Krankheit. Die ersten Symptome treten nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen auf und sind grippeähnlich mit Erschöpfung, Kopf- und Gliederschmerzen und schwankendem Fieber. Im späteren Krankheitsverlauf können Blutarmut, Durchfall, und im schwersten Fall zentralnervöse Störungen hinzukommen. Die Symptome können dann bis zu Krampfanfällen, Bewusstseinstrübungen und Koma reichen.

Malaria tertiana:

Malaria tertiana beginnt 12 bis 18 Tage nach der Infektion mit meist mit plötzlichem, 3-4 Stunden anhaltendem hohen Fieber mit Schüttelfrost und starken Schweißausbrüchen. Die Fieberanfälle wiederholen sich typischerweise alle 48 Stunden. Diese Krankheitsform verläuft nur sehr selten tödlich.

Malaria quartana:

Sie wird durch Plasmodium malariae hervorgerufen und ist relativ selten. Nur rund ein Prozent der nach Deutschland importieren Fälle leiden an ihr. Die Symptome gleichen denen der Malaria tertiana, treten aber im 72 Stunden Rhythmus auf. Die Inkubationszeit beträgt 18 bis 40 Tage.

Behandlung:

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von wirksamen Antimalariamedikamenten. Inzwischen mehrt sich allerdings die Zahl der resistenten Erregerstämme, so dass es zu Komplikationen kommen kann.

Vorbeugung:

Eine echte aktive Schutzimpfung gegen Malaria gibt es nicht, Vorbeugung besteht daher vor allem aus der Vermeidung von Mückenstichen und einer vorbeugenden Einnahme von Antimalariamitteln, der so genannten Chemoprophylaxe. Nach Empfehlung des RKI sollte diese je nach Mittel 2-3 Wochen, jedoch mindestens eine Woche vor der Einreise in das malariagefährdete Gebiet und bis 4 Wochen nach der Rückkehr durchgeführt werden.

  1. zurück
  2. |
  3. 1
  4. |
  5. 2
  6. |
  7. 3
  8. |
  9. 4
  10. |
  11. 5
  12. |
  13. 6
  14. |
  15. 7
  16. |
  17. 8
  18. |
  19. 9
  20. |
  21. 10
  22. |
  23. 11
  24. |
  25. 12
  26. |
  27. 13
  28. |
  29. 14
  30. |
  31. weiter


Stand: 06.05.2002

Anzeige

In den Schlagzeilen

Inhalt des Dossiers

Blutsauger
Zecken, Mücken und Co.: Kleiner Stich mit bösen Folgen

Vampire der tierischen Art...
Blutsauger auf der Jagd

Auf der Suche nach dem richtigen Stich...
Nahrungssuche mit Hindernissen

Ein ganz besonderer Duft...
Chemische Signale zur Wirtsfindung

Süßes Blut...
Woher kommen die Unterschiede in der "Anziehungskraft"

Strohhalm oder Axt?
Die "Bohrstrategien" der Blutsauger

Kleiner Stich mit großen Folgen...
Durch Blutsauger übertragene Krankheiten auf dem Vormarsch

Steckbrief: Lyme-Borreliose
Flächendeckendes Risiko...

Steckbrief: Frühsommer- Menignoenzephalitis (FSME)
Impfung empfohlen...

Steckbrief: Malaria
Geißel der Tropen - bald auch hier?

Und auch diese noch...
Weitere von Blutsaugern übertragene Krankheiten

Minivampire im Anflug
Steckbrief: Stechmücken

Lauerjäger im Unterholz
Steckbrief: Zecken

Die verbreitetsten Irrtümer...
...über Zecken und die von ihnen übertragenen Krankheiten

Diaschauen zum Thema

keine Diaschauen verknüpft

News zum Thema

Asiatische Tigermücke jetzt auch in Bayern
Tropische Mückenart wird immer häufiger nach Deutschland eingeschleppt

Tarnkappen-Duft täuscht Stechmücken
Forscher entdecken einen natürlichen Duftstoff, der den Geruchsinn von Mücken blockiert

Asiatische Buschmücke jetzt auch in Norddeutschland
Aus Asien eingeschleppte Stechmücke hat sich weiter in Deutschland ausgebreitet

Deutschland wird zum Tigermücken-Risikogebiet
Mildere Winter ermöglichen Überleben des aus Asien stammenden Insekts

Dossiers zum Thema